Bleivergiftung, Kindergarten Tianshui

China: Kindergarten-Betreiberin nach Bleivergiftungen verurteilt

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 10:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In einem Kindergarten der chinesischen Provinz Gansu wurden Kinder und BeschĂ€ftigte durch bleihaltige Farbe im Essen belastet. Das Gericht ahndete den Fall mit einer lebenslangen Haftstrafe und fĂŒnf weiteren GefĂ€ngnisurteilen.

247 Kinder mit erhöhten Bleiwerten

  • Ein Gericht in Lanzhou verurteilte die Betreiberin des Kindergartens wegen giftiger Lebensmittel zu lebenslanger Haft.
  • FĂŒnf weitere BeschĂ€ftigte erhielten Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren.
  • In zwei Speiseproben lag der Bleigehalt mehr als 2.000-mal ĂŒber dem chinesischen Grenzwert.
  • Die Behörden untersuchten auch manipulierte Bluttestergebnisse und weitere Verantwortliche.
Nach Bleivergiftungen bei mehr als 200 Kindern ist die Betreiberin eines chinesischen Kindergartens zu lebenslanger Haft verurteilt worden.(Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Urteil nach Bleivergiftungen in Tianshui

Nach der Vergiftung von mehr als 200 Kindern mit bleihaltigem Essen ist die Betreiberin eines chinesischen Kindergartens zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Lanzhou sprach sie wegen der Herstellung und des Verkaufs giftiger und gesundheitsschÀdlicher Lebensmittel schuldig.

Sechs BeschÀftigte verurteilt

FĂŒnf weitere BeschĂ€ftigte erhielten Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren. Nach Feststellung des Gerichts hatten die Betreiberin und die Kindergartenleitung das KĂŒchenpersonal angewiesen, gesundheitsschĂ€dliche Stoffe unter die Speisen zu mischen.

Farbe sollte Essen ansprechender machen

Das Essen wurde Kindern und BeschĂ€ftigten eines Kindergartens in Tianshui in der Provinz Gansu serviert. Die Farben sollten die Mahlzeiten ansprechender machen und damit fĂŒr den Kindergarten werben.

Bleigehalt weit ĂŒber dem Standard

Der Fall war im Juli 2025 bekanntgeworden. Bei 247 Kindern wurden erhöhte Bleiwerte im Blut festgestellt; auch BeschÀftigte waren betroffen.

Die KĂŒche hatte Malfarben in Teig fĂŒr Kuchen und gefĂŒllte Teigrollen gemischt, obwohl die Verpackungen ausdrĂŒcklich auf die fehlende Eignung zum Verzehr hinwiesen. In zwei untersuchten Speiseproben lag der Bleigehalt mehr als 2.000-mal so hoch wie nach dem chinesischen Lebensmittelstandard erlaubt.

Bluttestergebnisse nachtrÀglich verÀndert

Die Untersuchung deckte zudem VersÀumnisse bei Behörden und medizinischen Einrichtungen auf. In einem örtlichen Krankenhaus waren Bluttestergebnisse von Kindern nachtrÀglich nach unten verÀndert worden.

Die Behörden leiteten damals Untersuchungen gegen zahlreiche Verantwortliche ein. Mit dem Urteil sind sechs Menschen verurteilt worden.

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Der Fall aus Tianshui steht fĂŒr ein gravierendes Versagen entlang mehrerer Kontrollstufen: BeschĂ€ftigte verwendeten einen als nicht essbar gekennzeichneten Stoff, Leitungsverantwortliche ordneten die Beimischung nach den Feststellungen des Gerichts an, und medizinische Kontrollen wurden nachtrĂ€glich verĂ€ndert. Dadurch beschrĂ€nkte sich das Problem nicht auf eine einzelne fehlerhafte Mahlzeit, sondern betraf die Organisation des Kindergartenbetriebs und die Aufsicht.

Die festgestellten erhöhten Bleiwerte bei 247 Kindern machen die GrĂ¶ĂŸenordnung des Geschehens deutlich. Blei kann insbesondere bei Kindern die Entwicklung des Nervensystems beeintrĂ€chtigen. Die Folgen einer Belastung hĂ€ngen unter anderem von ihrer Höhe und Dauer ab und lassen sich nicht allein durch das Ende der Aufnahme des Schadstoffs beurteilen.

Folgen fĂŒr Kontrolle und Vertrauen

Das Urteil soll in diesem Zusammenhang Verantwortlichkeit sichtbar machen. Ebenso entscheidend bleiben jedoch die institutionellen Konsequenzen: verlĂ€ssliche Lebensmittelkontrollen, nachvollziehbare Blutuntersuchungen und eine unabhĂ€ngige Aufsicht ĂŒber Einrichtungen, die Kinder versorgen. Werden Testergebnisse manipuliert, verlieren Familien nicht nur Vertrauen in einen einzelnen Kindergarten, sondern auch in die Schutzmechanismen von Behörden und Gesundheitssystem.

FĂŒr Eltern ist der Fall deshalb ĂŒber den konkreten Ort hinaus relevant. Er zeigt, dass Sicherheitsregeln nur dann wirksam sind, wenn Kennzeichnung, interne Kontrolle, medizinische Diagnostik und behördliche Aufsicht tatsĂ€chlich unabhĂ€ngig voneinander funktionieren. Die Verurteilung von sechs Beteiligten beantwortet die strafrechtliche Seite; die langfristige gesundheitliche Betreuung der betroffenen Kinder und die Aufarbeitung der behördlichen VersĂ€umnisse bleiben zentrale Aufgaben.

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