BÀr tötet junge Touristin in RumÀnien - Sorge auch in Bayern
10.07.2024 - 15:28:42Es sollte ein Ausflug durch die imposante Natur in RumĂ€niens SĂŒdkarpaten werden - dann kam es zur Tragödie: Ein junges Paar wanderte zum spektakulĂ€ren Wasserfall Spumoasa, als auf dem Weg plötzlich ein BĂ€r auftauchte und die 19-jĂ€hrige Frau tötete. Der Vorfall heizt die Debatte weiter an: RumĂ€niens Regierung will wegen des Vorfalls die Sommerferien des Parlaments unterbrechen, um eine VerschĂ€rfung des Vorgehens gegen BĂ€ren zu beschlieĂen. Auch in Deutschland ist das Tier immer wieder Thema. In Bayern fordert eine LandrĂ€tin sogar eine Art BĂ€renpolizei.
Freund des Opfers: «Ich wĂŒnschte, ich wĂ€re das Opfer gewesen»
GefĂ€hrlich wird es bei BĂ€ren vor allem dann, wenn sich die eigentlich scheuen Tiere an den Menschen gewöhnt haben - und sich nĂ€hern. So wie jetzt in den SĂŒdkarpaten. «Ich habe versucht, den BĂ€ren zu erschrecken, aber dann passierte das UnglĂŒck. Ich wĂŒnschte, ich wĂ€re das Opfer gewesen», sagte der Freund des Opfers nach Angaben des rumĂ€nischen Senders ProTV. Er sagte der Staatsanwaltschaft, das Tier habe die 19-JĂ€hrige am Bein gepackt und auĂer Sichtweite geschleift. Er habe sofort den Notruf gewĂ€hlt.
Weniger als eine Stunde spĂ€ter fanden die Bergretter und Polizisten die Leiche der jungen Frau in einer 100 Meter tiefen Schlucht unter dem Wanderweg bei Jepii Mici im Bucegi-Massiv, mit Bissspuren am Bein und am RĂŒcken. «Ich habe GĂ€nsehaut», sagte der Bergretter Sergiu Frusinoiu nach dem Vorfall. «Der BĂ€r war ganz in der NĂ€he des Opfers, wir haben versucht, uns zu nĂ€hern, er hat es aber nicht zugelassen.» Deshalb habe man das Tier erschossen.
Es war nicht der erste Todesfall dieser Art in RumĂ€nien. In den Karpaten des östlichen EU-Landes leben nach SchĂ€tzung der Regierung etwa 8.000 BraunbĂ€ren, die nach Russland gröĂte BĂ€renpopulation in Europa. Immer wieder greifen sie Wanderer, Hirten und Bauern an, dringen in Bauernhöfe ein und durchwĂŒhlen in StĂ€dten MĂŒlltonnen nach Nahrung.Â
Gefahr durch Gewöhnung an Menschen
Unumstritten unter Experten ist es, dass BĂ€ren sich unterschiedlich verhalten, je nachdem, wie sehr sie an Menschen gewöhnt sind. In dĂŒnn besiedelten Gebieten suchen sie das Weite, wenn sie Menschen auch nur riechen. In stark von Touristen ĂŒberlaufenen Gebieten wie den SĂŒdkarpaten zeigen sie hingegen keine Scheu. Schon seit Jahrzehnten kommen BĂ€renmĂŒtter mit ihren Jungen in die SĂŒdkarpaten-Stadt Brasov zur Futtersuche in MĂŒlltonnen. Die JungbĂ€ren lernen dieses Verhalten von den MĂŒttern und geben es an die nĂ€chste Generation weiter.
AuĂerdem scheint es den BĂ€ren in den Karpaten zu eng zu werden. Im MĂ€rz dieses Jahres wurde sogar in der sĂŒdrumĂ€nischen Tiefebene, in der Stadt Ploiesti, ein BĂ€r gesichtet. Das war nur 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bukarest.
