Christa Pike, Tennessee

Christa Pike überlebt Hinrichtung mit Giftspritze – Tennessee setzt Vollstreckungen aus

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 15:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Christa Pike hat in Tennessee zwei Dosen Pentobarbital überlebt und befindet sich nach Angaben ihrer Anwälte in kritischem Zustand. Gouverneur Bill Lee setzte daraufhin alle weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat für den Rest des Jahres aus.

  • Rettungsfahrzeuge treffen am Ort der Hinrichtung ein, nachdem diese abgebrochen wurde.  - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Rettungsfahrzeuge treffen am Ort der Hinrichtung ein, nachdem diese abgebrochen wurde. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
  • Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
    Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
  • Kurz vor der geplanten Hinrichtung versammelten sich Demonstranten in dem für Gegner der Todesstrafe reservierten Bereich. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Kurz vor der geplanten Hinrichtung versammelten sich Demonstranten in dem für Gegner der Todesstrafe reservierten Bereich. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
  • Schon im Vorfeld gab es Demonstrationen. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
    Schon im Vorfeld gab es Demonstrationen. - Bild: George Walker IV/AP/dpa
Rettungsfahrzeuge treffen am Ort der Hinrichtung ein, nachdem diese abgebrochen wurde.  - Bild: George Walker IV/AP/dpa Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. - Bild: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa Kurz vor der geplanten Hinrichtung versammelten sich Demonstranten in dem für Gegner der Todesstrafe reservierten Bereich. - Bild: George Walker IV/AP/dpa Schon im Vorfeld gab es Demonstrationen. - Bild: George Walker IV/AP/dpa

Die zum Tode verurteilte Christa Pike hat eine Hinrichtung mit der Giftspritze im US-Bundesstaat Tennessee überlebt und befindet sich nach Angaben ihrer Anwälte in kritischem Zustand.

Lebensrettende Behandlung

Die 50-Jährige erhält nach Angaben ihrer Verteidiger eine lebensrettende medizinische Behandlung. Bis Freitagmittag (MESZ) lagen keine neuen Angaben zu ihrem Zustand oder ihrer Prognose vor.

Bei der Vollstreckung am Mittwochabend waren Pike nach Angaben der Behörden zwei Dosen Pentobarbital verabreicht worden. Zeugen berichteten, sie habe danach weiter geatmet und nach Luft gerungen; ein Anwalt sagte, er habe sie nach der ersten Dosis noch sprechen und singen gehört.

Probleme beim Venenzugang

Der Anwalt Randy Spivey sagte, das Personal habe etwa eine Stunde lang erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. Er habe allein an Pikes linkem Arm mindestens sieben Einstiche gezählt. Nach Angaben der Verteidigung verfärbte sich zudem ihr rechter Arm violett; an den Einstichstellen seien später Blasen und Verbrennungen aufgetreten.

Schließlich wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht. Unklar ist, warum die beiden Dosen nicht zum Tod führten und ob der Staat im Fall einer Genesung einen weiteren Vollstreckungsversuch unternehmen könnte.

Weitere Hinrichtungen ausgesetzt

Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen in Tennessee bis zum Jahresende aus. Außerdem ordnete er eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an.

Für Tennessee ist es innerhalb weniger Monate der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch. Im Mai war die Vollstreckung des Todesurteils gegen Tony Carruthers abgebrochen worden, weil kein ausreichender intravenöser Zugang gelegt werden konnte; ein tödliches Medikament war damals nicht verabreicht worden.

Streit um das Medikament

Pentobarbital wird in Deutschland in der Tiermedizin eingesetzt und kann bei Überdosierung eine schwere Atemdepression verursachen. Von der New York Times befragte Mediziner hielten es im Fall Pike für möglich, dass das Mittel zumindest teilweise in umliegendes Gewebe statt in die Blutbahn gelangt sei.

