Drogentod von 13-JÀhriger: VerstÀrkte Ecstasy-Variante?
28.06.2023 - 16:56:42Nach dem Drogentod einer 13-JÀhrigen im Osten Mecklenburg-Vorpommerns ermittelt die Polizei weiter mit Hochdruck nach weiteren möglichen Beteiligten an der Verbreitung der gefÀhrlichen Ecstasy-Variante «Blue Punisher». Bei Drogendelikten handele es sich immer um umfangreiche Ermittlungen, sagte eine Polizeisprecherin heute der Deutschen Presse-Agentur. «Wo kommt es her? Wo geht es hin? Ein Dealer teilt ja nicht nur an einen aus, sondern an mehrere.»
Bereits am Montagabend hatte die Polizei vier TatverdĂ€chtige im Alter von 16, 17, 17 und 37 Jahren festgenommen. Gegen den 37-JĂ€hrigen hatte das Amtsgericht Neubrandenburg am Dienstagnachmittag Haftbefehl erlassen. Der Mann soll demnach in zwei FĂ€llen BetĂ€ubungsmittel an MinderjĂ€hrige abgegeben haben. AuĂerdem soll er BetĂ€ubungsmittel in nicht geringer Menge besessen haben. Er ist in der JVA Neustrelitz in Haft.
Die anderen drei VerdĂ€chtigen sind laut Polizei wieder auf freien FuĂ gesetzt worden. Es gebe bei den TatverdĂ€chtigen aber einen Bezug zu der 13-JĂ€hrigen, sagte die Polizeisprecherin unter Berufung auf Ermittler. Die TatverdĂ€chtigen hĂ€tte sich bisher nicht zu den VorwĂŒrfen geĂ€uĂert.
«Blue Punisher» sind laut Experten besonders stark
Laut Bundeskriminalamt (BKA) handelt es sich bei «Blue Punisher» (deutsch: blauer Bestrafer) nicht um eine separate Droge, sondern um ein Logo beziehungsweise ein Motiv einer Ecstasytablette. Tabletten können «mit dem gleichen Logo aus unterschiedlichen Quellen stammen und völlig unterschiedliche Zusammensetzungen bzw. Wirkungen haben». Weiter hieà es vom BKA: «Das Logo «Blue Punisher» ist bereits seit einigen Jahren auf dem Markt, konkrete Zahlen zur Verbreitung einzelner Ecstasylogos existieren nicht.» Das Logo ist an den Marvel-Charakter «The Punisher» angelehnt. Laut Experten sind derartige Tabletten typischerweise besonders stark.
Die 13-JĂ€hrige aus Altentreptow sei am Samstagnachmittag nach einem Notruf vom Rettungsdienst beim «GroĂen Stein» abgeholt worden. Dieser etwa 450 Tonnen schwere Findling ist nicht nur ein Besuchermagnet der Kleinstadt, sondern gilt auch als Treffpunkt fĂŒr Jugendliche. «Sie ist dann ins Krankenhaus gekommen und der Zustand war kritisch.» Bereits zuvor sei eine 15-JĂ€hrige aus Altentreptow ins Krankenhaus eingeliefert worden, von der inzwischen klar sei, dass sie die besonders starke Ecstasy-Variante «Blue Punisher» genommen habe.
Am Sonntag habe das Krankenhaus die Polizei angerufen und ĂŒber die beiden Patientinnen informiert. Am Montag starb die 13-JĂ€hrige, deren Blut- und Urinwerte laut Polizei auch auf «Blue Punisher» hinweisen. Die 15-JĂ€hrige befand sich Anfang der Woche laut Polizei wieder auf dem Weg der Besserung.
Zustand von 14-JĂ€hriger stabil
Am Montag war in Neubrandenburg zudem eine 14-JĂ€hrige auf einem Gehweg gefunden worden. Auch von ihr wisse die Polizei dank Zeugenaussagen, dass sie «Blue Punisher» genommen habe. Weniger als eine ganze Pille soll es demnach gewesen sein. «Sie befindet sich weiterhin in intensivmedizinischer Betreuung. Die Ărzte schĂ€tzen ihren Zustand derzeit aber als stabil ein», sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochmorgen. «Das kann sich jederzeit Ă€ndern.» Auch ein MĂ€dchen aus Malchin hat laut Polizei den Konsum von «Blue Punisher» bestĂ€tigt. Demnach litt es zeitweise an Ăbelkeit und Bauchschmerzen, sei aber wieder wohlauf.
Auch eine 15-JĂ€hrige aus dem brandenburgischen Rathenow ist am Wochenende mutmaĂlich an einer Ăberdosis chemischer Drogen gestorben. Die Staatsanwaltschaft in Potsdam rechnet frĂŒhestens am Freitag mit dem vorlĂ€ufigen Obduktionsergebnis. Das sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass der Tod der Jugendlichen auf Drogenkonsum zurĂŒckzufĂŒhren ist. Einen Zusammenhang zu Altentreptow haben die Ermittlungsbehörden beim Fall der Toten aus Rathenow im Blick. Die beiden Orte liegen etwa 140 Kilometer auseinander.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gegen einen Jugendlichen. Es gebe den Anfangsverdacht, dass der minderjĂ€hrige Beschuldigte dem MĂ€dchen BetĂ€ubungsmittel verschafft und so leichtfertig ihren Tod verursacht habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft heute in Potsdam. Es werde geprĂŒft, ob die in Frage stehenden BetĂ€ubungsmittel zumindest «mitursĂ€chlich» fĂŒr den Tod des MĂ€dchens waren. Um welche Art von Drogen es sich handele, sagte die Sprecherin nicht.
Die Polizei im Nordosten vermutet unterdessen eine zusĂ€tzlich verstĂ€rkte Variante von «Blue Punisher». ««Blue Punisher» ist ja sowieso schon gefĂ€hrlich», sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Normalerweise wĂŒrden Drogen gestreckt. «Wir vermuten aber, dass die vielleicht sogar noch verstĂ€rkt ist.» Das mĂŒssten aber weitere Untersuchungen klĂ€ren.


