Blitze 2026: Mehr als eine Million Entladungen in Deutschland gezÀhlt
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Deutschland hat es 2026 bislang 1.056.200 Mal geblitzt â deutlich hĂ€ufiger als im Rekordtiefjahr 2025, aber weiterhin seltener als im langjĂ€hrigen Mittel.
Mehr Blitze als im Vorjahr
Das teilte das MĂŒnchner Blitzortungsunternehmen Nowcast mit. Die Zahl liegt demnach rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, aber deutlich ĂŒber den knapp 720.000 Entladungen des Vorjahres.
In die Nowcast-ZÀhlung flossen alle Blitze ein, sowohl EinschlÀge am Boden als auch Entladungen zwischen Wolken. Andere Statistiken kommen deshalb auf niedrigere Werte.
Unterschiedliche ZĂ€hlweisen
Der österreichische Informationsdienst Aldis/Blids registrierte bis zum 22. September 135.085 Blitze. Dort wurden ausschlieĂlich Erdblitze erfasst; Entladungen innerhalb von Wolken blieben unberĂŒcksichtigt. AuĂerdem wurde jeder Blitz nur einmal gezĂ€hlt, auch wenn er mehrere Entladungen aufwies.
Schleswig-Holstein mit höchster Blitzdichte
Blitzreichster Monat war nach Angaben von Nowcast der Juni mit etwa 403.500 Entladungen. Die höchste Blitzdichte wurde in Schleswig-Holstein gemessen, die geringste in Sachsen-Anhalt.
Der stĂ€rkste Blitz schlug in Schiffdorf in Niedersachsen ein. Dabei sei in kĂŒrzester Zeit eine rund 21.000-mal höhere StromstĂ€rke erreicht worden als der maximal zulĂ€ssige Strom einer haushaltsĂŒblichen Steckdose mit 16 Ampere, sagte Nowcast-Chef Richard Fellner.
Trockenheit beeinflusst Gewitter
Zur vergleichsweise geringen GewitteraktivitĂ€t habe die Trockenheit beigetragen, teilte Nowcast mit. FĂŒr die Entwicklung blitzreicher Jahre sei entscheidend, ob Hitze und Feuchtigkeit zusammenkĂ€men. Sehr trockene Jahre oder Sommer mit niedrigen Temperaturen wiesen meist weniger Blitze auf.
Verletzte bei EinschlÀgen
Im Juni wurden neun Menschen verletzt, als sie wĂ€hrend eines Unwetters auf einem Sportplatz im baden-wĂŒrttembergischen Rastatt zelteten. Sechs von ihnen kamen in ein Krankenhaus.
Im Juli erlitten auĂerdem sechs Bundeswehrsoldaten im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen Verletzungen durch einen Blitzeinschlag. Bleibende SchĂ€den waren laut Polizei nicht zu befĂŒrchten. Das Verletzungsbild eines 18-JĂ€hrigen deutete den Angaben zufolge darauf hin, dass er direkt vom Blitz getroffen worden war.
Trockenheit bremst GewitteraktivitÀt
Die Blitzbilanz passt zu einem grundlegenden meteorologischen Zusammenhang: FĂŒr krĂ€ftige Gewitter mĂŒssen WĂ€rme und ausreichend Feuchtigkeit zusammenkommen. HeiĂe, aber sehr trockene Luft kann die Gewitterentwicklung deshalb begrenzen, obwohl einzelne Wetterlagen weiterhin starke Entladungen hervorbringen können.
Die unterschiedlichen Zahlen von Nowcast und Aldis/Blids sind vor allem methodisch bedingt. Nowcast zĂ€hlt sowohl Erdblitze als auch Entladungen innerhalb von Wolken. Aldis/Blids erfasst dagegen nur Erdblitze und zĂ€hlt einen Blitz unabhĂ€ngig davon, wie oft sein Stromkanal flackert. Die Werte beschreiben daher nicht dieselbe statistische GröĂe.
Regionale Unterschiede und praktische Folgen
Die hohe Blitzdichte in Schleswig-Holstein und der stĂ€rkste gemessene Blitz in Niedersachsen zeigen, dass eine bundesweit unterdurchschnittliche Bilanz regional mit gefĂ€hrlichen Gewittern einhergehen kann. FĂŒr die Bevölkerung bleibt deshalb nicht die Jahreszahl entscheidend, sondern die jeweilige Warnlage vor Ort.
Die Verletzten in Rastatt und im Landkreis Garmisch-Partenkirchen machen die Gefahren sichtbar. Besonders exponiert sind Menschen auf SportplÀtzen, beim Zelten, in offenem GelÀnde oder auf Bergen. Bei heranziehenden Gewittern können geschlossene GebÀude oder Fahrzeuge das Risiko deutlich senken; im Freien sollten exponierte Punkte, einzelne BÀume und WasserflÀchen gemieden werden.
