Cybertrading-Fraud, Operation Herakles

Cybertrading-Fraud: Ermittler schalten fast 10.000 Rufnummern ab

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 09:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ermittler haben in den vergangenen drei Monaten fast 10.000 Rufnummern abgeschaltet, die mutmaßliche Täter für Cyber-Anlagebetrug nutzten. Seit Beginn der Operation Herakles wurden damit in Deutschland und Österreich insgesamt 13.888 Nummern stillgelegt.

  • Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa
    Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa
  • Das CCZ hat mit anderen Behörden zusammengearbeitet. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa
    Das CCZ hat mit anderen Behörden zusammengearbeitet. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa
Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa Das CCZ hat mit anderen Behörden zusammengearbeitet. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa

Ermittler haben im Kampf gegen internationalen Cyber-Anlagebetrug in den vergangenen drei Monaten fast 10.000 von mutmaßlichen Tätern genutzte Rufnummern abgeschaltet.

Behörden bündeln Kräfte

Beteiligt waren das Cybercrime-Zentrum bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, das Bundeskriminalamt, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Bundesnetzagentur und das österreichische Bundeskriminalamt.

Die Maßnahmen gehören zur „Operation Herakles“, einer großangelegten Strategie gegen Betrug. Seit ihrem Beginn wurden den Angaben zufolge 13.888 Rufnummern abgeschaltet – 13.397 deutsche und 491 österreichische.

Gefälschte Handelsplattformen

Im Mittelpunkt steht die Betrugsmasche Cybertrading-Fraud. Dabei werden Anleger auf betrügerische Internetplattformen gelockt und zu Investitionen in vermeintlich lukrative Anlagen bewegt. Die Betreiber verfügen laut Behörden nicht über die erforderlichen Erlaubnisse für Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen oder Bankgeschäfte.

Zusätzlich rufen sogenannte Broker aus ausländischen Callcentern an und drängen Betroffene zu weiteren Zahlungen. Das Auftreten sei häufig so professionell, dass Geschädigte den Betrug über Monate nicht bemerkten. Die eingezahlten Gelder seien meist vollständig verloren.

Telekommunikationsbranche im Fokus

Die Bundesnetzagentur ergriff nach Angaben der Behörden aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen verantwortliche Telekommunikationsunternehmen. Diese mussten Rufnummern abschalten, Registrierungsprozesse anpassen und die Kontrollen bei Vertriebspartnern und Händlern verstärken.

Gemeinsam mit Europol und Strafverfolgungsbehörden anderer Länder nahmen die Cybercrime-Ermittler außerdem mehr als 2.000 illegale Domains vom Netz. Die beschlagnahmten Internetadressen leiten auf eine vom baden-württembergischen Landeskriminalamt betriebene Beschlagnahmeseite weiter.

„Crime as a Service“

Die bislang unbekannten Täter agieren den Behörden zufolge international und arbeitsteilig. Das Vorgehen wird als „Crime as a Service“ bezeichnet. Die eingezahlten Gelder würden zu keinem Zeitpunkt einer echten Kapitalanlage zugeführt.

Internationale Arbeitsteilung

Cybertrading-Fraud verbindet gefälschte Handelsplattformen, aggressive Telefonwerbung und grenzüberschreitende Zahlungsströme. Die Täter können einzelne Aufgaben auslagern – etwa den Betrieb von Internetseiten, die Registrierung von Rufnummern oder die Ansprache potenzieller Opfer. Dadurch entsteht eine arbeitsteilige Struktur, bei der abgeschaltete Telefonnummern und Domains wichtige Zugänge zum Publikum darstellen.

Die Größenordnung der Operation zeigt, dass es nicht um isolierte Einzelfälle geht. Fast 10.000 abgeschaltete Rufnummern binnen drei Monaten und mehr als 2.000 vom Netz genommene Domains markieren einen breiten technischen Ansatz: Ermittler greifen nicht nur nachträglich auf Geldflüsse oder einzelne Tatverdächtige zu, sondern versuchen, die Kontakt- und Werbeinfrastruktur laufend zu unterbrechen.

Bedeutung für Verbraucher

Für Betroffene bleibt das Risiko besonders hoch, weil die Plattformen und Anrufe häufig professionell wirken und der Betrug über längere Zeit aufgebaut wird. Eine Registrierung bei einer Finanzaufsicht ersetzt dabei keine eigene Prüfung: Entscheidend ist, ob ein Anbieter tatsächlich über die erforderlichen Erlaubnisse verfügt und ob Geldflüsse nachvollziehbar sind. Die internationale Zusammenarbeit dürfte vor allem dann Wirkung entfalten, wenn Telekommunikationsunternehmen, Plattformbetreiber und Behörden verdächtige Strukturen schneller erkennen und dauerhaft blockieren.

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