SpÀtsommer, Zahl

SpÀtsommer 2023 lÀsst Zahl der Badetoten steigen

22.02.2024 - 14:28:51

Bis zum vergangenen Sommer ertranken zwar viele Menschen bei BadeunfĂ€llen in Deutschland, aber es waren deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Doch dann stiegen die Zahlen - dafĂŒr gibt es einen Grund.

  • DLRG-Lebensretter: Deutlich mehr TodesfĂ€lle durch Ertrinken 2023. - Foto: Uwe Anspach/dpa

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  • GefĂ€hrlicher als Nord- und Ostsee sind BinnengewĂ€sser wie Seen und FlĂŒsse. - Foto: Sophia Kembowski/dpa

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DLRG-Lebensretter: Deutlich mehr TodesfĂ€lle durch Ertrinken 2023. - Foto: Uwe Anspach/dpaGefĂ€hrlicher als Nord- und Ostsee sind BinnengewĂ€sser wie Seen und FlĂŒsse. - Foto: Sophia Kembowski/dpa

Ein warmer SpĂ€tsommer, unbewachte FlĂŒsse und viele unsichere Schwimmer - eine gefĂ€hrliche Mischung: In Deutschland sind 2023 mindestens 378 Menschen ertrunken und damit deutlich mehr als ein Jahr zuvor. 2022 wurden noch 355 tödliche BadeunfĂ€lle gezĂ€hlt.

Zwar seien bis zum Ende der Sommerferien weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum ertrunken, aber danach sei es zu ungewöhnlich vielen UnglĂŒcksfĂ€llen gekommen, sagte die PrĂ€sidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt. Im vergangenen August starben 47 Menschen im Wasser, wĂ€hrend es im August 2022 noch 74 waren. Im sommerlichen September ertranken dann 43 Menschen - 18 mehr als im September 2022.

«Der SpĂ€tsommer zog nochmals zahlreiche BadegĂ€ste an die GewĂ€sser, was auch zu einem starken Anstieg der BadeunfĂ€lle fĂŒhrte», sagte Vogt. Auch von Oktober bis Dezember starben mehr Menschen im Wasser: «In den letzten drei Monaten des Jahres verunglĂŒckten so viele Personen wie seit 2017 nicht.» Allein im Dezember starben 25 Menschen - laut DLRG dreimal so viele wie zum Jahresende 2022.

Unbewachte BinnengewÀsser besonders gefÀhrlich

Die meisten Menschen ertranken im vergangenen Jahr in Bayern, wie Verbandskommunikations-Vize Achim Wiese sagte: Dort wurden im vergangenen Jahr 62 Badetote gezĂ€hlt, ein Jahr zuvor waren es 70. In Bremen sank die Zahl der TodesfĂ€lle von 5 auf 2, in Niedersachsen von 42 auf 33, in Hamburg dagegen verdoppelte sie sich etwa von 10 auf 21. In Baden-WĂŒrttemberg ertranken 43 Menschen, 14 mehr als 2022. Unter Ertrinken versteht man nach DLRG-Angaben das Eintauchen in oder unter Wasser, wobei es zum lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel kommt. Das kann bei Bewusstsein oder in Bewusstlosigkeit passieren, etwa nach einem Sturz oder einem Kopfsprung auf ein Hindernis unter der WasseroberflĂ€che.

Besonders gefĂ€hrlich waren die in der Regel unbewachten BinnengewĂ€sser: 90 Prozent der TodesfĂ€lle hĂ€tten sich dort ereignet, wo dann im Ernstfall keine Rettungsschwimmer eingreifen könnten, erklĂ€rte Vogt. In Seen gab es 138 und damit 9 TodesfĂ€lle weniger als 2022. In FlĂŒssen und KanĂ€len dagegen starben deutlich mehr Menschen: So zĂ€hlte die DLRG im vergangenen Jahr 135 Badetote in FlĂŒssen - nach 105 ein Jahr zuvor. In KanĂ€len ertranken 27 Menschen, ein Jahr zuvor waren es 19. Die DLRG-PrĂ€sidentin rief dazu auf, solche GewĂ€sser zu meiden.

