Bombendrohungen stören mehr als ein Dutzend Europa-FlĂŒge
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEuropÀische FlughÀfen reagieren auf Drohungen
- Ein Aer-Lingus-Flug mit 151 Passagieren und sechs Crew-Mitgliedern landete in Ăvreux.
- In Prag erhielt die Polizei Warnungen zu vier Flugzeugen und setzte eine Anti-Terror-Einheit ein.
- Drei Ryanair-FlĂŒge nach Bulgarien und ein Wizz-Air-Flug nach Bukarest waren ebenfalls betroffen.
Bombendrohungen lösen europaweit Flugumleitungen aus
Zum zweiten Mal in dieser Woche haben Bombendrohungen den Flugverkehr in Europa gestört. Allein am Donnerstag waren mehr als ein Dutzend PassagierflĂŒge betroffen, mehrere Maschinen wurden umgeleitet und untersucht.
Flug nach Rom landet auf MilitÀrflugplatz
Ein Linienflug von Dublin nach Rom wurde nach Frankreich umgeleitet und landete auf dem MilitĂ€rflugplatz Ăvreux. Die 151 Passagiere und sechs Crew-Mitglieder wurden in Sicherheit gebracht, Sprengstoffexperten durchsuchten die Maschine.
Weil der Pilot zunĂ€chst nicht wie erwartet mit den Behörden kooperierte, ordnete der französische Premierminister den Einsatz von Kampfflugzeugen an. Die Maschine wurde abgefangen und eskortiert; warum der Pilot zunĂ€chst nicht auĂerplanmĂ€Ăig landen wollte, blieb offen.
Italienische Kampfjets begleiten Finnair-Maschine
Auch in Italien löste ein anonymer Hinweis einen Einsatz aus. Ein Finnair-Flug aus Helsinki landete unter Begleitung italienischer Kampfjets in Rom-Fiumicino, wo Polizeiexperten die Sicherheitskontrollen einleiteten.
Eine in Mailand gestartete Maschine wurde nach einer wĂ€hrend des Fluges eingegangenen Drohung nach Wien umgeleitet. Zuvor war in Polen eine E-Mail eingegangen; in Wien wurde keine GefĂ€hrdung festgestellt, anschlieĂend setzte das Flugzeug seine Reise nach Warschau fort.
Warnungen erreichen mehrere HauptstÀdte
In Wien gingen nach Angaben eines Polizeisprechers ebenfalls E-Mails zu vier FlĂŒgen ein. Die Drohung sei âabstraktâ gewesen und habe inhaltlich nicht mit dem Flug aus Mailand zusammengehangen.
Am Flughafen Kopenhagen richteten sich Drohungen gegen zwei FlĂŒge. Die Polizei fand bei der Durchsuchung nichts VerdĂ€chtiges und erklĂ€rte, es habe nach ihrer EinschĂ€tzung keine Gefahr fĂŒr Passagiere oder andere Menschen am Flughafen bestanden.
In Prag erhielt die Polizei Warnungen zu improvisierten SprengsÀtzen an Bord von vier Flugzeugen. Spezialisten durchsuchten die Maschinen nach der Landung auf dem Vaclav-Havel-Flughafen, spÀter gab es Entwarnung.
Ermittler prĂŒfen mögliche ZusammenhĂ€nge
Die tschechische Anti-Terror-Einheit fĂŒr Terrorismus, Extremismus und CyberkriminalitĂ€t ĂŒbernahm die Ermittlungen. Auch in Bulgarien und RumĂ€nien gab es VorfĂ€lle: Drei Ryanair-FlĂŒge nach Bulgarien erhielten Drohungen, eine Wizz-Air-Maschine landete nach einer Warnung sicher in Bukarest.
Bereits am Dienstag war es zu einer Ă€hnlichen HĂ€ufung gekommen, wegen derer der Flughafen Warschau Modlin vorĂŒbergehend geschlossen wurde. Ob die aktuellen Drohungen zusammenhĂ€ngen und wer dahintersteckt, war zunĂ€chst unklar.
