Deutschland, KriminalitÀt

Beton, Kameras, Verbote: Wie sicher sind WeihnachtsmÀrkte?

16.11.2025 - 07:00:12 | dpa.de

Betonblöcke, Messerverbote und Videokameras: Die deutschen WeihnachtsmĂ€rkte rĂŒsten nach AnschlĂ€gen in frĂŒheren Jahren massiv auf. Doch der Schutz ist teuer. Und die Besucher sorgen sich trotzdem.

  • Die deutschen WeihnachtsmĂ€rkte werden wie hier in Erfurt mit Pollern und anderen Sperren gesichert. - Foto: Martin Schutt/dpa
  • In Berlin und den anderen deutschen StĂ€dten werden die WeihnachtsmĂ€rkte mit Sperrelementen gesichert. - Foto: Jens Kalaene/dpa
  • Mit schweren Sperren wird der Weihnachtsmarkt in Magdeburg begrenzt. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Die deutschen WeihnachtsmÀrkte werden wie hier in Erfurt mit Pollern und anderen Sperren gesichert.  - Foto: Martin Schutt/dpa In Berlin und den anderen deutschen StÀdten werden die WeihnachtsmÀrkte mit Sperrelementen gesichert.  - Foto: Jens Kalaene/dpa Mit schweren Sperren wird der Weihnachtsmarkt in Magdeburg begrenzt. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

WĂ€hrend in Magdeburg der Prozess um den Anschlag auf den dortigen Weihnachtsmarkt lĂ€uft, werden vielerorts in Deutschland Marktbuden aufgebaut und TannenbĂ€ume aufgestellt - oder sie stehen schon. Fast jede Stadt hat einen oder mehrere WeihnachtsmĂ€rkte, der Schaustellerbund spricht von bundesweit mehr als 3.250. Die Sicherheitsvorkehrungen haben die Veranstalter hochgefahren - fĂŒr eine möglichst sichere Adventszeit. 

SpĂ€testens seit dem islamistischen Terroranschlag 2016 in Berlin mit vielen Toten steht das Thema Sicherheit im Vordergrund. Im vergangenen Jahr verstĂ€rkte es sich weiter wegen des Anschlags eines Mannes mit einem Auto auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg und sechs Toten und Hunderten Verletzten. Erneut fragen sich viele Menschen: Wie sicher ist ein Besuch ĂŒberhaupt? Wie gut sind die MĂ€rkte geschĂŒtzt? 

Besucheransturm ĂŒber mehrere Wochen

Allein Berlin kommt auf ĂŒber 80 WeihnachtsmĂ€rkte, berĂŒhmt ist auch die Vielfalt der MĂ€rkte in Köln. In NĂŒrnberg lockt der traditionelle Christkindlesmarkt, in Dresden der Striezelmarkt und in Esslingen bei Stuttgart der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Beliebt sind auch die MĂ€rkte in Erfurt, SaarbrĂŒcken, in Goslar, LĂŒbeck oder in MĂŒnchen. Einige sind ĂŒber Wochen geöffnet, andere - zumeist in Dörfern - nur einen Tag. Sie ziehen bundesweit jedes Jahr rund 170 Millionen Besucherinnen und Besucher an.

Wie schÀtzen die Behörden die Sicherheitslage ein?

Die Polizeibehörden und Innenminister der BundeslÀnder und des Bundes verweisen seit Jahren mit immer wieder Àhnlichen Worten auf die grundsÀtzlich bestehende Gefahr von AnschlÀgen. 

So sagte vor einigen Tagen auch wieder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Radiosender Bayern 2, es gebe keine konkreten Hinweise auf AnschlagsplĂ€ne und auch keine Drohungen. «Aber es gibt natĂŒrlich immer eine abstrakte Gefahr, ein gewisses Grundrisiko.»

Ganz Àhnlich formuliert es in Rheinland-Pfalz Innenminister Michael Ebling (SPD). «Wir gehen in diesem Jahr wieder von einer abstrakt hohen Sicherheitslage und auch einer abstrakt hohen GefÀhrdung aus.» Es gebe aber keine konkreten Hinweise. 

Gewerkschaft der Polizei sieht angespannte Sicherheitslage

Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer angespannten Sicherheitslage in Deutschland. Generell gebe es eine grĂ¶ĂŸere Unsicherheit in der Bevölkerung. Zugleich wĂŒrden der Wunsch nach Veranstaltungen geĂ€ußert - und nach mehr Polizei. Zur Adventszeit hieß es: «Je grĂ¶ĂŸer der Weihnachtsmarkt, desto höher der Schutzbedarf und die Verantwortung der Veranstalter.»

Besucher sollten die Polizei anrufen oder ansprechen, wenn Ungewöhnliches beobachtet werde. «Die Polizei selbst muss eine höhere und schnellere VerfĂŒgbarkeit von EinsatzkrĂ€ften ermöglichen und sichtbar und ansprechbar auf MĂ€rkten anwesend sein.» Wenn alle Akteure intensiv zusammenarbeiten, ließen sich solche Veranstaltungen gut und ausreichend schĂŒtzen. 

Wer ist zustĂ€ndig fĂŒr den Schutz? 

