Krankenhaus-FĂ€lle, Ozempic

Schon mehrere Krankenhaus-FÀlle durch falsches «Ozempic»

23.10.2023 - 22:27:55

Das Diabetes-Mittel ist derzeit als Schlankmacher sehr begehrt. FÀlschungen sind bereits im Umlauf. Jetzt wurden erste potenziell tödliche ZwischenfÀlle bekannt.

Laut österreichischen Behörden ist es bereits in mehreren FĂ€llen nach der Anwendung von gefĂ€lschten Diabetes-Medikamenten zu gesundheitsgefĂ€hrdenden Situationen gekommen. Diese hĂ€tten «ohne sofortige Ă€rztliche Behandlung zum Tode» fĂŒhren können, berichtete das Bundeskriminalamt am Montag in Wien. Zuvor war nur ein Fall einer 31-jĂ€hrigen Frau aus Salzburg bekannt, die eine mutmaßliche FĂ€lschung des Produktes «Ozempic» verwendet hatte und danach mit schweren Nebenwirkungen in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Ihren AnwĂ€lten zufolge hatte die Frau das Mittel als Abnehm-Medizin von einem Salzburger Schönheitschirurgen bezogen.

«Ozempic» ist zur Behandlung von Diabetes zugelassen, aber derzeit auch als DiĂ€tmittel sehr begehrt. Nach Angaben des österreichischen Bundesamtes fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) nutzen Kriminelle die aktuellen EngpĂ€sse im Angebot aus, um mit FĂ€lschungen Geld zu machen. Die EuropĂ€ische Arzneimittelbehörde (EMA) in Amsterdam hatte vorige Woche gewarnt, dass in der EuropĂ€ischen Union und Großbritannien gefĂ€lschte «Ozempic»-Diabetes-Pens aufgetaucht seien. Die Spritzhilfen mit Labels in deutscher Sprache stammten demnach von GroßhĂ€ndlern in Österreich und Deutschland.

Das Bundeskriminalamt in Wien wies auf Unterschiede zwischen FĂ€lschung und Original hin: Die falschen Spritzhilfen sind demnach von einem dunkleren Blau und haben ein völlig durchsichtiges statt grau umkleidetes Sichtfenster. Bei der FĂ€lschung ist der Einstellring fĂŒr die Dosierung ausfahrbar, beim Original nicht. Die falschen Nadeln sind vier Millimeter lang, die echten sechs Millimeter.

Insulin statt Semaglutid?

Das österreichische Bundesamt fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) berichtete am Montag, dass bereits mehrere Patienten im Krankenhaus behandelt werden mussten. Vermutlich enthalte das gefĂ€lschte Mittel Insulin anstelle des Wirkstoffs Semaglutid, hieß es.

Laut Bundeskriminalamt haben die bislang von Nebenwirkungen betroffenen Personen in Österreich die gefĂ€lschten Produkte von einem Arzt in Österreich bezogen. Die FĂ€lle wurden einer bestimmten Produktionscharge zugeordnet. Die Ermittler warnten, dass noch weitere Spritzen aus derselben Charge im Umlauf oder bei anderen Ärzten vorrĂ€tig sein könnten.

Die 31-JĂ€hrige aus Salzburg ist laut ihren AnwĂ€lten nur leicht ĂŒbergewichtig und keine Diabetikerin. Sie habe das Mittel «Ozempic» seit Jahresbeginn drei Mal von dem Salzburger Arzt erhalten. Beim vierten Mal sei ihr offenbar eine gefĂ€lschte Version verkauft worden, sagte Lisa Holzmann von der Kanzlei Dr. Hermann Holzmann in Innsbruck.

Die junge Frau verbrachte eine Nacht im Krankenhaus. «Es hÀtte auch ganz anders ausgehen können, nÀmlich mit dem Tod», sagte Holzmann der Deutschen Presse-Agentur. Die Juristin stellte zivil- und strafrechtliche Schritte gegen den Arzt und seinen Lieferanten in Aussicht. Bei dem Lieferanten handle es sich nicht um eine Apotheke, sagte sie, ohne weitere Details zu nennen.

@ dpa.de