Auch nicht ganz ungefĂ€hrlich: Wassersport. 20 Menschen ertranken etwa beim Stand-up-Paddling oder Bootfahren. «Wassersportler sollten nicht nur im, sondern auch auf dem Wasser ihre eigene Sicherheit im Blick behalten», mahnte Vogt. Ein plötzlicher Sturz ins kalte Wasser könne fĂŒr einen aufgeheizten Körper lebensgefĂ€hrlich sein: «Selbst geĂŒbte Schwimmer sollten daher immer eine Schwimmweste tragen.» SportgerĂ€te böten nur vermeintlich Sicherheit.

Auch in der Nord- und Ostsee starben im vergangenen Jahr mehr Menschen als 2022 - ihre Zahl stieg von 18 auf 27. Dabei ging es aber nicht nur um BadeunfĂ€lle, allein fĂŒnf TodesfĂ€lle hingen mit einer Frachter-Kollision zusammen: Am 24. Oktober 2023 stießen die Frachter «Verity» und «Polesie» sĂŒdwestlich von Helgoland zusammen. Die «Verity» sank. Die Behörden gehen davon aus, dass fĂŒnf Seeleute bei dem UnglĂŒck ums Leben kamen. Der KapitĂ€n wurde tot geborgen, vier Seeleute wurden noch vermisst. Zwei Seeleute konnten gerettet werden.

Lebensretter an Nord- und Ostsee

Zwar hĂ€tten von Anfang Mai bis Ende September jĂ€hrlich rund 5500 DLRG-Rettungsschwimmer an ĂŒber 100 Badestellen entlang der KĂŒste gewacht - aber tödliche UnfĂ€lle ereigneten sich vor allem abseits bewachter StrĂ€nde, sagte Vogt. Ohne die Lebensretter hĂ€tte es aus ihrer Sicht aber mehr UnglĂŒcksfĂ€lle gegeben: «An Nord- und Ostsee retteten sie diesen Sommer rund 80 Menschen das Leben.»

Unter den VerunglĂŒckten waren im Vergleich zum Vorjahr mehr junge Menschen im Alter von 31 bis 40 Jahren. 44 TodesfĂ€lle listet die Statistik in der Altersgruppe auf, nach 26 im Jahr zuvor. «Nicht nur Kinder und Jugendliche ĂŒberschĂ€tzen ihre eigene Leistung und agieren unvorsichtig», betonte Vogt.

Auch MÀnner scheinen stÀrker gefÀhrdet - von den 44 Opfern waren demnach 93 Prozent mÀnnlich, insgesamt waren 292 Badetote MÀnner. Die Zahl der ertrunkenen Frauen stieg von 62 auf 77. Weniger TodesfÀlle gab es dagegen bei Kindern im Alter bis zehn Jahren: Die Lebensretter registrierten 16 TodesfÀlle in der Altersklasse - nach 20 ein Jahr zuvor.

In den 2000er Jahren kam es jĂ€hrlich noch zu durchschnittlich 45 tödlichen BadeunfĂ€llen der Kleinen, wie Vogt sagte. «Das Bewusstsein der Menschen fĂŒr die GefĂ€hrdung von Kindern im Wasser hat sich eindeutig verbessert.»

Aber: Mehr als jedes zweite Kind könne nach der Grundschule nicht sicher schwimmen - und bei vielen dĂŒrfte das so bleiben, mahnte sie: «Wir mĂŒssen sicherstellen, dass das Schwimmenlernen genauso zur Grundausbildung gehört wie das Lesen, Schreiben und Rechnen.» Die gute Nachricht sei, dass mehr Jugendliche schwimmen lernen wollten - dafĂŒr aber seien mehr WasserflĂ€chen und BĂ€der notwendig.

@ dpa.de