Buchmesse, Tumult

Buchmesse: Tumult bei Rede zu Israel und PalÀstina

17.10.2023 - 20:24:47

Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek verurteilte in seiner Rede die terroristischen Angriffe der Hamas. Er betonte aber, man mĂŒsse auch den PalĂ€stinensern zuhören. Da kam es zum Tumult.

Die Rede des slowenischen Philosophen Slavoj Zizek hat bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse fĂŒr Tumult gesorgt. Zizek sagte, er verurteile die terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Bevölkerung, betonte aber, man mĂŒsse auch den PalĂ€stinensern zuhören und deren Hintergrund beachten, wenn man den Konflikt verstehen will.

WĂ€hrend der Rede verließen einige GĂ€ste den Saal. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker widersprach Zizek erst vor und spĂ€ter direkt auf der BĂŒhne. Becker warf Zizek vor, die Verbrechen der Hamas zu relativieren, verließ mehrfach den Saal, kehrte aber in Begleitung von Frankfurter Lokalpolitikern schließlich zurĂŒck. Auch Buchmessen-Direktor Juergen Boos versuchte Becker zu besĂ€nftigen.

Zizek widerspricht

Er relativiere gar nicht, entgegnete Zizek. Die TerroranschlĂ€ge seien ein schreckliches Verbrechen und Israel habe jedes Recht, sich zu verteidigen. Aber um zu verstehen, was dort geschehe, mĂŒsse man auch den Hintergrund der PalĂ€stinenser sehen. Es können im Nahen Osten keinen Frieden geben ohne Lösung der PalĂ€stina-Frage.

Schon vor der Unterbrechung hatte der Philosoph ein «Analyseverbot» bei diesem Thema kritisiert. Zizek kritisierte, all seine Vorredner hĂ€tten ĂŒber Israel, aber niemand ĂŒber die PalĂ€stinenser gesprochen. Die Entscheidung, die palĂ€stinensische Autorin Adania Shibli nicht auf der Buchmesse auszuzeichnen, halte er fĂŒr «skandalös».

Er sei stolz, auf der Buchmesse zu sein, sagte Zizek, «und ich schĂ€me mich auch ein bisschen, hier zu sein». Boos war am Ende von Zizeks Rede hörbar angefasst. Die Buchmesse sei der Ort fĂŒr freie Worte «und die mĂŒssen wir hier stehen können». Er sei dankbar fĂŒr den Widerspruch aus dem Publikum, aber er sei auch froh, dass man die Rede habe zu Ende hören können. «Es ist wichtig, dass wir uns zuhören.»

@ dpa.de