Taktisch, Filmreife

Taktisch tÀuschen: Filmreife Tricks bei MÀusen

03.07.2024 - 04:00:42

Catch me if you can: Flucht ist ein zentraler Lebensinhalt bei MĂ€usen. FĂŒr potenzielle Gegner haben manche einen besonderen Trick auf Lager. Beliebt ist der auch in Filmen.

Es ist ein beliebter Dreh in Action-Filmen: Der verfolgte Held versteckt sich direkt am Eingang und entwischt dem hereinstĂŒrmenden Angreifer dann hinter dessen RĂŒcken. Man mag es ihnen kaum zutrauen, aber: Auch MĂ€use nutzen diesen Trick, wie ein Forschungsteam im Fachjournal «Open Science» der britischen Royal Society berichtet.

Mit voller Absicht taktisch tĂ€uschen - das konnte demnach fĂŒr MĂ€use mit speziellen Versuchen nun erstmals nachgewiesen werden. Videos der Tests zeigen, wie eine Maus von einer anderen in eine Kammer gejagt wird. Mauseschlau versteckt sie sich direkt am Eingang, wird vom hereinstĂŒrmenden Verfolger ĂŒbersehen - und flieht hinter dessen RĂŒcken hinaus.

Ausweglose Situation

Das Team um Rafal Stryjek von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau hatte Testkammern mit einem Kunststoffrohr als einzigem Ein- und Ausgang in der NĂ€he eines Waldes aufgestellt und regelmĂ€ĂŸig mit einer Leckerei - Schokoladen-Nusscreme - ausgestattet. In dem Gebiet leben BrandmĂ€use (Apodemus agrarius) und GelbhalsmĂ€use (Apodemus flavicollis) - Arten, die ihr Territorium engagiert verteidigen, wie es in der Studie heißt. Entsprechend hĂ€ufig gibt es Streit.

An den Futterkammern war das nicht anders, wie die Forschenden schreiben. Wurde dabei eine Brandmaus von einem Konkurrenten derselben oder einer anderen Art attackiert, verfiel sie mitunter auf den Trick, sich nach dem Betreten der Kammer direkt am Eingang zu platzieren, ihren Verfolger an sich vorbeirasen zu lassen und hinter seinem RĂŒcken zu entwischen. 

Mitunter befand sich die erste Maus auch schon in der Kammer und fĂŒhrte ein Ă€hnliches Manöver durch: ankommende Maus hören, sich am Eingang verstecken, Neuankömmling vorbeiziehen lassen und auf eine gĂŒnstige Gelegenheit warten, um aus der Kammer zu witschen.

Wiederholte TĂ€uschungen

Insgesamt seien bei insgesamt 143 erfassten Begegnungen 21 solche TĂ€uschungen durch BrandmĂ€use erfasst worden, hieß es. Die Verfolgten hĂ€tten auf diese Weise einen Kampf in der ansonsten ausweglosen Kammer vermieden - in den meisten TĂ€uschungsfĂ€llen sei der Verfolger eine grĂ¶ĂŸere, stĂ€rkere Gelbhalsmaus gewesen. Bei GelbhalsmĂ€usen wiederum sind TĂ€uschungsmanöver den Studiendaten zufolge offenbar selten.

Wie die TĂ€uschung im Detail ablief, war bei den BrandmĂ€usen situationsabhĂ€ngig und von Tier zu Tier sehr verschieden. Das Team um Stryjek schließt aus diesen und weiteren Hinweisen, dass es sich wahrscheinlich nicht um ein komplett ererbtes oder aber ein erlerntes Verhalten handelt, sondern zumindest teilweise um eine spontane, kreative Reaktion auf eine neue Herausforderung.

«Da die BrandmĂ€use die GelbhalsmĂ€use nicht mit Kraft besiegen können, setzen sie offenbar stattdessen auf Taktik und TĂ€uschung, um ihre Gegner zu ĂŒbertrumpfen und eine physische Konfrontation zu vermeiden», heißt es in der Studie. Aus dieser Hypothese eine gĂ€nzlich bewiesene Tatsache zu machen, sei allerdings schwierig - Absichten seien letztlich oft nur zu vermuten und schwer gesichert nachzuweisen.

Auch Ratten und Hörnchen tricksen gezielt

Ein anderes Tier absichtlich zu tÀuschen, sei ein komplexes Verhalten, dem hoch entwickelte kognitive FÀhigkeiten zugrunde lÀgen, erlÀutern die Forschenden. Bisher seien solche Tricks fast nur von Primaten und Rabenvögeln bekannt. Auch bei Hörnchen und Ratten gibt es allerdings entsprechende Hinweise aus Studien: Grauhörnchen legen leere Nussdepots an, um gezielt potenzielle Futterdiebe zu tÀuschen. Und Ratten können Verstecken spielen und dabei auch die Rollen tauschen, mit Menschen wohlbemerkt.

@ dpa.de