Spanien, UnfÀlle

ZugunglĂŒck in Spanien gibt RĂ€tsel auf - mindestens 24 Tote

19.01.2026 - 04:15:24 | dpa.de

Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens steht fĂŒr ZuverlĂ€ssigkeit und PĂŒnktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Ein BahnunglĂŒck erschĂŒttert nun das Land - und wirft Fragen auf.

  • Es war wie ein Erdbeben, sagte ein Passagier. - Foto: Carlos LujĂĄn/EUROPA PRESS/dpa
    "Es war wie ein Erdbeben", sagte ein Passagier. - Foto: Carlos LujĂĄn/EUROPA PRESS/dpa
  • Das UnglĂŒck wirft Fragen auf. - Foto: Clara Carrasco/EUROPA PRESS/dpa
    Das UnglĂŒck wirft Fragen auf. - Foto: Clara Carrasco/EUROPA PRESS/dpa
Das UnglĂŒck wirft Fragen auf. - Foto: Clara Carrasco/EUROPA PRESS/dpa

Bei einem schweren EisenbahnunglĂŒck in Andalusien im SĂŒden Spaniens sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 15 seien schwer verletzt worden, sagte RegionalprĂ€sident Juanma Moreno in den frĂŒhen Morgenstunden sichtlich mitgenommen. Er schloss nicht aus, dass in den «TrĂŒmmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen könnten. Die Rettungs- und RĂ€umungsarbeiten wĂŒrden die ganze Nacht fortgesetzt.

Die Tragödie hatte sich Stunden zuvor ereignet. Gegen 19.40 Uhr war am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz CĂłrdoba mutmaßlich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe dort vorbeifuhr und vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen wurde.

«Schreie, weinende Kinder, Blut»

«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stĂŒrzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.

Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von MĂĄlaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschließlich diesen Montag unterbrochen werden. Viele Menschen, die in verschiedenen StĂ€dten von ZugausfĂ€llen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.

Eine junge Frau kĂ€mpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den TrĂ€nen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-UnglĂŒckszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfĂŒber aus dem Sitz. Menschen und GepĂ€ck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fĂŒhle mich, als wĂ€re ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador JimĂ©nez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.»

Königshaus und von der Leyen sprechen Beileid aus

Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der LokfĂŒhrer. Zahlreiche FahrgĂ€ste waren noch Stunden nach dem Unfall in den ZĂŒgen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugĂ€ngliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene BrĂŒche. Alles andere als schön.»

Spaniens MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez sicherte schnelle Hilfe zu. «Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes fĂŒr unser Land», schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. «In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken», schrieb sie auf X auf Spanisch.

Tragödie wirft Fragen auf

Die Ursache des Unfalls blieb zunĂ€chst unklar - die Tragödie gibt RĂ€tsel auf. «Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall», sagte Minister Puente. «Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jĂŒngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.» Man mĂŒsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.

Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich genauso erstaunt. Das Sicherheitssystem hĂ€tte einen solchen Unfall eigentlich verhindern mĂŒssen, ohne dass der LokfĂŒhrer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros.

Am frĂŒhen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch mehr als 70 Verletzte in insgesamt sechs KrankenhĂ€usern. Einige wĂŒrden noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen, sagte RegionalprĂ€sident Moreno. Zur IdentitĂ€t und Herkunft der Opfer wurden zunĂ€chst keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, sagte Moreno.

Psychologische Betreuung

Das Rote Kreuz half nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern mit psychologischer Betreuung, sondern auch traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die etwa im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich auf ihre Lieben warteten.

In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes UnglĂŒck vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich ĂŒberhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.

Angesichts der Tragödie, der Trauer und des Chaos zeigten sich viele Menschen in der 4.000-Einwohner-Gemeinde Adamuz solidarisch. Trotz spÀter Stunde brachten freiwillige Helfer Decken, Arznei- und Lebensmittel ins Gemeindezentrum. Supermarktbesitzerin Rafaela machte umgehend ihren Laden auf und sagte im GesprÀch mit RTVE: «Heute schlÀft hier niemand!»

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
de | unterhaltung | 68498850 |