Hochwassergefahr: Ort in ThĂŒringen evakuiert
26.12.2023 - 06:57:06Andauernder Regen und durchgeweichte Böden sorgen weiter fĂŒr Hochwassergefahr in etlichen Gegenden Deutschlands. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt weiterhin vor Dauerregen in mehreren Regionen.
Besonders stark betroffen war der Ort Windehausen (Kreis Nordhausen) in NordthĂŒringen. Dort spitzte sich die Hochwasserlage so zu, dass am ersten Weihnachtsfeiertag die komplette RĂ€umung des knapp 500 Einwohner zĂ€hlenden Ortsteils von Heringen notwendig wurde. «Die Situation ist sehr bedrohlich, so ein Bild habe ich in der Goldenen Aue noch nicht gesehen», sagte der BĂŒrgermeister der Stadt Heringen, Matthias Marquardt (Linke), der Deutschen Presse-Agentur.
Das Wasser stand teilweise bis zu einem Meter hoch in dem Ort. Es gebe keinen Strom, keine Zufahrt und auch keine Festnetztelefonie, beschrieb der BĂŒrgermeister die kritische Lage. AuĂerdem funktionierten die Toiletten wegen der fehlenden AbflĂŒsse nicht mehr. Den Einwohnern sei daher dringend angeraten worden, ihre HĂ€user zu verlassen. Die Menschen wĂŒrden jedoch nicht mit Polizeigewalt aus ihrem Zuhause geholt, betonte der BĂŒrgermeister.
Auch in Niedersachsen sorgte das Hochwasser fĂŒr Anspannung. Im Landkreis Leer kĂ€mpften in der Nacht zum Dienstag hunderte EinsatzkrĂ€fte gegen die Wassermassen. In der Gemeinde Uplengen war der Deich der Hollener Ehe an zwei Stellen gebrochen, zudem sei er auf einer LĂ€nge von fast 500 Metern aufgeweicht, sagte Kreisfeuerwehrsprecher Dominik JanĂen. 450 EinsatzkrĂ€fte und hunderte freiwillige Helfer konnten Deich aber mit SandsĂ€cken stabilisieren.
In der Gemeinde Hatten im Landkreis Oldenburg wurde ebenfalls ein Deich instabil. Die Bewohner zweier StraĂen mĂŒssten evakuiert werden, teilte die Feuerwehr in der Nacht zu Dienstag mit. Wie viele Menschen betroffen waren, war zunĂ€chst nicht bekannt. Am Dienstagmorgen sollte die StabilitĂ€t des Deichs erneut beurteilt werden. Bis dahin solle der Deich durch SandsĂ€cke stabilisiert werden. Ein Deichbruch werde weiterhin als unwahrscheinlich eingeschĂ€tzt.
FĂŒr die Flussgebiete der Oker und Innerste warnten die Behörden vor einer weiteren VerschĂ€rfung der Hochwasserlage. Da im Harz bis zum Dienstagvormittag weiterer Regen vorausgesagt sei, werde eine dritte Hochwasserwelle in den ZuflĂŒssen zu den Talsperren erwartet. Dadurch wĂŒrden sich die Harztalsperren so stark fĂŒllen, dass voraussichtlich mehr Wasser abgelassen werden mĂŒsse und dies fĂŒhre dann zu einer deutlichen VerschĂ€rfung der Hochwasserlage, hieĂ es in einer Mitteilung.
Warnung vor Dauerregen und Sturmfluten
Der Deutsche Wetterdienst sagte weiteren Dauerregen in mehreren Regionen voraus, vor allem von den westlichen Mittelgebirgen bis zum Harz, hieĂ es in einer DWD-Unwetterwarnung vom spĂ€ten Montagabend. AuĂerdem werde es mancherorts stĂŒrmisch. In der Nacht sollte es starke, im Nordwesten auch stĂŒrmische Böen geben, die sich im Laufe des Tages nach Norden ausdehnten. An BĂ€chen und FlĂŒssen sei Hochwasser zu erwarten. Neben Ăberschwemmungen könne es auch zu Erdrutschen kommen. Der GroĂteil des Landes bleibe im Einflussbereich milder und sehr feuchter Luftmassen.
Das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte vor Sturmfluten im Wesergebiet und an der niedersĂ€chsischen NordseekĂŒste. Konkret wurden Bremen, Bremerhaven, Elsfleth, Brake und Rechtenfleth an der Weser sowie Wilhelmshaven an der Nordsee genannt.
Angespannt war die Hochwasserlage weiterhin auch in Teilen von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordrhein-Westfalen.
Voraussichtlich noch bis Mittwoch (27. Dezember) ist der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Hannover und Magdeburg beeintrĂ€chtigt. IC-ZĂŒge wĂŒrden in beiden Fahrtrichtungen umgeleitet und verspĂ€teten sich dadurch um etwa 30 Minuten, teilte die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite mit. Hintergrund sind demnach GleisunterspĂŒlungen auf der Strecke von Magdeburg nach Helmstedt.