Behörden finden bislang keine SprengsÀtze
Die europÀische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol beobachtet die Lage und arbeitet mit Fluggesellschaften, FlughÀfen und Flugsicherungsorganisationen zusammen. Ziel ist es, mögliche BeeintrÀchtigungen des Luftverkehrs zu begrenzen.
Drohungen gegen London Heathrow und Birmingham wurden nicht als ernsthaft eingestuft. Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander sprach von âböswillig vorgetĂ€uschten Drohungenâ; konkrete Hinweise auf einen staatlichen Urheber lagen nach den in der Meldung genannten Ermittlerkreisen nicht vor.
In mehreren LÀndern laufen Untersuchungen durch Polizei, Anti-Terror-Einheiten und Geheimdienste. Hinweise auf tatsÀchliche SprengsÀtze wurden bei den genannten VorfÀllen bislang nicht gefunden.
Die VorfĂ€lle treffen den europĂ€ischen Luftverkehr in einer Phase, in der FlughĂ€fen und Airlines auf jede konkrete Sicherheitswarnung mit abgestuften Notfallverfahren reagieren mĂŒssen. Dazu gehören Umleitungen, militĂ€rische Begleitung, Sperrungen einzelner Bereiche und die Untersuchung der betroffenen Maschinen. Selbst wenn sich eine Drohung als falsch erweist, entstehen dadurch VerspĂ€tungen, zusĂ€tzliche Kosten und Belastungen fĂŒr Reisende.
Die HĂ€ufung ĂŒber mehrere LĂ€nder hinweg erschwert die Bewertung. E-Mails mit Ă€hnlichen oder voneinander abweichenden Formulierungen können von einzelnen Trittbrettfahrern stammen, aber auch Teil einer koordinierten Störung sein. FĂŒr die Behörden steht deshalb zunĂ€chst nicht die öffentliche Zuschreibung, sondern die Gefahrenabwehr und die Sicherung digitaler Spuren im Vordergrund. ZustĂ€ndig sind je nach Land Polizei, Nachrichtendienste, Luftfahrtbehörden und teilweise militĂ€rische Stellen.
Folgen fĂŒr Reisende und FlughĂ€fen
FĂŒr Passagiere bedeutet die aktuelle Serie vor allem ein erhöhtes Risiko fĂŒr Umleitungen und Wartezeiten. Fluggesellschaften mĂŒssen SicherheitsprĂŒfungen abwarten, wĂ€hrend FlughĂ€fen ihre AblĂ€ufe anpassen. Der europĂ€ische Verbund aus Airlines, Airports und Flugsicherungen soll BeeintrĂ€chtigungen begrenzen, kann die PrĂŒfung einzelner Maschinen aber nicht ersetzen.
Die weitere Bedeutung hÀngt davon ab, ob Ermittler einen gemeinsamen Urheber oder ein wiederkehrendes technisches beziehungsweise organisatorisches Muster feststellen. Bis dahin bleibt jede einzelne Drohung ein sicherheitsrelevanter Vorgang, auch wenn bei den bislang genannten Untersuchungen keine tatsÀchlichen SprengsÀtze gefunden wurden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: âBombendrohungen gegen FlĂŒge in Europa: Kampfjets steigen aufâ (05.11.2026)
Der Bericht ordne die VorfĂ€lle als Serie gegen kommerzielle PassagierflĂŒge ein und hebe den Einsatz von Kampfjets hervor. Damit bestĂ€tige er den Sicherheitsfokus der Meldung; die Frage nach Urhebern und einem möglichen Zusammenhang bleibe offen.
Euronews: âBombendrohung gegen mindestens 14 FlĂŒge in Europaâ (05.11.2026)
Der Beitrag konzentriere sich auf die Zahl der betroffenen FlĂŒge und die Umleitung des Aer-Lingus-Fluges nach Ăvreux. Im Vergleich dazu stelle die dpa-Meldung die lĂ€nderĂŒbergreifende HĂ€ufung und die Ermittlungen ausfĂŒhrlicher dar.
Ăbereinstimmend werde von mehreren betroffenen FlĂŒgen und SicherheitsmaĂnahmen berichtet. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt zwischen der konkreten Umleitung und der gesamteuropĂ€ischen Dimension; die Urheberschaft bleibe offen.
