Island erlebt dritten Vulkanausbruch binnen drei Jahren
11.07.2023 - 04:33:59Auf der Nordatlantik-Insel Island sprudelt einmal mehr glutrote Lava aus der Erde. Bei dem dritten Vulkanausbruch im dritten Jahr in Folge hat sich in der NĂ€he der Hauptstadt Reykjavik ein Hunderte Meter langer Erdspalt aufgetan, aus dem das flĂŒssige Gestein an die OberflĂ€che tritt.
Nach einem krĂ€ftigen Start der Eruption nahm die AktivitĂ€t am Dienstag recht deutlich ab, wie Live-Aufnahmen aus dem Vulkangebiet auf der sĂŒdwestislĂ€ndischen Reykjanes-Halbinsel zeigten. Am Nachmittag waren vor allem dichte Rauchschwaden zu sehen, die von der LavaflĂ€che aufstiegen.
«Ein deutlich menschenfreundlicherer Ausbruch»
«Das hat sich jetzt zu einem schwachen Ausbruch entwickelt, was sehr gute Nachrichten sind», schĂ€tzte der fĂŒhrende Geophysiker MagnĂșs Tumi Gudmundsson am Dienstag beim islĂ€ndischen Rundfunksender RĂV ein. Der Erdriss habe sich stark verkĂŒrzt und der Lavafluss ebenso abgenommen wie die Gasentwicklung. GlĂŒcklicherweise entwickle sich die Eruption nicht so, wie sie in den ersten Stunden ausgesehen habe. «Das ist ein deutlich menschenfreundlicherer Ausbruch», sagte Gudmundsson.
Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung kam die staatliche Wetterbehörde Vedurstofa. Die Lava trete in dem Spalt aus mehreren Schloten aus, die AktivitĂ€t des Ausbruchs habe jedoch seit dessen Beginn erheblich nachgelassen, teilte sie am frĂŒhen Nachmittag mit. Auch wenn es sich um eine «verhĂ€ltnismĂ€Ăig kleine Eruption» handle, wĂŒrden MessgerĂ€te eine erhebliche AktivitĂ€t anzeigen. Ăber dem gesamten unterirdischen Magmatunnel seien Verformungen gemessen worden - es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass sich andernorts ein neuer Schlot bilde.
Die Lava kommt aus einem Riss in der Erde
Der Ausbruch hatte sich wie bereits vorherige Eruptionen in dem Gebiet im August 2022 und davor im MĂ€rz 2021 mit Tausenden teils krĂ€ftigen Erdbeben angekĂŒndigt. Am spĂ€ten Montagnachmittag meldete die Vedurstofa dann schlieĂlich, dass die Eruption gegen 16.40 Uhr in unmittelbarer NĂ€he des Berges Litli-HrĂștur begonnen habe. In der Nacht zum Dienstag sprach die Behörde von einer mittlerweile gut 900 Meter langen Erdspalte und deutlich schneller flieĂender Lava als bei den vorherigen AusbrĂŒchen in der Gegend.
Die Eruption sieht dabei nicht so aus, wie man sich einen klassischen Vulkanausbruch vorstellt: Statt eines massiven Lavastroms, der aus einem kegelförmigen Vulkan in die Höhe schieĂt, sprudelte die glĂŒhend heiĂe Lava vielmehr aus einem lĂ€nglichen Riss in der Erde hervor. Diese Art von Ausbruch wird auch als Spalteneruption bezeichnet. Sie fĂŒhrt in der Regel nicht zu groĂen Explosionen oder riesigen AschesĂ€ulen.
Das Vulkangebiet liegt etwa 40 Kilometer sĂŒdwestlich von Reykjavik. Live-Aufnahmen und Drohnenbilder zeigten ein abermals spektakulĂ€res Naturschauspiel: Glutrote Lavaströme schlĂ€ngelten sich durch die moosbedeckte Landschaft. Dieses Spektakel könnte in der kommenden Zeit erneut zahlreiche Wissenschaftler und Schaulustige anziehen. Schon die AusbrĂŒche 2021 und 2022 hatten Vulkanologen und Abertausende Wanderer und Touristen angezogen. Unter anderem wegen der starken Gasbildung rieten die Wetterbehörde und die islĂ€ndische Regierung jedoch zunĂ€chst davon ab, sich in das Gebiet aufzumachen.
Bislang keine BeeintrÀchtigungen im Luftverkehr
Wie lange das Spektakel diesmal zu sehen sein wird, ist zunÀchst unklar. «Wir haben keine Ahnung, wie lange dieser Ausbruch anhalten wird und wie er sich genau verhalten wird», sagte Vulkanexperte Gudmundsson. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde er nicht groà sein, er könne aber durchaus lange andauern. Die Eruption 2021 hatte ein gutes halbes Jahr angehalten, die im Sommer 2022 nur einige Wochen.
WĂ€hrend Reykjavik der wesentliche Ballungsraum der Nordatlantik-Insel mit ihren knapp 390.000 Einwohnern ist, leben auf der Reykjanes-Halbinsel relativ wenige Menschen. Die Gefahr fĂŒr Wohngegenden und wichtige Infrastruktur wird als gering betrachtet. Auch im Flugverkehr gibt es bislang keine BeeintrĂ€chtigungen.
Im FrĂŒhjahr 2010 hatte das noch ganz anders ausgesehen: Der Ausbruch des schwer aussprechbaren Vulkangletschers Eyjafjallajökull hatte den internationalen Flugverkehr damals ĂŒber Tage ins Chaos katapultiert - und das ferne Island schlagartig auf die internationalen Titelseiten.











