Behörden gehen von antisemitischer Attacke in Berlin aus
22.02.2025 - 15:26:33 | dpa.deMit dem mutmaĂlichen Ziel, Juden zu töten, soll ein 19-jĂ€hriger anerkannter syrischer FlĂŒchtling im Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals in Berlin auf einen spanischen Touristen eingestochen haben. Das 30 Jahre alte Opfer kam nach dem Angriff am Freitagabend mit lebensgefĂ€hrlichen Halsverletzungen ins Krankenhaus. Nach einer Notoperation ist sein Zustand stabil.Â
Der mutmaĂliche Angreifer wurde nur wenige Stunden danach im Umfeld des Mahnmals festgenommen. Die Berliner Staatsanwaltschaft geht auch mit Blick auf den Tatort von einem antisemitischen Motiv aus. Der 19-JĂ€hrige soll den Angaben zufolge 2023 als unbegleiteter minderjĂ€hrlicher FlĂŒchtling nach Deutschland gekommen sein und zuletzt in Leipzig gelebt haben.
Ebenfalls am Freitag war am Hauptstadtflughafen BER ein 18-JĂ€hriger festgenommen worden. Er soll einen antisemitisch motivierten Anschlag auf die israelische Botschaft in Berlin geplant haben.
Angreifer war der sÀchsischen Polizei bekannt
Der mutmaĂliche Angreifer am Holocaust-Mahnmal sei der sĂ€chsischen Polizei wegen verschiedener Straftaten bekannt gewesen, teilte das sĂ€chsische Innenministerium mit. Er sei jedoch kein Mehrfach- oder IntensivstraftĂ€ter. Es habe sich um einfache Straftaten der allgemeinen KriminalitĂ€t gehandelt, hieĂ es. Einen «Staatsschutzbezug» - also einen politischen Hintergrund - habe es bei diesen Taten nicht gegeben.Â
Der Mann sei vom Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge nach der Genfer FlĂŒchtlingskonvention anerkannt und nicht ausreisepflichtig gewesen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lebte er in einer Gemeinschaftsunterkunft.
Zusammenhang mit Nahostkonflikt
«Nach bisherigen Ermittlungen und dem aktuellen Kenntnisstand sollen ZusammenhÀnge mit dem Nahostkonflikt bestehen», teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit. Nach dem Angriff der islamistischen Terrormiliz Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel war die israelische Armee in den Gaza-Streifen einmarschiert. Dort wurden im Verlauf des Krieges Zehntausende PalÀstinenserinnen und PalÀstinenser getötet, vor allem Zivilisten.
«Nach bisherigem Kenntnisstand, insbesondere aufgrund entsprechender ĂuĂerungen des Beschuldigten gegenĂŒber der Polizei, soll seit einigen Wochen der Plan in ihm gereift sein, Juden zu töten», teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Vor diesem Hintergrund sei auch die Auswahl des Tatorts erfolgt. Ăber ein antisemitisches Motiv hatten zuerst «stern» und «Tagesspiegel» berichtet.
Das Mahnmal fĂŒr die ermordeten Juden in Europa erinnert in der historischen Mitte Berlins an die sechs Millionen Juden, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden.
Gebetsteppich und Koran im Rucksack
Zudem soll eine religiöse Motivation bestanden haben. Demnach hatte der Mann neben dem Messer als mutmaĂlicher Tatwaffe auch einen Koran, einen Zettel mit Versen daraus sowie einen Gebetsteppich in seinem Rucksack dabei.
Der Haftbefehl wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung und versuchten Mordes gegen den Angreifer wurde am Abend erlassen und in Vollzug gesetzt. Der 19-JĂ€hrige befindet sich nun in Untersuchungshaft. WĂ€hrend der PolizeimaĂnahmen am Tatort lief der Mann den Angaben zufolge auf die Beamten zu. Ihnen fielen seine blutverschmierten HĂ€nde und die Hose auf. Daraufhin nahmen sie den Mann fest.Â
Er habe bei der Festnahme einen klaren Eindruck gemacht, hieĂ es. «Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, ist Gegenstand der Ermittlungen», teilte die Staatsanwaltschaft mit. Anhaltspunkte fĂŒr Verbindungen zu anderen Personen oder Organisationen lĂ€gen nicht vor. Der Beschuldigte sei strafrechtlich in Berlin bisher nicht auffĂ€llig geworden und war dort weder polizei- noch justizbekannt.
Innenministerin fordert Abschiebung
Bundesinnenministerin Nancy Faeser Ă€uĂerte sich entsetzt ĂŒber die Tat. «Die Messerattacke am Berliner Holocaust-Mahnmal ist ein abscheuliches und brutales Verbrechen», sagte die SPD-Politikerin laut Mitteilung. Sie forderte, der mutmaĂliche TĂ€ter mĂŒsse mit aller HĂ€rte bestraft und «direkt aus der Haft abgeschoben werden».Â
Ăhnlich Ă€uĂerten sich auch Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner und weitere Politiker. «Ich erwarte von der nĂ€chsten Bundesregierung, dass sie dafĂŒr sorgt, dass solche TĂ€ter ihren Schutzstatus verlieren und schnell unser Land verlassen mĂŒssen», teilte Wegner mit.Â
Mehrere tödliche Angriffe vor Wahl
In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in Deutschland mehrere auch tödliche Angriffe, deren HintergrĂŒnde allerdings unterschiedlich waren. Das Thema Migration dominierte daraufhin den Bundestagswahlkampf. So fuhr am 13. Februar ein 24-jĂ€hriger Afghane in MĂŒnchen mit einem Auto in einen Verdi-Demonstrationszug. Ein zweijĂ€hriges MĂ€dchen und seine 37 Jahre alte Mutter starben spĂ€ter im Krankenhaus, mindestens 37 weitere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen.Â
In einem Park in Aschaffenburg soll ein 28 Jahre alter Afghane im Januar ihm offensichtlich unbekannte Menschen mit einem Messer angegriffen haben. Ein zweijĂ€hriger Junge marokkanischer Herkunft und ein 41-jĂ€hriger Deutscher starben. Kurz vor Weihnachten war zudem ein 50-jĂ€hriger Arzt aus Saudi-Arabien mit einem Auto ĂŒber den Weihnachtsmarkt in Magdeburg gerast. Sechs Menschen kamen ums Leben, knapp 300 wurden verletzt.
18-JĂ€hriger am BER festgenommen
Bei dem 18-jĂ€hrigen VerdĂ€chtigen, der am Freitagabend am BER festgenommen wurde, handelt es sich den Angaben der Behörden zufolge um einen Tschetschenen, der in Potsdam lebte. Er kam in Untersuchungshaft. Er soll einen politisch motivierten Anschlag in Berlin geplant haben. Ziel sollte die israelische Botschaft sein, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.Â
Demnach wollte er vom BER aus Deutschland verlassen, um sich dem IS anzuschlieĂen. Im Zusammenhang der Ermittlungen durchsuchte die Polizei am Morgen eine Wohnung in Potsdam und fand dabei einen sprengstoffĂ€hnlichen Gegenstand. Das Mehrfamilienhaus wurde evakuiert. Der Gegenstand sollte dann entschĂ€rft werden.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

