«Timmy» bleibt Dauerthema: Obduktion und Anzeigen
01.06.2026 - 14:33:14 | dpa.deSeit Monaten ist Buckelwal «Timmy» Thema in Deutschland - und er bleibt es auch noch Wochen nach seinem Tod. WĂ€hrend auf der dĂ€nischen Insel Anholt die Vorbereitungen fĂŒr eine umfassende Obduktion des Kadavers laufen, sieht sich die Staatsanwaltschaft Schwerin mit einer Flut von Anzeigen und Hinweisen konfrontiert.
Dreistellig sei mittlerweile die Anzahl der VorgĂ€nge mit Wal-Bezug, sagte Jonas KrĂŒger, Sprecher der Ermittlungsbehörde, der Deutschen Presse-Agentur. Diese Masse an Eingaben sei fĂŒr die Staatsanwaltschaft seines Wissens ein neues PhĂ€nomen. Sie stammen demnach nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern, landen aber wegen der ZustĂ€ndigkeit trotzdem in Schwerin.
Es handle sich nicht nur um Anzeigen, sondern teils auch um Hinweise. Menschen hĂ€tten etwa ihre Hilfe angeboten und das gleich an viele Stellen geschickt. «Ich kann auch mit Walen reden», habe etwa jemand geschrieben. Es seien «aberwitzige» Dinge dabei, sagte KrĂŒger.
Minister Backhaus angezeigt - mit gegenteiligen VorwĂŒrfen
Die vorliegenden Anzeigen gingen in unterschiedliche Richtungen. Aus der Zeit, als man sich zeitweise dafĂŒr entschieden habe, den Wal weitgehend in Ruhe zu lassen, stammten etwa VorwĂŒrfe der unterlassenen Hilfeleistung. SpĂ€ter gingen laut KrĂŒger Anzeigen mit Verweis auf das Tierschutzgesetz ein, die sich gegen die TransportmaĂnahmen richteten.
Anzeigen richteten sich gegen verschiedenste Menschen, etwa gegen Beteiligte des Transports. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sei wegen allem Möglichen angezeigt worden - weil er nichts gemacht habe, weil er etwas unternommen habe. Unter anderem seien auch Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, das an der Bergung nicht beteiligt gewesen sei, angezeigt worden.
KrĂŒger habe den Eindruck, dass praktisch jeder und jede, der oder die auch dank der Medienberichterstattung mit dem Wal in Verbindung gebracht worden sei, angezeigt worden sei. Selbst Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich aus dem Fall des Wales herausgehalten habe, habe es getroffen.
VorgÀnge von anderswo nach Schwerin weitergeleitet
Die ZustĂ€ndigkeit Schwerins liegt laut KrĂŒger darin begrĂŒndet, dass sich der Wal lange Zeit vor der Insel Poel befand. FĂŒr diesen Bereich sei das Amtsgericht Wismar und damit wiederum die Schweriner Staatsanwaltschaft zustĂ€ndig.
Wenn jemand andernorts in Deutschland etwa online eine Anzeige stelle, werde diese in der Regel an die fĂŒr den Wohnort zustĂ€ndige Polizeidienststelle weitergeleitet, erklĂ€rte KrĂŒger. Die Polizei gebe den Vorgang weiter an die jeweils zustĂ€ndige Staatsanwaltschaft, die es nach Schwerin weiterleite.
KrĂŒger konnte nicht abschĂ€tzen, wie viel noch auf die Schweriner zukommt. Auch inwiefern tatsĂ€chlich Anhaltspunkte fĂŒr Ermittlungen vorlĂ€gen, sei unklar. Teils wĂŒrden VorgĂ€nge auch gegebenenfalls noch zusammengefasst. So oder so - sichten mĂŒsse die Behörden alle EingĂ€nge.
Obduktion wird vorbereitet
Derweil laufen auf der dĂ€nischen Insel Anholt die Vorbereitungen fĂŒr die Untersuchung des Buckelwals. Ein Bergungsteam hatte den Kadaver des Tieres am Wochenende mit einem Stahlseil aus dem flachen Wasser auf den Strand gezogen. Mit Hilfe eines Radladers wurde nun der sandige Untergrund rund um den Wal geglĂ€ttet. AnschlieĂend wurden einige Metallplatten ausgelegt.
Donnerstagnachmittag wollen TierĂ€rzte und Wal-Experten den Kadaver untersuchen. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern. Ziel ist, herauszufinden, woran das Tier gestorben ist. UrsprĂŒnglich hatten die dĂ€nischen Behörden versucht, den Kadaver in einen Hafen zu ziehen. Weil das missglĂŒckte, soll der Wal nun direkt am Strand obduziert werden. Absperrband rund um den Kadaver soll bis dahin Schaulustige fernhalten. Die Behörden hatten immer wieder vor Ansteckungsgefahr gewarnt.
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