Carver, Kunstschnee, Klima: Skiverletzungen Àndern sich
14.03.2025 - 05:00:39Knie, Schulter, Kopf: War frĂŒher der Beinbruch die typische Folge eines Skiunfalls, so mĂŒssen sich Ărzte heute meist um andere Verletzungen kĂŒmmern.Â
Mehr als jede fĂŒnfte Verletzung durch Kollision
Die Auswertungsstelle fĂŒr Ski-UnfĂ€lle bei der Arag Versicherung berichtet ĂŒber immer mehr Knieverletzungen und Kollisionen. Die Statistik stĂŒtzt sich auf Unfallmeldungen von Mitgliedern des Verbandes DSV aktiv. Mehr als jede fĂŒnfte Verletzung kam durch eine Kollision zustande, mehr denn je zuvor, sagte der Leiter der Auswertungsstelle, David Schulz.
Im Vergleich zur Ausgangssaison 1979/80 ging zwar die Zahl der verletzten Skisportler im Winter 2023/2024 um gut 52Â Prozent zurĂŒck. Im Vergleich zur Vorsaison gab es eine Zunahme auf das Niveau vor der Pandemie. Mehrere Medien, darunter der Bayerische Rundfunk, hatten darĂŒber berichtet.Â
Viele Patienten auch aus dem Ausland landen nach SkiunfĂ€llen in der BG Unfallklinik Murnau im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. «Die bei uns in der Klinik behandelten typischen Verletzungen nach SkiunfĂ€llen sind inzwischen - neben den Bandverletzungen des Kniegelenkes - die Tibiakopffraktur, also der Bruch im Bereich des Schienbeinkopfs, Schulterverletzungen und das SchĂ€del-Hirn-Trauma», berichtet der Ărztliche Direktor Fabian Stuby.Â
Schienbeinkopf statt SchienbeinÂ
Warum kommt es heute zu anderen Verletzungen? Einer der GrĂŒnde ist laut Stuby die verĂ€nderte AusrĂŒstung. Wegen der modernen, höheren Skistiefel verlagern sich KrĂ€fte nach oben Richtung Knie. FrĂŒher sei der Drehbruch des Schienbeins der Klassiker gewesen, heute die Verletzung am Schienbeinkopf. Und die sei hĂ€ufig komplizierter und langwieriger in der Heilung, sagt Stuby.
Durch neue Bindungssysteme, Skihelme oder RĂŒckenprotektoren sei das Skifahren zwar sicherer geworden, aber auch schneller, erlĂ€utert der Mediziner weiter. «Kollisionen sind daher eine ganz hĂ€ufige Ursache fĂŒr schwere Verletzungen, gerade im Kopfbereich. Der Helm schĂŒtzt zwar, verhindert aber kein SchĂ€del-Hirn-Trauma, wenn der Kopf auf der harten Piste aufschlĂ€gt.»Â
Mehr Schulterverletzungen beim CarvenÂ
Auch Kollisionen mit BĂ€umen oder Skilift-StĂŒtzen gebe es immer wieder, etwa wenn Fahrer die Kontrolle ĂŒber ihre Skier verlieren. Auch Kinder sind betroffen. Man erinnere sich in der Klinik etwa an ein kleines MĂ€dchen, das gegen eine LifthĂŒtte prallte und unter anderem schwere innere Verletzungen erlitt.
Die steigende Zahl der Schulterverletzungen fĂŒhrt der Arzt auch auf die moderne Carving-Technik zurĂŒck. «Der Körper liegt in den Kurven nah an der Piste â und im Falle eines Sturzes findet der Erstkontakt mit dem Boden dann ĂŒber die Schulter statt.»Â
Kunstschnee wird schneller hart und eisigÂ
Kunstschnee wird durch den hohen Anteil an Wasser schneller zu Eis. Daher sind die Pisten hĂ€rter und eisiger. Damit seien Skifahrer â gerade mit den Carving Skiern â schneller unterwegs, erlĂ€utert Stuby. Zudem sei hĂ€ufig nur die Piste beschneit, wĂ€hrend - auch wegen des zunehmenden Schneemangels durch den Klimawandel - direkt daneben Steine herausschauen. «Bei einem Sturz sind dann Kopf und Schulter, aber auch der RĂŒcken stark gefĂ€hrdet.»
VerbÀnde raten zum Helm-Tragen
Das gelte auch fĂŒr LanglĂ€ufer. Die Loipen sind hĂ€ufig eisiger als frĂŒher und das fĂŒhrt zu hĂ€rteren StĂŒrzen. Auch hier seien Kopf und Schulter stark gefĂ€hrdet - und vor allem bei Ă€lteren Wintersportlern seien HĂŒftfrakturen keine Seltenheit.Â
RĂŒcksicht sowie an Können und PistenverhĂ€ltnisse angepasste Fahrweise gehören zu den Grundregeln zur Unfallvermeidung. VerbĂ€nde, darunter der Deutsche Alpenverein, raten auch zum Tragen eines Helms.





