Nach der Flut: Suche nach Vermissten in Spanien
31.10.2024 - 11:59:55 | dpa.deNach den verheerenden Unwettern im SĂŒden und Osten Spaniens mit mindestens 95 Toten werden trotz zahlreicher Geretteter immer noch viele Menschen vermisst. Verteidigungsministerin Margarita Robles erklĂ€rte die Suche nach ihnen zur PrioritĂ€t des Tages, wie sie dem TV-Sender Telecinco sagte. Die Ministerin nannte keine Zahl, aber laut Medien gelten Dutzende Menschen als vermisst. In den Fokus rĂŒckt nun die Frage, ob die Behörden nicht frĂŒh genug vor der Gefahr gewarnt haben. Das ganze AusmaĂ der SchĂ€den war auch am Donnerstagmittag noch unklar.
Von «vielen» Menschen wisse man gar nichts ĂŒber deren Schicksal, sagte die Ministerin. In der besonders stark betroffenen Mittelmeerregion Valencia, in der 92 der bisher bestĂ€tigten 95 Toten gefunden wurden, soll nun das MilitĂ€r gezielt in den Ortschaften Paiporta und Masanasa nach Menschen in Not suchen.
Zugleich lehnte Robles es ab, sich an der in Spanien entbrannten Diskussion ĂŒber VersĂ€umnisse bei der Warnung vor diesen verheerenden Unwettern zu beteiligen. «Jeder weiĂ, was er gut und schlecht gemacht hat», sagte sie mit Blick auch auf einen Streit zwischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska und dem Regierungschef der Region Valencia, Carlos MazĂłn. Beide werfen sich gegenseitig vor, fĂŒr das Warnsystem zustĂ€ndig gewesen zu sein.Â
Zeitung: Uni schickte Studenten nach HauseÂ
TatsĂ€chlich gingen Warnungen des Zivilschutzes am Dienstag gegen 20.10 Uhr an die Handys aller Menschen in der Region Valencia, wie der staatliche Rundfunksender RTVE rekonstruiert. Dabei habe es aber schon Stunden vorher zu regnen begonnen, merkte die Zeitung «El PaĂs» an. Und schrieb weiter: Der Wetterdienst Aemet habe bereits am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr die höchste Warnstufe ausgerufen, was sehr hohe Gefahr bedeutet.Â
Doch die Warnungen des Zivilschutzes seien dann erst am Abend erfolgt, als erste FlĂŒsse bereits ĂŒber die Ufer getreten waren. Viele Menschen waren trotz der Unwetter in ihren Autos unterwegs und liefen damit Risiko, liegenzubleiben oder von der Strömung weggerissen zu werden. Die groĂe Ford-Fabrik in Almussafes und die UniversitĂ€t ValĂšncia hatten ihre Leute zuvor bereits nach Hause geschickt, wie die Zeitung schrieb.
Erinnerungen an das Ahrtal
Schwer getroffen von den heftigen RegenfĂ€llen vom Dienstag sind auch andere bei Touristen beliebte Regionen am Mittelmeer wie Andalusien und Murcia sowie Kastilien-La Mancha im Landesinnern. Die extremen NiederschlĂ€ge hatten binnen weniger Stunden zahlreiche FlĂŒsse in reiĂende Ströme und StraĂen in FlĂŒsse verwandelt, die HĂ€user zerstörten und BĂ€ume, Menschen sowie Fahrzeuge mit sich rissen. Der Wetterdienst Aemet sprach von einem «historischen Unwetter», dem schlimmsten solcher Art in der Region Valencia, wo die meisten Toten verzeichnet wurden.Â
Mancherorts fiel innerhalb eines Tages so viel Regen wie sonst in einem Jahr - in einigen Orten der Region Valencia Aemet zufolge bis zu 400 Liter pro Quadratmeter. Menschen, Autos und BĂ€ume, aber auch Infrastruktur wurden in den Fluten mitgerissen. Vielerorts gab es groĂe VerwĂŒstung.Â
Angesichts dieser plötzlichen Wettergewalten fĂŒhlten sich nicht wenige gerade in Deutschland auch an die Flutkatastrophe im Ahrtal erinnert, bei der im Juli 2021 mindestens 135 Menschen ums Leben kamen.
Auslöser fĂŒr die Unwetter in Spanien war das WetterphĂ€nomen «Kalter Tropfen» (gota frĂa). Es tritt in der spanischen Mittelmeerregion in den Monaten September und Oktober hĂ€ufig auf und basiert auf stark schwankenden Temperaturen von Meer und Luft. Das PhĂ€nomen entsteht, wenn sich die ersten atlantischen TiefauslĂ€ufer mit feuchtkalter Luft ĂŒber das warme Mittelmeer schieben. Die Zentralregierung in Madrid rief eine dreitĂ€gige Staatstrauer ab Donnerstag aus. Sie sicherte den Betroffenen auch schnelle Hilfe beim Wiederaufbau zu.
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