RumÀnien will hÀrter gegen BÀren vorgehen
RumĂ€niens MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu kĂŒndigte eine VerschĂ€rfung des Vorgehens gegen BĂ€ren an. Dazu wolle er trotz Sommerpause eine Sondersitzung des Parlaments einberufen. Ein neues Gesetz solle regeln, dass in bestimmten Risikoregionen mehr BĂ€ren erschossen werden. «Es gibt GedrĂ€nge (an BĂ€ren) in manchen Gebieten. Sie haben nicht mehr genug zu fressen», sagte Ciolacu. Dennoch werde es nicht darauf hinauslaufen, «dass nun jeder in RumĂ€nien BĂ€ren erschieĂen darf - wann und wie er mag», betonte der Premier.
Derzeit dĂŒrfen die artgeschĂŒtzten BĂ€ren in RumĂ€nien in begrenztem Umfang gejagt werden. Nachweislich aggressive BĂ€ren dĂŒrfen getötet werden. Nach dem jĂŒngsten Todesfall fordert RumĂ€niens Umweltminister Mircea Fechet eine GesetzesĂ€nderung, die es erlaube, jeden BĂ€ren zu töten, der sich menschlichen Siedlungen nĂ€here.
OberallgÀuer LandrÀtin fordert eine Art bewaffnete BÀrenpolizei
Die Angst vor BĂ€ren geht auch in Gegenden um, wo es diese Tiere kaum noch gibt, etwa in Bayern. Dort fordert die OberallgĂ€uer LandrĂ€tin Indra Baier-MĂŒller eine Art BĂ€renpolizei. Die Kommunalpolitikerin der Freien WĂ€hler hatte in einem Schreiben an ihren Parteifreund, Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, die GrĂŒndung einer bewaffneten bayerischen BraunbĂ€renbereitschaft verlangt. Die Einheit sollte fĂŒr die VergrĂ€mung und Tötung von BĂ€ren zustĂ€ndig und jederzeit einsatzbereit sein, schlug die LandrĂ€tin vor. Baier-MĂŒller hatte vor einem Jahr nach einer Reihe von BĂ€rennachweisen in SĂŒdbayern eine Initiative BraunbĂ€r gegrĂŒndet, um die Verantwortlichen in den alpennahen Regionen Bayerns zu vernetzen.Â
Das Umweltministerium in MĂŒnchen reagierte zurĂŒckhaltend auf den Vorschlag. «Es gibt derzeit keinen Nachweis fĂŒr einen BĂ€ren in Bayern», sagte ein Sprecher des Ministeriums. Wichtig sei, «dass bereits aufgrund der bestehenden Rechtslage im Ernstfall sehr schnell reagiert werden kann.» Allerdings kĂ€men «im Ernstfall alle MaĂnahmen in Betracht. Das schlieĂt auch den Abschuss ein.»Â
Gesichtete BraunbÀren kommen wohl aus Norditalien
Die zuletzt in Bayern gesichteten BraunbĂ€ren wandern vermutlich von Norditalien kommend ĂŒber Ăsterreich zeitweilig auch in den Freistaat. In der italienischen Provinz Trentino gibt es nach einem Wiederansiedlungsprojekt inzwischen wieder etwa 100 BraunbĂ€ren. In Italien ist es seit MĂ€rz in der Region Trentino per Gesetz erlaubt, jedes Jahr bis zu acht BĂ€ren abzuschieĂen, wenn diese gefĂ€hrlich geworden sind. TierschĂŒtzer sind empört. Zuvor gab es beim Abschuss der Tiere hohe bĂŒrokratische HĂŒrden.
Angst vor BĂ€ren in Deutschland kam in diesem Jahrtausend erstmals im Jahr 2006 auf, als ein JĂ€ger im Ammergebirge bei Garmisch-Partenkirchen etwas fand, was auf einen BĂ€ren hindeutete: drei gerissene Schafe. Das danach als «ProblembĂ€r Bruno» bezeichnete Tier wurde schlieĂlich trotz Protesten der TierschĂŒtzer auf Anweisung des bayerischen Umweltministeriums erschossen, obwohl es keinen Menschen angegriffen hatte. Heute steht «Bruno» ausgestopft im MĂŒnchner Museum Mensch und Natur.







