Sicherheitsdebatte: Wie war Einbruch in Louvre möglich?
20.10.2025 - 11:39:21 | dpa.deNach dem spektakulĂ€ren Einbruch in den Louvre in Paris setzt die Polizei alles daran, die flĂŒchtigen TĂ€ter zu fassen und die Beute von unschĂ€tzbarem Wert wiederzufinden. Unterdessen fragen sich die Menschen: Wie war der dreiste Einbruch in das weltberĂŒhmte Museum ĂŒberhaupt möglich? Gab es SicherheitsmĂ€ngel oder hatten die TĂ€ter Komplizen im Museum?
Wie konnten die TĂ€ter unbemerkt ins Museum gelangen?
Die TĂ€ter haben sich alle MĂŒhe gegeben, damit ihr Coup wie ein banaler Einsatz von Bauarbeitern aussieht. Mit einem mit einer HebebĂŒhne ausgestatteten Laster haben sie an der Seite des Museums geparkt und Warnkegel an der StraĂe aufgestellt. In Warnwesten sind zwei der Ganoven dann ĂŒber die HebebĂŒhne zum Balkon des Museums gelangt, um dort ein Fenster zu zerstören. An einem Sonntagmorgen sind auch in Paris zu dem Moment noch nicht so viele Menschen unterwegs, die da gleich Verdacht geschöpft hĂ€tten.Â
Ist das Museumspersonal möglicherweise in den Coup verwickelt?
Darauf deutet derzeit nichts hin. Die fĂŒnf Museumsmitarbeiter, die sich «zum Zeitpunkt des besonders schnellen und brutalen Einbruchs» in der NĂ€he befanden, hĂ€tten sofort eingegriffen, betonte das Kulturministerium. «Dank der ProfessionalitĂ€t und der schnellen Reaktion der Mitarbeiter des Louvre konnten die TĂ€ter in die Flucht geschlagen werden», teilte das Ministerium mit. Sie lieĂen demnach ihre AusrĂŒstung sowie eines der gestohlenen Objekte zurĂŒck, nĂ€mlich die Krone der Kaiserin EugĂ©nie, deren Zustand derzeit untersucht werde.
Wie ist es um die Sicherheit des Louvre bestellt, war diese vor dem Einbruch bereits Thema?
Mehrfach hatte es Warnungen gegeben, dass es Probleme mit der Sicherheit gibt. Bei einem Streik von Museumspersonal Mitte Juni ging es zwar einerseits um die Arbeitsbedingungen, anderseits aber auch um Sicherheitsprobleme. Kulturministerin Rachida Dati sagte, man habe sich 40 Jahre lang nicht fĂŒr die Sicherheit groĂer Museen interessiert. «Vor zwei Jahren hat die PrĂ€sidentin des Louvre den PolizeiprĂ€fekten um eine SicherheitsĂŒberprĂŒfung gebeten. Warum? Weil diese Museen an neue Formen der KriminalitĂ€t angepasst werden mĂŒssen. Heute handelt es sich um organisierte KriminalitĂ€t.»Â
Was können die Diebe mit der auĂergewöhnlichen Beute anfangen?
Die aus dem Pariser Louvre geraubten Juwelen sind nach den Worten des niederlĂ€ndischen Kunstdetektivs Arthur Brand unverkĂ€uflich. Niemand wolle sich an den StĂŒcken die Finger verbrennen, denn auch ein KĂ€ufer der gestohlenen Objekte mache sich strafbar. Nach EinschĂ€tzung des Experten wĂŒrden die Diamanten und anderen Edelsteine sehr wahrscheinlich aus den SchmuckstĂŒcken gelöst und einzeln verkauft. «Dann sind sie nicht mehr zu finden.»
Ăhnlich Ă€uĂerten sich auch andere Experten, die angaben, dass die Edelsteine auch in mehrere Steine zerlegt werden könnten und dann nicht mehr identifizierbar seien. DafĂŒr benötigten die TĂ€ter aber versierte Komplizen.
Gibt es vergleichbare FĂ€lle in Deutschland?
Der Fall weckt in Deutschland Erinnerungen an zwei spektakulĂ€re KunstdiebstĂ€hle: 2017 stahlen TĂ€ter aus dem Berliner Bode-Museum eine 100 Kilogramm schwere GoldmĂŒnze im Wert von mehreren Millionen Euro. Zwei Jahre spĂ€ter erbeuteten TĂ€ter im GrĂŒnen Gewölbe in Dresden 21 SchmuckstĂŒcke aus Diamanten und Brillanten und verursachten ĂŒber eine Million Euro Schaden. Ein Teil der Beute fehlt noch immer. Nach dem Einbruch in Sachsens berĂŒhmtes Schatzkammermuseum wurden die Sicherheitskonzepte ĂŒberprĂŒft, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben jetzt eine eigene Sicherheitsabteilung.
Wie reagiert die Museumswelt?
Der Juwelendiebstahl in Paris alarmiert auch deutsche Museen. «Dieser Museumsraub trifft nicht nur Frankreich ins Mark, sondern erschĂŒttert die gesamte Museumswelt», teilte der VizeprĂ€sident der Stiftung PreuĂischer Kulturbesitz (SPK), Gero Dimter, mit. Die Stiftung verwaltet unter anderem die Berliner Museumsinsel. «Gerade wenn es ein Haus wie den Louvre trifft, mĂŒssen wir uns auf internationaler Ebene verstĂ€ndigen, was jetzt getan werden muss, um Museen weltweit vor dieser Form von zunehmender und immer professioneller werdender KunstkriminalitĂ€t zu schĂŒtzen.»
War der Louvre nicht schon Filmkulisse fĂŒr spektakulĂ€re Raubszenarien?
TatsĂ€chlich wurden schon in einigen Filmen EinbrĂŒche in das Pariser Museum in Szene gesetzt. Am bekanntesten dĂŒrfte die Netflix-Serie «Lupin» (seit 2021) sein, in der der Serienheld Assane Diop (Omar Sy) eine Kette von Frankreichs Königin Marie-Antoinette stiehlt - und zwar verkleidet als Reinigungskraft.
Wann öffnet der Louvre wieder?
Das lÀsst sich noch nicht sicher sagen. Nach dem Einbruch am Sonntagmorgen war das Museum evakuiert und den Rest des Tages geschlossen worden. Das sollte die Arbeit der Polizei erleichtern. Auch am Montag blieb das Museum anders als zunÀchst geplant geschlossen. Wann genau es wieder Besucher hereinlÀsst, ist noch nicht sicher.
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