Ăber Tage in der Tiefe: Höhlenforscherin in Italien gerettet
18.12.2024 - 06:25:47 | dpa.deDick eingepackt und fest verschnĂŒrt auf einer Trage liegend hieven mehrere Retter die verunglĂŒckte Höhlenforscherin Ottavia Piana durch die engen und rutschigen GĂ€nge der Höhle Abisso Bueno Fonteno in Norditalien. Zentimeter fĂŒr Zentimeter tasten sie sich im Licht der Stirnlampen vor. Nach einem langwierigen Einsatz haben sie es nun endlich geschafft - am frĂŒhen Mittwochmorgen erreichen sie mit Piana den Ausgang der tiefen Höhle.
Um 2.59 Uhr atmete die 32-JĂ€hrige wieder frische Luft - im Freien wartete in der Luft stehend ein Helikopter, der sie ĂŒber eine Seilwinde heraufzog, um sie anschlieĂend ins Krankenhaus zu bringen. Bei ihrem Absturz am Wochenende hatte sich die Frau schwer verletzt. Nach Angaben der Retter zog sie sich dabei Wirbel- und Rippenverletzungen und auch Verletzungen im Gesicht zu.
Am Ende ging es schneller als gedacht: Eigentlich war der Aufstieg zum Ausgang der Höhle am spĂ€ten Mittwochabend oder sogar erst am Donnerstagmorgen erwartet worden. Ăberraschend gelang es den Rettern jedoch, den letzten Abschnitt des Labyrinths schneller als ursprĂŒnglich geplant zurĂŒckzulegen. Die Rettungsmission dauerte insgesamt rund 75 Stunden.
Riesiges Höhlenlabyrinth am Iseo-See
Seit Samstag lief in dem Höhlenlabyrinth am Nordufer des Iseo-Sees zwischen Bergamo und Brescia die aufwendige Aktion. Die Forscherin war mit mehreren weiteren Begleitern in der weitlÀufigen Höhle unterwegs, um den bislang unbekannten Teil zu erforschen. Beim Abstieg in einen engen Tunnel verlor sie offenbar den Halt und rutschte mehrere Meter in die Tiefe.
Mehr als 150 spezialisierte Berg- und Höhlenretter auch aus anderen Regionen beteiligten sich an der Bergung. Diese gestaltete sich Ă€uĂerst schwierig. Die riesige Höhle wurde erst 2006 entdeckt. Dabei handelt es sich um ein enormes Labyrinth an unterirdischen GĂ€ngen, WasserfĂ€llen und Seen mit einer GesamtlĂ€nge von 50 Kilometern. Nicht einmal die HĂ€lfte davon ist erforscht.Â
Fest auf einer Trage verschnĂŒrt durch GĂ€nge gehievt
Retter und Mediziner erreichten Piana bereits am Wochenende und richteten ein beheiztes Basislager ein. Um aus der Tiefe mit der AuĂenwelt kommunizieren zu können, wurde eine Telefonleitung von der OberflĂ€che zur UnglĂŒcksstelle verlegt. Danach begann auch schon die Rettungsmission: Piana wurde fest auf einer Trage verschnĂŒrt und durch die GĂ€nge getragen.
WĂ€hrend des gesamten Einsatzes war die Forscherin in einem stabilen Zustand. Wie schwer ihre Verletzungen jedoch sind, ist noch unklar. Der Transport musste daher besonders schonend erfolgen. Piana durfte etwa nur in waagerechter Lage getragen werden.
Einsatz in der Enge Ă€uĂerst kompliziert
Ein Retter berichtete der Zeitung «Corriere della Sera», wie kompliziert der Einsatz war: «In einigen Gebieten der Höhle kann man gehen und die Trage liegt auf den Schultern, in anderen Gegenden wird sie von einer Hand zu Hand gereicht, insbesondere in den engsten Schluchten. In diesen Gebieten arbeiten die Retter auch im Sitzen, indem sie die Trage ĂŒber ihre Knie fĂŒhren.»
Forscherin war schon einmal in der Höhle eingeschlossen
In derselben Höhle war die junge Frau bereits im Juli 2023 eingeschlossen. Sie verletzte sich damals bei einem Absturz am Bein und musste in einer schwierigen Rettungsmission aus der Höhle ins Freie gebracht werden. Damals konnte sie nach zwei Tagen gerettet und ins Krankenhaus gebracht werden.
ZurĂŒck in eine Höhle will Piana jedoch nach dem jĂŒngsten Absturz nicht mehr. EiÂnem am Einsatz beteiligten Arzt vertraute sie bereits an, nie wieder eine Höhle betreten zu wollen. Rino Bregani berichtete der Nachrichtenagentur Ansa, sie wolle die Höhlenforschung nun «endgĂŒltig aufgeben».
In der Vergangenheit schon spektakulÀre Rettungsaktionen
In den vergangenen Jahren gab es mehrfach spektakulĂ€re Rettungsaktionen, um Menschen aus Höhlen herauszuholen. International die meiste Aufmerksamkeit löste das Verschwinden einer FuĂball-Jugendmannschaft im Juni 2018 in Thailand aus. Die zwölf Jungen und ihr Trainer wurden schlieĂlich nach zwölf Tagen aus der Tham-Luang-Höhle gerettet. Ein Taucher starb dabei.
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