Cornell University, Misstrauensvotum

Cornell-FakultÀt entzieht Leitung mit 75 zu 50 Stimmen Vertrauen

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 15:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der FakultĂ€tssenat wirft der UniversitĂ€tsleitung vor, die Krise um sexuelle Übergriffe nicht wirksam zu bewĂ€ltigen. Der Hochschulrat stellt sich dennoch hinter PrĂ€sident Michael Kotlikoff.

Konflikt zwischen FakultÀt und Hochschulrat

  • Der FakultĂ€tssenat sprach der Leitung von Cornell am Freitag sein Misstrauen aus.
  • Das Votum fiel mit 75 zu 50 Stimmen bei fĂŒnf Enthaltungen aus.
  • PrĂ€sident Michael Kotlikoff kann durch den Senat nicht abgesetzt werden.
Im Zentrum des Falls steht eine frĂŒhere Studentin, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt. Sie wirft mehreren MĂ€nnern vor, sie 2024 vergewaltigt zu haben. (Archivbild) - Bild: Adrian Kraus/AP/dpa

FakultÀtssenat erhöht Druck auf Cornell-Leitung

Der FakultĂ€tssenat der US-EliteuniversitĂ€t Cornell hat der Hochschulleitung wegen ihres Umgangs mit einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung das Misstrauen ausgesprochen. Das Votum wurde am Freitag Ortszeit mit 75 zu 50 Stimmen bei fĂŒnf Enthaltungen angenommen.

Symbolischer Schritt ohne Absetzung

FĂŒnf weitere Mitglieder gaben keine Stimme ab. Der FakultĂ€tssenat vertritt die Interessen des akademischen Personals, kann UniversitĂ€tsprĂ€sident Michael Kotlikoff aber nicht absetzen.

Die Abstimmung hat deshalb vor allem symbolische Bedeutung. Sie zeigt zugleich, wie stark die Kritik an der Leitung wegen des Umgangs mit dem Fall inzwischen innerhalb der UniversitÀt ist.

Vorwurf aus dem Jahr 2024

Im Zentrum steht der Vorwurf einer ehemaligen Studentin, im Oktober 2024 im Haus einer Studentenverbindung von mehreren MĂ€nnern vergewaltigt worden zu sein. Die Beschuldigten bestreiten die VorwĂŒrfe; strafrechtliche Konsequenzen gab es zunĂ€chst nicht.

Hochschulrat stellt sich hinter PrÀsidenten

RĂŒckendeckung erhielt Kotlikoff vom Rat der Hochschule. Dessen Vorsitzende Anne Meinig Smalling erklĂ€rte, der PrĂ€sident und seine Verwaltung seien die richtige FĂŒhrung, um das Problem anzugehen.

Gleichzeitig rĂ€umte sie ein, das Votum spiegle tiefe Wut auf dem Campus wider. Kotlikoff habe die FakultĂ€t um Zeit fĂŒr Reformen gebeten, wĂ€hrend ein Teil des Lehrpersonals und der Studierenden seinen RĂŒcktritt fordere.

Ermittlungen nach Zivilklage

Die ehemalige Studentin tritt unter dem Pseudonym Jane Doe auf. Nach einer Zivilklage und wachsender öffentlicher Kritik wird der Fall inzwischen von New Yorks GeneralstaatsanwÀltin Letitia James untersucht.

Das Misstrauensvotum macht einen grundlegenden Konflikt an Cornell sichtbar: Der FakultĂ€tssenat fordert eine deutlichere institutionelle Reaktion auf VorwĂŒrfe sexualisierter Gewalt, wĂ€hrend die Hochschulleitung um Zeit fĂŒr Reformen bittet. Weil das Gremium den PrĂ€sidenten nicht absetzen kann, verĂ€ndert die Abstimmung zunĂ€chst nicht die formale Machtverteilung. Sie erhöht jedoch den politischen und öffentlichen Druck auf die Verwaltung.

Der Fall reicht ĂŒber die konkrete Beschuldigung hinaus. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie UniversitĂ€ten mit VorwĂŒrfen gegen Mitglieder von Studentenverbindungen umgehen, welche Konsequenzen sie innerhalb der Hochschule ziehen und wie transparent sie ihre Entscheidungen erklĂ€ren. Dass der Vorgang durch eine Zivilklage und Ermittlungen erneut Aufmerksamkeit erhĂ€lt, verstĂ€rkt die Anforderungen an eine nachvollziehbare Aufarbeitung.

Folgen fĂŒr Cornell

FĂŒr die UniversitĂ€t dĂŒrfte entscheidend werden, ob angekĂŒndigte Reformen den Konflikt zwischen Lehrpersonal, Studierenden, Hochschulrat und PrĂ€sidium entschĂ€rfen. Die RĂŒckendeckung des Hochschulrats stabilisiert PrĂ€sident Michael Kotlikoff zunĂ€chst, beseitigt aber nicht die Kritik des FakultĂ€tssenats. Weitere Schritte könnten daher von der Untersuchung des Falls, den Ergebnissen der Reformen und dem Umgang mit der Sicherheitsdebatte auf dem Campus abhĂ€ngen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Gruppenvergewaltigung: Druck auf Cornell-Uni in New York wĂ€chst“ (07.11.2026)

Der Bericht bestĂ€tigt das Misstrauensvotum und hebt zusĂ€tzlich den Vorwurf hervor, die UniversitĂ€t sei mit den Beschuldigten zu nachsichtig umgegangen. Er richtet den Schwerpunkt auf frĂŒhere Sanktionen gegen die Studentenverbindung und die erneuten Ermittlungen.

Gemeinsam ist der Darstellung die wachsende Belastung fĂŒr die Hochschulleitung. Offen bleibt, welche konkreten Konsequenzen aus der Untersuchung und den Reformforderungen folgen.

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