Christa Pike, Tennessee

Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 00:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Christa Pike ist nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee wieder ansprechbar. Ihre AnwÀlte berichten von schweren Verletzungen und einer weiterhin unklaren Prognose.

  • Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwĂ€lte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
    Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwÀlte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
  • Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa
Christa Pike ist nach Angaben ihrer AnwÀlte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa Gegner der Todesstrafe. (Archivbild) - Bild: George Walker IV/AP/dpa

Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike ist nach einem gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee nach Angaben ihrer AnwÀlte wieder bei Bewusstsein und kann sprechen.

Weiter intensivmedizinisch behandelt

Die 50-JĂ€hrige werde weiterhin intensivmedizinisch behandelt, teilten die AnwĂ€lte mit. Ihre Prognose sei unklar; es mĂŒsse mit einer langen Genesungszeit gerechnet werden.

Pike habe bei dem Hinrichtungsversuch schwere SchĂ€den an den Armen erlitten. Trotzdem werde sie im Krankenhaus weiter mit Handschellen und Fußfesseln am Bett fixiert.

Zwei Dosen Pentobarbital verabreicht

Nach Angaben der Behörden waren Pike am vergangenen Mittwochabend die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen Pentobarbital verabreicht worden. Sie blieb jedoch am Leben. Zeugen berichteten, sie hÀtten die 50-JÀhrige noch lÀngere Zeit schwer atmen hören; ein Anwalt sagte spÀter, er habe sie nach der ersten Medikamentengabe noch sprechen und singen gehört.

Anschließend wurde Pike mit einem Krankenwagen in eine medizinische Einrichtung außerhalb des GefĂ€ngnisses gebracht. Zuvor war sie nach Angaben ihrer AnwĂ€lte bewusstlos gewesen und in einem Krankenhaus im Raum Nashville kĂŒnstlich beatmet worden.

Rechtsstreit bis kurz vor dem Versuch

Wenige Stunden vor dem Hinrichtungsversuch hatte ein Bundesberufungsgericht die Vollstreckung zunĂ€chst kurzfristig gestoppt. Pikes AnwĂ€lte wollten erreichen, dass die Gerichte erneut prĂŒfen, ob schwere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit sowie psychische Erkrankungen bei frĂŒheren Entscheidungen ĂŒber das Todesurteil ausreichend berĂŒcksichtigt worden waren.

Tennessee wandte sich daraufhin an den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub noch am selben Tag auf und machte damit den Weg fĂŒr die Hinrichtung frei. Einen weiteren Antrag gegen die Vollstreckung hatte der Supreme Court bereits am Vortag abgelehnt.

Ursache des Scheiterns weiter offen

Die genaue Ursache des gescheiterten Versuchs ist weiterhin unklar. Pikes AnwÀlte berichteten von erheblichen Problemen beim Legen der VenenzugÀnge: Einer ihrer Arme habe sich wÀhrend der Hinrichtung violett verfÀrbt, spÀter seien Blasen und Verbrennungen an Einstichstellen aufgetreten.

Die AnwĂ€lte forderten erneut Tennessees Gouverneur auf, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln, und kĂŒndigten weitere rechtliche Schritte an. FĂŒr heute ist nach einer Anhörung vor einem Gericht in Nashville eine Pressekonferenz geplant.

Debatte ĂŒber Giftspritze neu entfacht

Die Strafvollzugsbehörde hatte zuvor erklÀrt, das Hinrichtungsprotokoll sei vollstÀndig abgearbeitet worden. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, bei dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der damals 19-jĂ€hrigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville ĂŒber lĂ€ngere Zeit gefoltert und getötet worden; Pike war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Ihre Hinrichtung wĂ€re die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.

Ein seltener Ausnahmefall

Hinrichtungen mit der Giftspritze gelten in den USA als standardisierte medizinisch-technische Verfahren. Der Fall Pike rĂŒckt jedoch die praktischen Risiken solcher AblĂ€ufe in den Mittelpunkt: Nach Angaben ihrer AnwĂ€lte wurden zwei Dosen Pentobarbital verabreicht, ohne dass der Tod eintrat. Probleme beim Legen der VenenzugĂ€nge könnten dabei eine zentrale Rolle gespielt haben.

FĂŒr Tennessee stellt sich damit nicht nur die Frage nach der medizinischen Versorgung, sondern auch nach der rechtlichen Zukunft des Todesurteils. Die AnwĂ€lte verlangen eine Umwandlung in lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung. Ein erneuter Vollstreckungsversuch wĂ€re angesichts der schweren gesundheitlichen Folgen und des ungeklĂ€rten Zustands juristisch besonders umstritten.

Folgen fĂŒr die Todesstrafe

Der Vorgang verschĂ€rft die seit Jahren bestehende Debatte ĂŒber die ZuverlĂ€ssigkeit und HumanitĂ€t staatlicher Hinrichtungen. In den USA ist die Giftspritze zwar weiterhin die verbreitetste Methode, doch EngpĂ€sse bei Medikamenten, fehlende medizinische Routine und Schwierigkeiten beim Venenzugang haben wiederholt zu Problemen gefĂŒhrt.

FĂŒr die Öffentlichkeit wird entscheidend sein, wie Tennessee die Ursachen des Vorfalls aufklĂ€rt und ob die angekĂŒndigte Gerichtsanhörung neue Informationen zum Ablauf liefert. Zugleich dĂŒrfte der Fall die Diskussion ĂŒber die rechtlichen Grenzen eines weiteren Hinrichtungsversuchs und ĂŒber den Umgang mit Gefangenen nach einer fehlgeschlagenen Vollstreckung beeinflussen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Verurteilte Mörderin ĂŒberlebt die Giftspritze: So könnte es nun fĂŒr Christa Pike weitergehen“ (07.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige, dass Pike zwei Injektionen ĂŒberlebt habe, und beschreibe mehrere mögliche rechtliche Szenarien. Im Mittelpunkt stehe die offene Frage, ob Tennessee einen weiteren Hinrichtungsversuch anordnen könne und ob Pikes gesundheitlicher Zustand einem solchen Vorgehen verfassungsrechtliche Grenzen setze.

DER SPIEGEL: „Christa Pike: Zweite Giftspritze ohne Wirkung – VorwĂŒrfe gegen GefĂ€ngnis in Nashville“ (05.10.2026)

Der Artikel bestĂ€tige den gescheiterten Ablauf und setze einen anderen Schwerpunkt auf Zeugenaussagen, die Kritik an der Qualifikation des beteiligten Personals sowie den RĂŒcktritt des Leiters der Strafvollzugsbehörde. Übereinstimmend bleibe, dass die Ursachen des Vorfalls und die weiteren rechtlichen Konsequenzen noch offen seien.

Beide Berichte stellten den gescheiterten Hinrichtungsversuch als außergewöhnlichen Vorgang dar; der Tagesspiegel beleuchte vor allem die möglichen nĂ€chsten juristischen Schritte, wĂ€hrend der SPIEGEL die Verantwortung und Organisation des Vollzugs in den Mittelpunkt rĂŒcke.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70246381 |