Schwerer Busunfall: Drei der vier Todesopfer identifiziert
28.03.2024 - 16:02:51 | dpa.de
Nach dem schweren BusunglĂŒck auf der Autobahn 9 bei Leipzig hat die Polizei Informationen zur IdentitĂ€t der Todesopfer veröffentlicht. Demnach handelt es sich bei den vier Getöteten um Frauen. Bei dem Unfall starben eine 47-jĂ€hrige Polin, eine 20-jĂ€hrige Indonesierin mit Wohnsitz in Berlin sowie eine 19-JĂ€hrige aus Bayern, wie die Polizei mitteilte. Die IdentitĂ€t der vierten Frau konnte bislang noch nicht zweifelsfrei geklĂ€rt werden.Â
Der Doppelstock-Flixbus mit 54 Menschen an Bord, inklusive der beiden Fahrer, war am Mittwochmorgen von der Fahrbahn abgekommen, in den GrĂŒnstreifen gerast und auf die Seite gekippt. Vier Menschen starben, 6 wurden schwer und 29 leicht verletzt. Einige der Schwerverletzten waren nach Polizeiangaben kurz nach dem Unfall operiert worden und werden weiterhin in Kliniken behandelt. Viele Betroffene waren nach der Behandlung leichterer Verletzungen aus den KrankenhĂ€usern entlassen worden, wie die Polizei mitteilte.Â
Ermittlungen gegen den Fahrer
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen gegen den Busfahrer aufgenommen. Der Vorwurf gegen den 62-JĂ€hrigen lautet auf fahrlĂ€ssige Tötung und fahrlĂ€ssige Körperverletzung, wie ein Sprecher der Behörde am Donnerstag sagte. Ob der Mann bereits vernommen wurde, konnte der Sprecher nicht sagen.Â
Die Ursachenforschung steht fĂŒr die Ermittler jetzt im Vordergrund. So sollen auch alle Verletzten, die in einem Krankenhaus behandelt werden, befragt werden, sofern es deren Gesundheitszustand zulĂ€sst, wie eine Sprecherin der Polizeidirektion Leipzig am Donnerstag auf Anfrage sagte. Laut Staatsanwaltschaft wird zudem ein unfallanalytisches Gutachten von dem Bus in Auftrag gegeben. Mit ersten Ergebnissen sei wohl erst in einigen Wochen zu rechnen, betonte der Behördensprecher.
Nach Angaben der Polizei stammten die Businsassen ĂŒberwiegend nicht aus Deutschland. Von den 54 Passagieren haben 18 eine deutsche Staatsangehörigkeit. Die ĂŒbrigen stammten aus mehr als 20 LĂ€ndern, darunter Peru, Neuseeland, China, Kanada und USA.
Kein anderes Fahrzeug am Unfall beteiligt
Der Reisebus war auf dem Weg von Berlin nach ZĂŒrich verunglĂŒckt. Um 8.00 Uhr war er gestartet, gegen 9.45 Uhr passierte der Unfall zwischen der Anschlussstelle Wiedemar und dem Schkeuditzer Kreuz. Nach ersten Erkenntnissen war wohl kein anderes Fahrzeug daran beteiligt. Der Fahrer des Busses soll nach Angaben des Busunternehmens alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten haben. «An Bord waren zwei Fahrer, der Fahrer im Einsatz steuerte den Bus seit Abfahrt in Berlin um 8 Uhr», hieĂ es. Die A9, eine wichtige Nord-SĂŒd-Strecke zwischen Berlin und MĂŒnchen, war rund um die Unfallstelle zwölf Stunden lang gesperrt.
Noch vor dem Eintreffen der EinsatzkrĂ€fte hatte ein nachfolgender Bus an der Unfallstelle angehalten. Darin hatten nach Angaben der «SaarbrĂŒcker Zeitung» zahlreiche Feuerwehrleute aus SaarbrĂŒcken gesessen, die sofort zu dem verunglĂŒckten Reisebus geeilt waren. Demnach hatten sie ohne professionelle AusrĂŒstung Verletzte aus den TrĂŒmmern geholt und versorgt.
Busse vergleichsweise selten in VerkehrsunfÀlle involviert
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder schwere ReisebusunfĂ€lle. Dennoch zĂ€hlen Busse zu den relativ sicheren Verkehrsmitteln. Der Unfallstatistik zufolge sind sie vergleichsweise selten in VerkehrsunfĂ€lle mit Personenschaden involviert.Â
«Dennoch sind FĂ€lle, in denen es zu UnfĂ€llen kommt, oft dramatisch, weil die Zahl der Betroffenen hoch sein kann», sagte ein Sprecher des ADAC. 2022 kamen den Angaben zufolge bei BusunfĂ€llen innerhalb und auĂerhalb von Ortschaften insgesamt acht Menschen ums Leben - eine im langjĂ€hrigen Vergleich nicht ungewöhnliche Zahl.
Der ADAC verwies auf die seit 1999 bestehende Gurtpflicht in Reisebussen. «Ob und wie die einzelnen Unternehmen kontrollieren, ob Insassen angeschnallt sind, ist nicht nachzuvollziehen», sagte der Sprecher. Busreisenden werde grundsĂ€tzlich empfohlen, sich anzuschnallen. Zudem mĂŒssen Reisebusse laut ADAC seit 2022 mit einem sogenannten Spurhaltewarnsystem ausgestattet sein. Ob der verunglĂŒckte Bus eines hatte, war zunĂ€chst nicht bekannt. Ein solches System warnt den Fahrer, verhindert aber nicht das tatsĂ€chliche Abkommen von der Fahrbahn, falls er nicht gegenlenkt.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