Die Strafvollzugsbehörde erklärte dagegen, alle Schritte der geltenden Richtlinie eingehalten zu haben. Diese sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen vor.

Hintergrund des Todesurteils

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und getötet worden. Pikes Anwälte verwiesen zuletzt auf ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während mehr als drei Jahrzehnten in Haft.

Ein Berufungsgericht hatte die Hinrichtung zunächst gestoppt, damit die Angaben zu sexuellem Missbrauch und traumatischen Erfahrungen geprüft werden konnten. Der Supreme Court hob den Aufschub anschließend auf. Pikes Anwälte fordern nun, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden und das Urteil in lebenslange Haft ohne Bewährung umzuwandeln.

Ein außergewöhnlicher Vorgang

Der Fall Christa Pike ist nach Angaben des Death Penalty Information Center insofern beispiellos, als eine verurteilte Person in der modernen Ära der US-Todesstrafe die verabreichten Hinrichtungsmedikamente überlebt haben soll. Frühere gescheiterte Vollstreckungen seien meist beendet worden, bevor ein tödliches Mittel verabreicht wurde.

Der Vorfall fällt in eine Phase, in der die Giftspritze als häufigste Hinrichtungsmethode in den USA unter erheblichem organisatorischem und rechtlichem Druck steht. Probleme beim Legen venöser Zugänge, Schwierigkeiten bei der Beschaffung geeigneter Medikamente und neue Methoden wie die Stickstoffexekution haben die Debatte über Ablauf, Kontrolle und Verfassungsmäßigkeit verschärft.

Rechtliche und politische Folgen

Für Tennessee steht zunächst die angekündigte externe Untersuchung im Mittelpunkt. Sie muss klären, wie die Zugänge gelegt, die Medikamente verabreicht und die medizinischen Standards eingehalten wurden. Dass der Staat weitere Hinrichtungen bis zum Jahresende ausgesetzt hat, betrifft deshalb nicht nur Pike, sondern die gesamte Vollstreckungspraxis.

Offen bleibt, wie Gerichte mit dem Todesurteil umgehen, falls Pike sich erholt. Zugleich dürfte die erneute Prüfung ihrer Angaben zu Missbrauch und psychischen Erkrankungen an Bedeutung gewinnen. Für die Öffentlichkeit zeigt der Fall, dass eine staatliche Hinrichtung nicht mit dem Beginn der Medikamentengabe automatisch abgeschlossen ist, sondern medizinische, rechtliche und verfassungsrechtliche Fragen bis zuletzt fortbestehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Gescheiterte Hinrichtung: Verurteilte überlebt zwei Giftspritzen“ (01.10.2026)

Der Bericht bestätige, dass Christa Pike zwei Giftspritzen überlebt habe und in ein Krankenhaus gebracht worden sei. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf das juristische Tauziehen vor der Vollstreckung sowie auf die Kritik mehrerer Richterinnen am Beschluss des Supreme Court; zudem bleibe die genaue Ursache des medizinischen Scheiterns offen.

DER SPIEGEL: „Christa Pike – Tennessee: Verurteilte nach Hinrichtung offenbar in kritischem Zustand“ (01.10.2026)

Der Artikel berichte ebenfalls über Pikes Überleben und den kritischen Zustand. Anders als der Bericht der tagesschau hebe er vor allem die Angaben des Anwaltsteams zu lebensrettenden Maßnahmen und die Schilderungen von Zeugen hervor; zugleich werde darauf verwiesen, dass die Verteidigung eine Umwandlung des Todesurteils fordere.

Beide Berichte stimmten beim gescheiterten Vollzug, der medizinischen Versorgung und der Untersuchung durch den Staat überein. Unterschiede lägen vor allem bei der Gewichtung des vorausgegangenen Rechtsstreits und der Berichte über den Ablauf; offen blieben der weitere Gesundheitszustand und die rechtlichen Konsequenzen.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70215911 |