Ukraine-UnterstĂŒtzer, Karl

Ukraine-UnterstĂŒtzer Karl Schlögel erhĂ€lt den Friedenspreis

29.07.2025 - 13:47:25 | dpa.de

Der Osteuropa-Historiker warnte frĂŒh vor Putin und kĂ€mpft fĂŒr die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine. Bei der Frankfurter Buchmesse wird er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

  • Schlögel wurde im AllgĂ€u geboren (Archivbild). - Foto: David Young/dpa
    Schlögel wurde im AllgÀu geboren (Archivbild). - Foto: David Young/dpa
  • Der Osteuropa-Historiker warnte frĂŒh vor Putin und kĂ€mpft fĂŒr die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine. (Archivbild) - Foto: Gerald Matzka/dpa
    Der Osteuropa-Historiker warnte frĂŒh vor Putin und kĂ€mpft fĂŒr die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine. (Archivbild) - Foto: Gerald Matzka/dpa
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Er ist ein Kritiker Putins und erhebt seine Stimme fĂŒr eine souverĂ€ne Ukraine: Der Historiker Karl Schlögel (77) erhĂ€lt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als einer der Ersten habe der Osteuropa-Kenner vor der aggressiven Expansionspolitik des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin gewarnt, so die Jury: «Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.»

«Wenn du den Frieden willst, stelle dich ein auf den Krieg»

Auch die Bekanntgabe der Auszeichnung nutzte Schlögel, der seit Jahrzehnten ĂŒber Russland und Osteuropa schreibt, fĂŒr einen Appell zur militĂ€rischen Hilfe fĂŒr Kiew. Der Historiker rief den Westen zur weiteren UnterstĂŒtzung der Ukraine auf. Es gebe den Spruch: «Wenn du den Frieden willst, stelle dich ein auf den Krieg», sagte Schlögel der Deutschen Presse-Agentur. Verteidigung sei das beste Mittel, sich gegen die Aggression und Ausweitung eines Krieges zur Wehr zu setzen. «Deswegen ist die UnterstĂŒtzung der Ukraine auch der beste Weg, um den Frieden in Europa zu sichern.»

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Sie wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben, der Berufsorganisation der Verlage und Buchhandlungen. Die feierliche Übergabe findet traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche statt - in diesem Jahr am 19. Oktober. 

Jahrzehntelange Reisen gen Osten 

Karl Schlögel wurde 1948 in Hawangen im AllgĂ€u geboren. Er lebt in Berlin, wo er einst osteuropĂ€ische Geschichte, Philosophie, Soziologie und Slawistik studierte. 1966 reiste er erstmals in die Sowjetunion, 1968 erlebte er den Prager FrĂŒhling persönlich, Aufenthalte in Moskau und Leningrad in den 80er Jahren prĂ€gten seine Forschung. 2014 reiste er nach der Besetzung der Krim in die Ukraine. 

Der Historiker war in Konstanz und Frankfurt (Oder) Professor. Der Friedenspreis sei «eine ĂŒberraschende und große Ehrung», sagte er. Er sei sehr dankbar und sehe darin auch eine WĂŒrdigung seiner Arbeit zu den Beziehungen und der Analyse des östlichen Europas. 

Mit dem BundesprÀsidenten im GesprÀch

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier gratulierte Schlögel, mit dem er nach eigenen Worten «seit vielen Jahren in intensivem GesprĂ€ch verbunden» ist: «Mein GlĂŒckwunsch gilt einem der profiliertesten Historiker unseres Landes, der in Verbindung von Geschichtsschreibung und zeitkritischer Diagnose uns mit Anschaulichkeit, erzĂ€hlerischer Kraft und der Bereitschaft, scheinbare Gewissheiten zu hinterfragen, immer wieder beeindruckt hat.» 

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gratulierte: Schlögels Stimme mahne zu «Wachsamkeit gegenĂŒber Geschichtsvergessenheit und imperialem Denken». «Mit analytischer SchĂ€rfe, literarischer Kraft und historischer Tiefe hat er den Blick auf Osteuropa geöffnet – lange bevor politische Debatten es verlangten.» 

«Anschauliche, lebendige Geschichtsschreibung»

Mit Werken wie «Terror und Traum» (2008) oder «Das sowjetische Jahrhundert» (2017) habe er «MaßstĂ€be fĂŒr eine anschauliche, lebendige Geschichtsschreibung gesetzt», sagte Börsenvereinsvorsteherin und Stiftungsrat-Vorsitzende Karin Schmidt-Friderichs. 

In seinem Werk verbinde Schlögel empirische Geschichtsschreibung mit persönlichen Erfahrungen. «Mit seiner ErzÀhlweise, die Beobachten, Empfinden und Verstehen verbindet, korrigiert er Vorurteile und weckt Neugier», so Schmidt-Friderichs. 

Viel Russland-Kritik beim Friedenspreis

Im vergangenen Jahr war die US-amerikanische Historikerin Anne Applebaum geehrt worden, die in ihrer Dankesrede ebenfalls eindringlich davor warnte, die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine einzuschrĂ€nken. «Um zu verhindern, dass Russland sein autokratisches politisches System verbreitet, mĂŒssen wir der Ukraine zum Sieg verhelfen», sagte die polnisch-amerikanische Historikerin 2024 in ihrer Dankesrede in der Paulskirche.

Im Jahr davor hatte der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie den Friedenspreis erhalten. Gegen ihn hatten Islamisten eine Fatwa ausgerufen, 2022 hatte er einen Anschlag nur knapp ĂŒberlebt und dabei ein Auge verloren. 

Laudatio auf FriedensnobelpreistrÀgerin

Schlögel war bereits zweimal als Laudator bei Friedenspreis-Verleihungen dabei, zuletzt hielt er 2013 die Laudatio auf die belarussische LiteraturnobelpreistrĂ€gerin und Putin-Kritikerin Swetlana Alexijewitsch. Auch er selbst wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2024 in DĂŒsseldorf mit dem Gerda-Henkel-Preis. 

Putin habe «alles in den Schatten gestellt, was man nicht einmal einem DĂ€mon zutraut», sagte er damals in seiner Dankesrede. «Russland ist der Feind», fĂŒhrte er im dpa-Interview aus. «Russland ist ein Staat, der in Europa einen Krieg angefangen hat, und darauf mĂŒssen sich die Deutschen einstellen. Das heißt: verteidigungsbereit sein, abwehrbereit sein.»

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