Straftaten, Jahr

Mehr frauenfeindliche Straftaten im Jahr 2023 gezÀhlt

19.11.2024 - 10:07:52

Beleidigung, Bedrohung, Nötigung: Einer Statistik zufolge werden Frauen zunehmend Opfer von Straftaten aufgrund ihres Geschlechts.

Nach aktuellen Daten sind immer mehr Frauen in Deutschland von Gewalt betroffen. So stieg die Zahl der weiblichen Opfer von HĂ€uslicher Gewalt laut einer Auswertung des Bundeskriminalamts um 5,6 Prozent auf 180.715. Im Jahr 2022 waren es noch 171.076, wie aus dem aktuellen Lagebild «Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten» hervorgeht, das die beiden Bundesministerinnen fĂŒr Frauen, Lisa Paus (GrĂŒne), und fĂŒr Inneres, Nancy Faeser (SPD), zusammen mit dem VizeprĂ€sidenten des Bundeskriminalamts (BKA), Michael Kretschmer, am Dienstag in Berlin vorstellten.

«Die Zahlen und Fakten zeigen, dass Hass und Gewalt gegen Frauen ein zunehmendes gesellschaftliches Problem sind», erklÀrte Kretschmer. Dabei sei der digitale Raum «der Treiber», betonte der BKA-VizeprÀsident.

Mit 70,5 Prozent betrifft HÀusliche Gewalt mehrheitlich Frauen und MÀdchen. Insbesondere bei digitaler und partnerschaftlicher Gewalt gehen die Ermittler von einer hohen Dunkelziffer aus. 

Auch bei Sexualstraftaten verzeichnet das BKA einen Anstieg. 2023 wurden demnach 52.330 Frauen und MĂ€dchen Opfer von Sexualstraftaten - und damit 6,2 Prozent mehr als 2022. Die HĂ€lfte der Opfer war hier den Angaben zufolge jĂŒnger als 18 Jahre alt.

Anstieg in allen Bereichen - auch bei Tötungsdelikten

Kretschmer betonte, dass die Ermittler im Jahr 2023 bei allen Taten, die sich spezifisch gegen Frauen richteten, einen Anstieg festgestellt hĂ€tten. Das gelte auch fĂŒr die Zahl der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte, der sogenannten Femizide. Im Jahr 2023 wurden 938 MĂ€dchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden, ein Prozent mehr als 2022 (929). 360 Frauen und MĂ€dchen starben dabei. 

Der Anteil an weiblichen Opfern, die im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen Opfer von Tötungsdelikten wurden, lag laut Lagebild bei 80,6 Prozent. Das Risiko, Opfer eines Femizids zu werden, steige mit dem Alter, erklÀrte Kretschmer weiter. Das Lagebild ergebe eine hohe Betroffenheit der 60- bis 80-JÀhrigen.

Ein weiterer auffĂ€lliger Befund: Die Zahl der Straftaten, die ausschließlich auf frauenfeindlichem Gedankengut basieren, stieg im Jahr 2023 um mehr als 56 Prozent gegenĂŒber 2022. Demnach wurden 322 Taten gegen Frauen erfasst, bei denen das Tatmotiv ausschließlich auf Vorurteile gegen Frauen oder das weibliche Geschlecht zurĂŒckgeht. Diese Taten werden dem Lagebild zufolge als Teil der Politischen KriminalitĂ€t eingestuft - darunter Beleidigung (150), Volksverhetzung (46) und Nötigung oder Bedrohung (24). Im Jahr 2022 waren es noch 206 Straftaten dieser Art.

@ dpa.de