Bombendrohungen belasten den Tourismus in Frankreich
22.10.2023 - 14:15:41Schon seit Tagen ist es immer wieder dasselbe Schauspiel am Schloss Versailles: Tausende Touristen mĂŒssen die weltbekannte SehenswĂŒrdigkeit bei Paris meist gegen Mittag eilends rĂ€umen, weil bei den Behörden eine Bombendrohung eingegangen ist.
Zum siebten Mal binnen acht Tagen passierte das am Sonntag - nach einer ĂberprĂŒfung durch die Polizei konnte das Schloss dann bislang immer wieder öffnen, ein Fehlalarm. Auch RegionalflughĂ€fen und Schulen waren zuletzt gehĂ€uft von solchen Drohungen betroffen. Angesichts der vor gut zwei Wochen fĂŒr das Land verhĂ€ngten höchsten Terrorwarnstufe nimmt die Polizei keine dieser Drohungen auf die leichte Schulter.
Anstieg der Stornierungen
Auch wenn sich bisher keinerlei Anzeichen fĂŒr eine tatsĂ€chliche GefĂ€hrdung fand, bangt Frankreich inzwischen um seinen Tourismus. Von einem Anstieg der Stornierungen um zehn Prozent berichtete der PrĂ€sident des Hotel- und GaststĂ€ttenverbands (UMIH) im GroĂraum Paris, Franck Delvau, dem Sender France Info zum Start der Herbstferien. Aus Sorge vor weiteren Warnungen verschöben Touristen ihre Reise, warnte er. Neben Hotels registrierten auch Taxifahrer einen leichten RĂŒckgang an Kundschaft. «Das bringt die Tourismusindustrie in Gefahr», das angstbesetzte Klima sei nicht gut fĂŒr die Branche.
Zu den Bombendrohungen kommt es verstĂ€rkt seit dem tödlichen Angriff eines jungen Islamisten auf einen Lehrer in Arras vor einer Woche, der Frankreich schwer erschĂŒtterte. Danach wurde die höchste Terrorwarnstufe im Land verhĂ€ngt. Die Drohungen betreffen in hoher Zahl auch Schulen, und die Behörden haben vielfach bereits Jugendliche als Verantwortliche ermittelt. Wie die Polizei mitteilte, wĂŒrden Videos von den RĂ€umungen der Schulen teils millionenfach in den Sozialen Netzwerken angeklickt.
Nicht nur im Schloss Versailles, sondern auch auf FlughĂ€fen oder im Pariser Louvre waren oft auch auslĂ€ndische Touristen in den vergangenen Tagen durch Drohungen beeintrĂ€chtigt. «Die Menschen haben die Nase voll. Wir sehen bereits, dass Buchungen beginnen, storniert zu werden», sagte der BĂŒrgermeister von Versailles, François de MaziĂšres. «Wir sind beunruhigt. Wenn man aus dem Ausland kommt und in einer Woche anreist, will man kein Risiko eingehen.» Obwohl in Versailles bereits ein TatverdĂ€chtiger ermittelt wurde, hielten die Drohungen auch nach dessen Festnahme an.
Besucherzahlen gehen zurĂŒck
Der vom Sender BFMTV kontaktierte Pariser Hotelbetreiber Didier Castel berichtet von etlichen Stornierungen. «Seit Anfang der Woche haben wir 15 Prozent unserer Buchungen bis zum Ende des Monats verloren. Das waren fast alles Buchungen aus dem Ausland.» Von einer Welle von Stornierungen könne nicht gesprochen werden und man mĂŒsse diese auch nicht heraufbeschwören, teilte das Tourismusministerium mit. Aus Sicht der Tourismusexperten seien es weniger Fernreisende aus den USA oder Asien, die ihre seit langem gebuchte Reise absagten. Urlauber aus NachbarlĂ€ndern wie Belgien oder Deutschland könnten aus Sorge vor Behinderungen auf einen geplanten Kurztrip verzichten.
Auch den Ruf Frankreichs als Tourismusziel sieht mancher im Anlauf zu den Olympischen Spielen im kommenden Sommer gefĂ€hrdet. Gerade erst abgeklungen ist die landesweite Aufregung um die Verbreitung von Bettwanzen, die die Regierung eilends auf den Plan rief und die Wellen bis ins Ausland schlug. «Wir können das nicht zulassen. Das erzeugt eine Psychose, die das Land nicht gebrauchen kann», sagte Justizminister Ăric Dupond-Moretti am Freitag zu der Welle von Drohungen. «Diese Situation ist inakzeptabel», meinte auch Verkehrsminister ClĂ©ment Beaune, der die harten Strafen hervorhob, mit der Urheber solcher Drohungen rechnen mĂŒssten.
Am Schloss Versailles gibt es enttĂ€uschte Gesichter derweil nicht nur bei den Touristen, die ihren Besuch abbrechen mĂŒssen. Wirtschaftliche Auswirkungen haben die stĂ€ndigen RĂ€umungen auch auf die fliegenden Souvenir-VerkĂ€ufer. «Wenn die Polizei den Platz rĂ€umt, gehen wir nach Hause, ohne etwas verkauft zu haben», sagte M'Baye der Zeitung «Le Parisien». «Ich habe seit einer Woche nicht einmal einen einzigen Euro verdient.» Deshalb mĂŒsse er von seinem Ersparten leben. «AuĂerdem sieht man viel weniger Touristen, ich habe den Eindruck, dass die Besucherzahlen stark zurĂŒckgegangen sind.»


