BĂ€ren, USA

«Fat Bear»-Wahl - Wer siegt als dickster BraunbÀr?

03.10.2023 - 12:04:58

Bei der «Fat Bear»-Wahl in Alaska haben die dicksten BraunbÀren die besten Chancen auf den Titel. Juroren aus aller Welt stimmen ab. Der kuriose Wettstreit hat einen ernsten Hintergrund.

Enorme Fettrollen, ein Meister im Lachsfressen: 747 könnte beim diesjĂ€hrigen «Fat Bear»-Wettbewerb in Alaska seinen Vorjahrestitel verteidigen. Der massige BraunbĂ€r mit dem vielsagenden Spitznamen «Jumbo Jet» war bereits 2020 und 2022 zum dicksten Pelztier des Katmai-Nationalparks gekĂŒrt worden. Nun tritt er bei dem kuriosen Wettstreit der fettesten BĂ€ren wieder an. Die Ranger stellten die zwölf Kandidaten vor.

Zum neunten Mal veranstaltet der Park im SĂŒdwesten von Alaska die «Fat Bear Week». Online können Besucher und BĂ€ren-Fans eine Woche lang fĂŒr die dicksten Prachtexemplare stimmen. Der Gewinner wird am «Fat Bear»-Dienstag (10. Oktober) gekĂŒrt.

747 wurde im Jahr 2019 auf rekordverdĂ€chtige 630 Kilo geschĂ€tzt. Jetzt sei das ĂŒber 20 Jahre alte MĂ€nnchen nicht mehr ganz so dick, aber noch immer eine imposante Erscheinung, sagen die Ranger. Es kommt auf die Rundungen an, aber auch das Temperament, besondere FĂ€higkeiten oder die ÜberlebenskĂŒnste der Tiere spielen eine Rolle, wenn die Ranger ihre Auswahl treffen. Wie geschickt fangen die BĂ€ren in den Stromschnellen Lachse, wie gut verteidigen sie ihren Standort? Es ist eher ein Beliebtheits-Wettbewerb, bei dem im vorigen Jahr BĂ€renfans aus aller Welt ĂŒber eine Million Stimmen abgaben.

DĂŒnn im FrĂŒhjahr, dick im Herbst

«NatĂŒrlich brauchen wir Fotos von den BĂ€ren, im FrĂŒhjahr, wenn sie dĂŒnn sind, und im Herbst, wenn sie schön rund sind», erzĂ€hlt Rangerin Chris Kliesrath der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorher-Nachher-Fotos zeigen es deutlich: nach der Winterruhe sind die BĂ€ren abgemagert, bis zum Herbst specken sie deutlich an.

NatĂŒrlich kommt kein BĂ€r auf die Waage. Aus sicherem Abstand werden die Kandidaten beĂ€ugt, verglichen und ĂŒberschwĂ€nglich beschrieben. «Oh mein Gott, sein Bauch schleift ĂŒber den Boden», begeistert sich Kliesrath. «Manche habe enorme Fettrollen, zu unserer großen Freude, denn das sind fĂŒr uns erfolgreiche BĂ€ren.» Mit diesen Fettreserven können sie dann die monatelange Winterruhe ohne zu Fressen ĂŒberstehen. Dabei verlieren sie bis zu 33 Prozent ihres Körpergewichts, erzĂ€hlt die Rangerin.

Mit dem «Fat Bear»-Wettstreit will der Park ĂŒber das Ökosystem und den Lebensraum der ĂŒber 2000 BraunbĂ€ren in der Region informieren und auf Gefahren, etwa durch den Klimawandel, aufmerksam machen. Das Gebiet hat die grĂ¶ĂŸten Lachsvorkommen der Welt. Auf diese kalorienreiche Kost sind die Tiere angewiesen. Doch in diesem Jahr seien die LachszĂŒge zwei Wochen spĂ€ter gekommen, so dass die BĂ€ren anfangs nur Beeren und Gras zu fressen hatten, erklĂ€rt Kliesrath.

Doch am Ende reichte das Lachs-Buffet aus, dass sieht man an den Rundungen der diesjÀhrigen Kandidaten. Unter ihnen ist der wuchtige Chunk (zu deutsch: Klotz), mit einer auffÀlligen Narbe auf der Schnauze. Das 18 Jahre alte MÀnnchen - aus Sicht der Ranger «ein Monster» - zÀhlt zu den dominantesten BÀren in dem Revier. Auch der dreifache Gewinner Otis mischt erneut mit. Mit 27 Jahren zÀhle er zu den Àltesten und erfahrensten BÀren. Trotz des Alters und schlechter ZÀhne sei er immer noch ein Meister im Lachsfischen.

Ordentlich angespeckt

Holly, eine der sechs weiblichen Kandidatinnen, war 2019 als «Königin der KörperfĂŒlle» zur Siegerin erklĂ€rt worden. Mit ihr ist unter anderem Weibchen Grazer im Rennen, die neben ihrer LeibesfĂŒlle auch durch hell gefĂ€rbte Ohren auffĂ€llt. JĂŒngster Kandidat ist der pummelige 806 Spring Cub, der in seinem ersten Sommer an der Seite seiner Mutter ordentlich anspeckte. Bei der Geburt zu Jahresbeginn wiegen Jungtiere gerade mal ein halbes Kilo, bis zum Herbst nehmen sie beachtliche 30 Kilo zu, informieren die Ranger.

Auf der Online-Plattform «Explore.org» werden in der «Fat Bear Week» tĂ€glich BĂ€ren zur Abstimmung prĂ€sentiert. Nach sechs Runden stehen sich im Finale dann nur noch zwei der ursprĂŒnglich zwölf Mitstreiter gegenĂŒber. Unterdessen kann man den BĂ€ren via Webcam beim Fressen zuschauen.

Kliesrath macht das mit Begeisterung. «FĂŒr mich sind sie die schönsten Tiere ĂŒberhaupt», schwĂ€rmt die Rangerin. «Sie kĂ€mpfen um die besten AngelplĂ€tze, sind dabei enorm einfallsreich und stark, aber gehen auch sanft mit ihrem Nachwuchs um - einfach majestĂ€tisch».

@ dpa.de