Fall Valeriia - Erleichterung nach Festnahme
14.06.2024 - 20:21:32«Wir werden dich nie vergessen», haben Valeriias Klassenkameraden auf ein Blatt geschrieben und darunter einen Regenbogen gemalt. Zusammen mit Blumen, PlĂŒschtieren und unzĂ€hligen Kerzen lehnt das Bild nun an der Rathauswand in Döbeln. Nachdem die Polizei einen TatverdĂ€chtigen im Fall der getöteten Valeriia gefasst hatte, gedachten am Abend rund 2500 Menschen in dem sĂ€chsischen Ort des MĂ€dchens. Viele Menschen hatten TrĂ€nen in den Augen, als sie weiĂe und rosafarbene Luftballons in den Himmel steigen lieĂen; Eltern hielten ihre Kinder fest im Arm. Es zeigte sich tiefe Trauer, aber auch Erleichterung ĂŒber die Festnahme.
Der gewaltsame Tod der NeunjĂ€hrigen hat bundesweit viele Menschen erschĂŒttert. Das MĂ€dchen aus der Ukraine hatte 2022 mit seiner Mutter in Deutschland Zuflucht vor dem Krieg in der Heimat gesucht. Am 3. Juni hatte sich Valeriia morgens auf den Weg zur Schule gemacht, war aber nicht im Unterricht angekommen. Tagelang wurde mit groĂem Aufwand nach ihr gesucht - ein Hubschrauber, Drohnen, Taucher, Spezialhunde und Hunderte Polizisten waren im Einsatz. Am Dienstag wurde dann in einem Wald ihre Leiche im Unterholz gefunden. Laut Polizei wurde sie Opfer eines Verbrechens.Â
36-jÀhriger in Prag festgenommen
Heute vermeldeten die Ermittler nun einen Fahndungserfolg. In einem Prager Restaurant wurde am Vormittag gegen 10.15 Uhr ein 36 Jahre alter Mann festgenommen. Er sei dringend tatverdĂ€chtig, das MĂ€dchen getötet zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Chemnitz mit. Der Moldawier sei zuvor per nationalem und europĂ€ischem Haftbefehl gesucht worden. Er sei in Tschechien in Gewahrsam und solle rasch nach Deutschland ĂŒberstellt werden, hieĂ es. Das Strafverfahren laufe wegen Totschlags. Weitergehende AuskĂŒnfte wurden zunĂ€chst nicht erteilt.Â
Die Ermittlungen hatten sich in den vergangenen Tagen vor allem auf das soziale Umfeld des MĂ€dchens konzentriert. Laut «Bild» handelt es sich bei dem Festgenommenen um den Ex-Freund von Valeriias Mutter. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunĂ€chst nicht Ă€uĂern. Bereits zuvor hatte die «Bild» berichtet, dass der Ex-Freund die Mutter am Vormittag von Valeriias Verschwinden kontaktiert haben soll. Sein Handy soll in einer Funkzelle in Döbeln eingeloggt gewesen und er von der Ăberwachungskamera eines Nachbarhauses gefilmt worden sein.
Die tschechische Polizei schrieb am Nachmittag auf Twitter, dass die Polizei im Stadtzentrum von Prag einen gesuchten Mann festgenommen habe, der in Deutschland eines Gewaltverbrechens verdÀchtigt werde. Die Kriminal- und die AuslÀnderpolizei in Prag kommunizierten nun mit der deutschen Polizei, hieà es.
Zahlreiche Fragen sind unterdessen noch offen - etwa zum Motiv und zum Hintergrund des Gewaltverbrechens, aber auch zur genauen Todesursache.Â
Nicht in Feierlaune
Mit Musik, LED-Show und Karussell-Fahrten hatten die Menschen in Döbeln eigentlich am Abend ihr Stadtfest einlĂ€uten wollen. Doch seit das Kind so jĂ€h aus dem Leben gerissen wurde, ist in der 24.000 Einwohner zĂ€hlenden Stadt kaum noch jemandem zum Feiern zumute. «Valeriia wird nie wieder lachend ĂŒber ein Fest hĂŒpfen», sagte OberbĂŒrgermeister Sven Liebhauser (CDU) bei dem Gedenken auf dem Obermarkt. Es gehe auch darum, der Familie des MĂ€dchens zu zeigen: «Ihr seid in eurem unbeschreiblichen Schmerz nicht allein. Wir stehen an eurer Seite. Wir trauern mit euch.»
Zugleich zeigte er sich ebenso wie etliche BĂŒrger erleichtert ĂŒber die Festnahme. Die Verunsicherung sei nach dem Verbrechen groĂ gewesen, sagte Liebhauser der dpa. «Jetzt ist die Erleichterung hier umso gröĂer.» Nun mĂŒssten die weiteren Ermittlungen abgewartet werden.
Sachsens Innenminister Armin Schuster dankte den Ermittlern nach der zĂŒgigen Festnahme. «Mein Dank gilt insbesondere der Polizeidirektion Chemnitz fĂŒr die schnellen Ermittlungen und den tschechischen Kolleginnen und Kollegen fĂŒr die gute Zusammenarbeit sowie allen weiteren involvierten Polizisten», sagte der CDU-Politiker nach Ministeriumsangaben in Dresden. Er hoffe, «dass mit der Festnahme eines TatverdĂ€chtigen dieses schreckliche Verbrechen zĂŒgig aufgeklĂ€rt werden kann».Â





