Beamte, Krawallen

39 Beamte bei Krawallen nach tödlichem Angriff verletzt

31.07.2024 - 10:18:28

Bei einer Mahnwache trauern zahlreiche Menschen friedlich um die erstochenen und die verletzten Kinder im britischen Southport. Doch Rechtsextreme kapern das Gedenken.

  • Bei einer Mahnwache gedachten zahlreiche Menschen friedlich der Opfer.
 - Foto: James Speakman/PA Wire/dpa

    James Speakman/PA Wire/dpa

  • Nach einer Mahnwache wurde zunĂ€chst eine Moschee attackiert. - Foto: Pat Hurst/PA Wire/dpa

    Pat Hurst/PA Wire/dpa

  • Fast 40 Polizisten wurden verletzt. - Foto: Richard Mccarthy/PA Wire/dpa

    Richard Mccarthy/PA Wire/dpa

  • Anwohner und EinsatzkrĂ€fte rĂ€umen gemeinsam die SchĂ€den der Nacht auf. - Foto: James Speakman/PA Wire/dpa

    James Speakman/PA Wire/dpa

Bei einer Mahnwache gedachten zahlreiche Menschen friedlich der Opfer.
 - Foto: James Speakman/PA Wire/dpaNach einer Mahnwache wurde zunÀchst eine Moschee attackiert. - Foto: Pat Hurst/PA Wire/dpaFast 40 Polizisten wurden verletzt. - Foto: Richard Mccarthy/PA Wire/dpaAnwohner und EinsatzkrÀfte rÀumen gemeinsam die SchÀden der Nacht auf. - Foto: James Speakman/PA Wire/dpa

Nach dem tödlichen Messerangriff auf mehrere Kinder und antimuslimischen Ausschreitungen von Rechtsextremen steht die britische KĂŒstenstadt Southport unter Schock. Gemeinsam rĂ€umten Anwohner das TrĂŒmmerfeld auf. 

Die Polizei schĂ€tzt, dass es etwa 200 bis 300 Randalierer waren, die erst eine Moschee und dann Polizisten mit Ziegelsteinen, MĂŒlleimern und Straßenschildern bewarfen. Bisher wurden drei Menschen festgenommen, wie Chief Constable Serena Kennedy von der Merseyside Police sagte. «Allerdings werden noch einige folgen.»

Nahe der attackierten Moschee war ein ausgebrannter Polizeiwagen war zu sehen. 39 Beamte wurden bei den Krawallen verletzt, 27 von ihnen mussten in Kliniken behandelt werden. Die Vorsitzende der örtlichen Polizeigewerkschaft sprach sogar von mehr als 50 verletzten Kolleginnen und Kollegen.

Southport rÀumt auf

Der lokale GeschÀftsmann Norman Wallis sagte der Nachrichtenagentur PA, die Randalierer stammten nicht aus der Gegend, sondern seien mit Bussen und Autos angereist, um Krawalle zu machen. «Die Leute aus Southport rÀumen heute dieses Chaos auf», sagte Wallis.

Die Ausschreitungen, die nach einer friedlichen Mahnwache Tausender Menschen fĂŒr die Opfer ausbrachen, wurden nach Polizeiangaben von GerĂŒchten und Falschmeldungen ĂŒber die IdentitĂ€t des mutmaßlichen TĂ€ters geschĂŒrt. Der 17-JĂ€hrige soll am Montag drei MĂ€dchen im Alter von sechs, sieben und neun Jahren erstochen und acht weitere Kinder sowie zwei Erwachsene teils schwer verletzt haben. Das Motiv ist noch unklar. Die Ermittler erhielten mehr Zeit, um den VerdĂ€chtigen zu befragen.

Im Internet kursierten Berichte, bei dem TatverdĂ€chtigen handele es sich um einen muslimischen Asylbewerber mit arabisch klingendem Namen, der bereits vom britischen Geheimdienst beobachtet worden sei. Kritiker warfen dem rechtspopulistischen Abgeordneten Nigel Farage, der einst den Brexit maßgeblich vorangetrieben hatte, vor, die Stimmung anzuheizen. Der Chef der Partei Reform UK hatte in einem bei X hochgeladenen Video spekuliert, dass die Behörden die «Wahrheit vor uns zurĂŒckhalten».

Polizei weist Online-Spekulationen zurĂŒck

Die Polizei wies die Angaben, die auch von einem russischen Staatsmedium verbreitet wurden, deutlich zurĂŒck. Der 17-JĂ€hrige sei in Großbritannien geboren worden, betonte sie. Die BBC berichtete, der Teenager sei Sohn ruandischer Eltern und lebe seit mehr als zehn Jahren in der Region Southport. Die Polizei geht von einem EinzeltĂ€ter aus. Es handele sich nicht um eine Terrortat.

Die Angreifer hĂ€tten nach einer Mahnwache fĂŒr die Opfer der Messerattacke sowohl Beamte als auch die örtliche Moschee mit Ziegelsteinen beworfen und ein GeschĂ€ft geplĂŒndert, so die Polizei. Außerdem setzten sie den Angaben zufolge Autos und MĂŒlltonnen in Brand. Nach Angaben der Behörden waren die meisten Randalierer Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe. 

Der örtliche Parlamentsabgeordnete Patrick Hurley sagte dem Sender BBC Radio 4, die Randalierer hĂ€tten die Bluttat fĂŒr ihre eigenen politischen Zwecke missbraucht und «dieselben Ersthelfer und dieselben Polizisten» angegriffen, die am Montag den TĂ€ter gestoppt hĂ€tten. Der Vorsitzende der Moschee, Ibrahim Hussein, sagte Reportern, er habe mit acht Gemeindemitgliedern in dem GebĂ€ude festgesessen und sei nur dank einer Polizeieskorte entkommen.

Die britische Regierung verurteilte die Ausschreitungen scharf. Randalierer wĂŒrden die volle HĂ€rte des Gesetzes spĂŒren, kĂŒndigten der neue Premierminister Keir Starmer und Innenministerin Yvette Cooper an. 

«Diejenigen, die die Mahnwache fĂŒr die Opfer mit Gewalt und BrutalitĂ€t gekapert haben, haben die trauernde Gemeinschaft beleidigt», betonte der Regierungschef bei X. Starmer legte nahe dem Tatort Blumen niedergelegt. Dabei wurde der Premierminister, der erst seit wenigen Wochen im Amt ist, von Schaulustigen belĂ€stigt, die ein schĂ€rferes Vorgehen gegen Migranten forderten.

Polizisten erlitten KnochenbrĂŒche und Schnittwunden

Die bei den Ausschreitungen verletzten EinsatzkrĂ€fte erlitten laut Polizei unter anderem KnochenbrĂŒche, Schnittwunden, vermutlich einen Nasenbruch und eine GehirnerschĂŒtterung. Auch drei Polizeihunde wurden verletzt.

@ dpa.de