Ausschuss entscheidet: Haftentlassung fĂŒr Oscar Pistorius?
24.11.2023 - 10:07:38In SĂŒdafrika hat am Freitag eine Anhörung fĂŒr den wegen Totschlags verurteilten frĂŒheren Spitzensportler Oscar Pistorius begonnen. Vor dem GefĂ€ngnis in der Hauptstadt Pretoria versammelten sich Medienvertreter aus aller Welt. Sie hoffen auf Information zu der hinter verschlossenen TĂŒren stattfindende Sitzung. Die BewĂ€hrungsanhörung begann kurz nach 10.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr MEZ) und sollte mehrere Stunden andauern.
Pistorius hatte in der Nacht zum Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp mit vier SchĂŒssen durch die ToilettentĂŒr seiner Villa getötet. Das Verfahren gegen den ehemaligen Sprintstar zog sich ĂŒber Jahre und ging durch mehrere Instanzen. Pistorius sagte damals aus, er habe mehrfach gefeuert, weil er hinter der TĂŒr einen Einbrecher befĂŒrchtet habe. Doch die Beweislage sprach gegen ihn.
Der heute 37-JĂ€hrige hat etwa die HĂ€lfte seiner Haftstrafe von 13 Jahren und fĂŒnf Monaten abgesessen. Nach sĂŒdafrikanischem Gesetz hat er damit automatisch Anspruch auf eine BewĂ€hrungsanhörung. Nach Angaben der Justizvollzugsbehörde soll Pistorius am Freitag persönlich vorsprechen.
Auch June Steenkamp, die Mutter der getöteten Reeva Steenkamp, reichte eine schriftliche ErklĂ€rung ein, die ihr Anwalt den vor dem GefĂ€ngnis versammelten Medien vorlas. «Ich glaube nicht Oscars Version, dass er die Person auf der Toilette fĂŒr einen Einbrecher hielt», hieĂ es darin. Sie sei auch nicht ĂŒberzeugt, dass Pistorius rehabilitiert sei, weil er nie die Wahrheit eingestanden habe.
Mutter des Opfers: «Schwarzes Loch aus Schmerz und Einsamkeit»
Ihr Leben sei seit der Tötung ihrer Tochter «ein endloses schwarzes Loch aus Schmerz und Einsamkeit», das niemals gefĂŒllt werden könnte, schrieb June Steenkamp. Ihr im September gestorbener Ehemann Barry, der kurz nach dem Prozessbeginn einen Schlaganfall erlitten habe, sei an einem gebrochenen Herzen gestorben.
Nach Angaben der Justizvollzugsbehörde wird der Ausschuss möglicherweise nicht am selben Tag zu einer Entscheidung kommen. Sollte Pistorius nicht auf BewÀhrung entlassen werden, hat er das Recht, eine Revision zu fordern.
Bereits im MĂ€rz hatte eine BewĂ€hrungsanhörung stattgefunden. Diese war zunĂ€chst mit Verweis auf einen «bĂŒrokratischen Fehler» abgelehnt worden. Im Oktober befand SĂŒdafrikas Verfassungsgericht jedoch, dass ein Fehler gemacht worden sei. Bei der Anhörung am Freitag handelte es sich damit um den nachgeholten, rechtmĂ€Ăigen Termin. Â
Bei Paralympischen Spielen 2012 gewann Pistorius auf eigens angefertigten Karbon-Prothesen sechs Goldmedaillen. Ihm waren einst als Kind wegen eines Gen-Defekts die Beine unterhalb der Knie amputiert worden.Â