Dem Deutschen Schaustellerbund zufolge verfĂŒgt jeder Markt ĂŒber ein mit den Behörden abgestimmtes Sicherheitskonzept. Das heißt, die Ordnungsbehörden der Stadt, Polizei, Rettungsdienste, Schausteller und Veranstalter prĂŒfen jĂ€hrlich die Lage und passen sie an. Absoluten Schutz gibt es nach EinschĂ€tzung von Experten jedoch nicht. 

Wie werden die MĂ€rkte geschĂŒtzt?

Mit umfangreichen Maßnahmen versuchen StĂ€dte und Betreiber, ihre WeihnachtsmĂ€rkte so gut es geht zu schĂŒtzen. Von koordinierten Sicherheitskonzepten ist in fast allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten die Rede. Oft benutzt werden verschiedene Formen von Absperrungen an den Zufahrtsstraßen, damit Autos oder Lkw nicht auf das GelĂ€nde fahren können. 

Schwere Sperrelemente aus Beton oder Metall sind verbreitet. Dazu gehören auch einfache Betonblöcke. Daneben gibt es Poller, die aufgestellt oder im Boden eingelassen sind. Manche davon sind versenkbar. Bestimmte Metallelemente können hochgeklappt und bei Bedarf auch wieder abgesenkt werden. Daneben gibt es Polizeistreifen und Wachdienste. Seit 2024 gilt auf WeihnachtsmÀrkten in ganz Deutschland ein striktes Messerverbot.

In MĂŒnchen wird der Markt videoĂŒberwacht, ein Sicherheitsdienst ist im Einsatz. Die Polizei macht «in begrĂŒndeten FĂ€llen selektive Taschenkontrollen» In NĂŒrnberg wurden die Ereignisse in Magdeburg 2024 berĂŒcksichtigt. Details zum Sicherheitskonzept wolle man aber nicht bekanntgeben.

In Hamburg wurden die Auflagen fĂŒr einige MĂ€rkte verschĂ€rft. Zum Teil werden mehr Sperren in Form von schweren, mit Wasser gefĂŒllten Containern aufgestellt. In Berlin sind Polizei und Innensenatorin wegen des Terroranschlags vor neun Jahren weiter besonders aufmerksam. Zum Teil werden angrenzende Straßen gesperrt, um Zufahrten mit Autos unmöglich zu machen. 

Wer bezahlt die Sicherheitsmaßnahmen?

Die Kosten mĂŒssen im Normalfall die Veranstalter und die Kommunen tragen. Nicht alle StĂ€dte geben die Zahlen bekannt. Teuer ist es aber ĂŒberall, das gilt fĂŒr große wie kleine StĂ€dte, ist zu hören. So hieß es etwa in Frankfurt am Main, dass die Ausgaben im sechsstelligen Bereich liegen. Zwei Sicherheitsunternehmen seien engagiert worden. Die Polizei sei stark vertreten.

Der Senat in Bremen hat drei Millionen Euro zusĂ€tzlich fĂŒr Poller und Fahrzeugsperren sowie eine VideoĂŒberwachung bereitgestellt. Magdeburg in Sachsen-Anhalt gab 250.000 Euro fĂŒr neue mobile Sperren aus. In Halle (Saale) waren es sogar rund 600.000 Euro.

StĂ€dte verlangen finanzielle UnterstĂŒtzung

Der Deutsche StĂ€dtetag fordert angesichts der hohen Sicherheitskosten mehr UnterstĂŒtzung von Bund und LĂ€ndern. «Der Aufwand fĂŒr die Sicherheit auf WeihnachtsmĂ€rkten und auch fĂŒr andere Innenstadtveranstaltungen ist tatsĂ€chlich in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.»

Veranstalter und StĂ€dte stĂŒnden vor enormen finanziellen Herausforderungen. «Viele der Maßnahmen, die hohe Kosten verursachen, sollen potenzielle TerroranschlĂ€ge verhindern.» Terrorabwehr sei eigentlich keine kommunale Aufgabe. «Bund und LĂ€nder mĂŒssen in Zukunft die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen ĂŒbernehmen, die TerroranschlĂ€ge verhindern sollen.» 

Wurden MĂ€rkte wegen hoher Kosten abgesagt?

Solche FÀlle gab es, zum Beispiel im nordrhein-westfÀlischen Overath. Der Schaustellerbund recherchierte nach eigenen Angaben bundesweit und teilte mit, entgegen kursierender BeitrÀge in sozialen Netzwerken gebe es keine massenhaften Absagen. Es liegen demnach lediglich vereinzelte Absagen kleinerer MÀrkte vor. «Eine flÀchendeckende GefÀhrdung der Weihnachtsmarktkultur durch steigende Sicherheitskosten oder Terror-Warnungen ist nicht zu beobachten.»

Treibt die Menschen die Sicherheit auf MĂ€rkten um?

Sorgen vor AnschlÀgen auf WeihnachtsmÀrkten beschÀftigen rund zwei Drittel (62 Prozent) der Menschen in Deutschland. Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage: «In der Vergangenheit gab es AnschlÀge in Berlin und Magdeburg - macht Ihnen das Sorgen in Bezug auf einen Weihnachtsmarktbesuch?» antworten 22 Prozent mit «ja, sehr» und weitere 40 Prozent mit «ja, etwas».

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