Pferdekutschen in New York: Stadtrat beschließt Aus bis 2028
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 00:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Kutscher und Stadtbild
- Der New Yorker Stadtrat beschloss das schrittweise Ende der Kutschen bis zum 1. Juni 2028.
- Bürgermeister Zohran Mamdani und Julie Menin einigten sich zuvor auf den Gesetzentwurf.
- Für einige Kutscher stehen möglicherweise Fahrten mit speziellen Rikschas im Central Park im Raum.
New York beendet Kutschfahrten im Central Park
Nach rund 150 Jahren soll die Ära der Pferdekutschen im New Yorker Central Park enden. Der Stadtrat beschloss ein Gesetz, das die traditionsreiche Attraktion schrittweise bis zum 1. Juni 2028 abschaffen soll.
Stadtrat beschließt schrittweisen Ausstieg
Auf den Gesetzentwurf hatten sich Bürgermeister Zohran Mamdani und die Vorsitzende des Stadtrats, Julie Menin, geeinigt. Zuvor hatte auch der Gesundheitsausschuss des Stadtrats dem Papier zugestimmt.
Tierschützer fordern seit Jahren ein Ende der Fahrten. Sie werfen den Betreibern vor, die Pferde zu überlasten und schlecht unterzubringen; außerdem könnten die Tiere im Verkehr leicht in Panik geraten. Die Betreiber weisen die Vorwürfe zurück und verlangen strengere Regeln statt eines Verbots.
Tödlicher Unfall erhöht politischen Druck
Im Juni kam ein 18-jähriger Tourist aus Indien ums Leben. Er war seiner Mutter hinterhergesprungen, nachdem sie aus einer Kutsche geschleudert worden war.
Der Unfall verstärkte den Druck auf die Politik. Über ein Verbot war in New York bereits unter früheren Bürgermeistern wiederholt gestritten worden, doch frühere Vorstöße waren nicht umgesetzt worden.
Trump bedauert das Ende der Tradition
US-Präsident Donald Trump bezeichnete das Ende der Kutschfahrten als Verlust einer grundlegenden New-York-Erfahrung. Die Tradition werde vermisst werden, schrieb der in New York geborene Präsident auf Truth Social.
Die Betreiber vermuten hinter den Verbotsinitiativen auch Interessen der Immobilienbranche. Die Ställe liegen vor allem an der Westseite Manhattans, wo Grundstücke lukrativ umgenutzt werden könnten.
Rikschas als mögliche Alternative
Mamdani versprach, die Rechte von Kutschern, Betreibern und Tieren zu schützen, nannte aber keine Einzelheiten. Menin brachte spezielle Rikschas als mögliche neue Arbeitsgrundlage für einige Kutscher ins Gespräch.
Andere Städte verfolgen unterschiedliche Wege
In Wien gehören die etwa 150 Kutschen weiterhin zum Stadtbild. Für die rund 300 Pferde gelten unter anderem zeitliche Einsatzgrenzen und regelmäßige Gesundheitskontrollen; zugleich fordern Tierschützer strengere Hitzeregeln und ein Ende der Fiaker.
In Prag wurde das Ende der Pferdekutschen bereits beschlossen. Auf Mallorca stockt der geplante Wechsel zu Elektrofahrzeugen in Palma, während andere Gemeinden wie Capdepera, Alcúdia und Muro den Betrieb bereits verboten oder die Umstellung geregelt haben.
Weniger Nachwuchs in Griechenland
In Griechenland verliert das Geschäft vielerorts auch deshalb an Bedeutung, weil Kutscher fehlen und die Tätigkeit weniger rentabel ist. Im venezianischen Alten Hafen von Chania beantragten zuletzt nur sechs von ursprünglich 16 Kutschern eine Verlängerung ihrer Lizenz.
Die Entscheidung in New York steht für einen Konflikt, der viele touristische Kutschenangebote erreicht: Städte müssen Tradition, Tierwohl, Verkehrssicherheit und wirtschaftliche Interessen gegeneinander abwägen. Ein einheitlicher internationaler Trend lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, weil die örtlichen Regeln, Einsatzbedingungen und politischen Mehrheiten sehr unterschiedlich sind.
In Wien sichern zeitliche Begrenzungen, Ruhetage und regelmäßige Kontrollen den Betrieb bislang ab. Zugleich zeigt die Petition gegen die Fiaker, dass strengere Vorgaben den Streit nicht beenden. Besonders hitzeabhängige Regeln können bei steigenden Temperaturen zum politischen Druckpunkt werden.
Zwischen Verbot und Ersatzangebot
Prag hat den Betrieb aus Gründen des Tierwohls beendet, während auf Mallorca der Wechsel zu Elektrofahrzeugen als Kompromiss angelegt ist. Dort hängt der Erfolg allerdings davon ab, ob Kommunen, Kutscher und Hersteller die Umstellung tatsächlich finanzieren und umsetzen können.
Für Kutscher bedeutet ein Verbot nicht nur das Ende einer Dienstleistung, sondern auch die Frage nach Ersatzarbeitsplätzen und dem Umgang mit den Tieren. New York setzt deshalb neben dem Ausstieg auf mögliche Rikschas. Für Besucher könnte sich das Angebot verändern, während Städte künftig stärker nachweisen müssen, wie sie Sicherheit und Tierwohl in touristischen Geschäftsmodellen gewährleisten.
