Amazonas, Goldabbau

Brasilien Amazonas: Studie warnt vor massiver Doppelbelastung indigener Gebiete durch Goldabbau und Extremwetter

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 02:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein neuer Bericht des Forschungsinstituts IPAM zeigt, wie illegale Goldförderung und extreme Wetterlagen indigene Gebiete im brasilianischen Amazonas besonders stark belasten. Die Studie warnt vor sich gegenseitig verstÀrkenden UmweltschÀden und fordert besseren Schutz der betroffenen Regionen.

Die von Goldsuchern genutzten FlĂ€chen haben sich extrem vergrĂ¶ĂŸert. (Archivbild) - Bild: Philipp Znidar/dpa
Die von Goldsuchern genutzten FlĂ€chen haben sich extrem vergrĂ¶ĂŸert. (Archivbild) - Bild: Philipp Znidar/dpa

Indigene Gebiete im brasilianischen Amazonas sind nach einer neuen Studie besonders stark von illegalem Goldabbau und zunehmenden extremen Wetterereignissen betroffen.

Bericht zur doppelten Bedrohung indigener Gemeinschaften

In dem Bericht des Forschungsinstituts fĂŒr Umweltfragen im Amazonasgebiet (IPAM) heißt es, die Territorien indigener Gemeinschaften seien ĂŒberproportional vom GoldschĂŒrfen betroffen. Zugleich nĂ€hmen dort extreme Wetterereignisse zu, die die Lebensgrundlagen der Menschen weiter unter Druck setzten. Als klimatische Extreme werden unter anderem DĂŒrren, BrĂ€nde und Überschwemmungen genannt, die in den betroffenen Regionen immer hĂ€ufiger auftreten.

Wie sich Goldabbau und Klimaextreme gegenseitig verstÀrken

Wenn Goldabbau und klimatische Extremereignisse dieselben Gebiete treffen, verstĂ€rken sich deren Folgen nach EinschĂ€tzung der Studienautoren. DĂŒrre beeintrĂ€chtigt demnach den Zugang zu Wasser, die MobilitĂ€t und die Nahrungsmittelproduktion. Wird dasselbe Wassersystem zusĂ€tzlich durch Goldabbau belastet, verschĂ€rfen sich die Auswirkungen auf die Bevölkerung deutlich. Die Verschmutzung breitet sich ĂŒber gesamte Wassereinzugsgebiete aus und kann auch Gemeinschaften treffen, deren eigenes Gebiet gar nicht direkt ausgebeutet wird.

Starker FlÀchenzuwachs beim Goldabbau seit 1985

Besonders alarmierend bewertet der Bericht die Entwicklung der vom Goldabbau beanspruchten FlĂ€chen. Im Jahr 2024 seien die von Goldsuchern besetzten Areale im Amazonasgebiet insgesamt rund 20-mal grĂ¶ĂŸer gewesen als 1985. In indigenen Gebieten habe sich die betroffene FlĂ€che im selben Zeitraum sogar um das 24-Fache vergrĂ¶ĂŸert. Die Studie macht damit deutlich, dass sich die Expansion des Goldabbaus gerade dort besonders dynamisch vollzogen hat.

Gesundheitsrisiken durch Quecksilbereinsatz

Umweltorganisationen weisen darauf hin, dass der Goldabbau erhebliche SchĂ€den verursacht, weil zur Trennung von Gold und Erz hĂ€ufig Quecksilber eingesetzt wird. Das Schwermetall gelangt in FlĂŒsse und Böden, verschmutzt das Wasser und kann sich in der Nahrungskette anreichern. Dies hat gravierende Folgen fĂŒr die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen und trifft indigene Gemeinschaften besonders hart, da sie stark von den natĂŒrlichen Ressourcen des Amazonas abhĂ€ngig sind.

Forderung nach besserem Schutz indigener Gebiete

Der Bericht betont, dass der Goldabbau nicht zwangslĂ€ufig unmittelbar auf dem Gebiet eines indigenen Volkes stattfinden muss, um dessen Bewohner zu bedrohen. Durch die Ausbreitung von Verschmutzung entlang der Flusssysteme verstĂ€rken sich die Auswirkungen von DĂŒrren, BrĂ€nden und Überschwemmungen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, indigene Gebiete konsequenter zu schĂŒtzen und bestehende PlĂ€ne zur Anpassung an den Klimawandel nicht nur auszuarbeiten, sondern auch umzusetzen.

Überlagerte Krisen im brasilianischen Amazonas

Der Bericht des Forschungsinstituts IPAM verdeutlicht, wie sich zwei große Krisen im Amazonasgebiet ĂŒberlagern: der illegale Goldabbau und die Zunahme extremer Wetterereignisse. Beide Entwicklungen treffen indigene Gemeinschaften besonders hart, weil ihre Siedlungen hĂ€ufig in Gebieten liegen, die reich an natĂŒrlichen Ressourcen sind und zugleich von KlimaverĂ€nderungen stark betroffen sind. Die Studie beschreibt damit ein komplexes Zusammenspiel aus Umweltzerstörung und Klimafolgen, das ĂŒber lokale SchĂ€den hinausreicht.

Strukturelle Ursachen und gesundheitliche Folgen

Der starke Anstieg der vom Goldabbau betroffenen FlĂ€chen seit 1985 verweist auf strukturelle Probleme: mangelnde Kontrolle abgelegener Regionen, wirtschaftliche Interessen und ein hoher Goldpreis fördern illegale AktivitĂ€ten. Die Nutzung von Quecksilber zur Goldgewinnung fĂŒhrt zu dauerhafter Verschmutzung von FlĂŒssen und Böden. FĂŒr indigene Gemeinschaften bedeutet dies ein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen, da Fischfang und Flusswasser oft zentrale Grundlagen ihrer ErnĂ€hrung und Versorgung sind. Gleichzeitig mindern DĂŒrren und andere Extremwetterereignisse die VerfĂŒgbarkeit sauberer Wasserquellen zusĂ€tzlich.

Politische Dimension und Bedeutung fĂŒr Leserinnen und Leser

Die Empfehlung des Berichts, indigene Gebiete stĂ€rker zu schĂŒtzen und AnpassungsplĂ€ne umzusetzen, berĂŒhrt direkt politische Entscheidungen in Brasilien. Es geht um Landrechte, effektive Überwachung von Schutzgebieten und den Ausbau klimafester Infrastruktur. FĂŒr Leserinnen und Leser in Europa hat das Thema Bedeutung, weil der Amazonas als riesiger Kohlenstoffspeicher und BiodiversitĂ€ts-Hotspot eine zentrale Rolle fĂŒr das globale Klima spielt. Die VerknĂŒpfung von illegalem Rohstoffabbau und Klimafolgen zeigt, wie Konsum und FinanzmĂ€rkte weltweit mit lokalen Umwelt- und Menschenrechtsfragen verbunden sind.

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