Mehr GewaltkriminalitÀt und viele junge TÀter
02.04.2025 - 12:49:30Die Polizeiliche Kriminalstatistik fĂŒr 2024 bietet reichlich Anlass zur Sorge. Zwar ging die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 um 1,7 Prozent auf rund 5,83 Millionen FĂ€lle zurĂŒck. Diese Entwicklung ist jedoch ganz wesentlich auf die Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 zurĂŒckzufĂŒhren. Die AufklĂ€rungsquote blieb mit einem RĂŒckgang um 0,4 Prozentpunkte auf 58 Prozent in etwa auf Vorjahresniveau.
Die GewaltkriminalitĂ€t nahm im vergangenen Jahr erneut zu - um 1,5 Prozent. Mit bundesweit mehr als 217.000 Gewalttaten erreichte sie 2024 den höchsten Stand seit 2007. Immerhin: Ganz so steil wie im Vorjahr, als 8,6 Prozent mehr Gewalttaten registriert worden waren als 2022, zeigte die Kurve 2024 nicht mehr nach oben.Â
Statistik erfasst jetzt auch Einsatz von Messern
Bei 6,3 Prozent der vollendeten Gewalttaten - dazu zĂ€hlen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung und gefĂ€hrliche Körperverletzung - wurde ein Messer benutzt oder damit gedroht. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesinnenministerin, Nancy Faeser (SPD), sagt, hier hĂ€tten die zusĂ€tzlichen Möglichkeiten fĂŒr Messerverbote auf Veranstaltungen und in Verkehrsmitteln den LĂ€ndern ein wichtiges zusĂ€tzliches Instrument an die Hand gegeben.Â
Um sechs Prozent zugenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der FĂ€lle, in denen mit Schusswaffen gedroht wurde. In 4.687 FĂ€llen wurde laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) mit einer Schusswaffe geschossen - plus 1,9 Prozent.
Viele junge GewalttĂ€ter - Belastet durch Folgen der Corona-ZeitÂ
Insgesamt ist die Zahl von Straftaten, bei denen die Polizei MinderjĂ€hrige als TatverdĂ€chtige festgestellt hat, zwar im vergangenen Jahr zurĂŒckgegangen. Schaut man nur auf die GewaltkriminalitĂ€t, bildet sich dieser Trend aber nicht ab - im Gegenteil. Bei Jugendlichen gab es hier laut Statistik einen Anstieg um 3,8 Prozent. Bei den Kindern sogar um 11,3 Prozent. «Es scheint wirklich eine bestimmte Altersgruppe besonders zu betreffen», sagt der PrĂ€sident des Bundeskriminalamts, Holger MĂŒnch.Â
Bei den 15- bis 17-JĂ€hrigen zeigten sich psychische Belastungen, die womöglich als SpĂ€tfolgen der SchulschlieĂungen und KontaktbeschrĂ€nkungen wĂ€hrend der Corona-Pandemie zu werten seien. Er erwarte, dass diese MinderjĂ€hrigen in den nĂ€chsten Jahren weiter «erhöht auffĂ€llig sein werden, auch als Heranwachsende». Das bedeute: «Man muss sich um diese Zielgruppe besonders kĂŒmmern.» Dabei gehe es nicht nur um polizeiliche MaĂnahmen.
Relativ hoher Anteil auslĂ€ndischer TatverdĂ€chtigerÂ
WĂ€hrend die Zahl der zu Gewalttaten ermittelten deutschen TatverdĂ€chtigen im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent stieg, registrierten die Polizeibehörden von Bund und LĂ€ndern bei den nicht deutschen TatverdĂ€chtigen hier eine Zunahme um 7,5 Prozent. Allerdings weist das Bundeskriminalamt (BKA) darauf hin, dass auch der Anteil der AuslĂ€nder an der Bevölkerung im Verlauf des Jahres zugenommen hat. Studien zeigen zudem, dass Menschen eine Tat eher zur Anzeige bringen, wenn sie vermuten, dass der mutmaĂliche TĂ€ter ein AuslĂ€nder ist.Â
BKA-PrĂ€sident MĂŒnch weist noch auf weitere Faktoren hin: Der Anteil von jĂŒngeren Menschen und MĂ€nnern - zwei Gruppen, die hĂ€ufiger Straftaten verĂŒben als Ăltere und Frauen - ist unter den Zuwanderern höher. Und unter Zuwanderern gebe es mehr Menschen, die in der Kindheit und Jugend Gewalterfahrungen gemacht hĂ€tten, etwa in Kriegssituationen.Â
BKA-PrĂ€sident hĂ€lt Steuerung von Migration fĂŒr unerlĂ€sslich
MĂŒnch sagt auch: «Migrationssteuerung ist enorm wichtig, um das Problem ĂŒberhaupt beherrschen zu können.» Die Ăberlegung dahinter: Wenn viele Menschen innerhalb kurzer Zeit kommen und auf staatliche UnterstĂŒtzung angewiesen sind, bedeutet das meist, dass sie Jahre in SammelunterkĂŒnften verbringen und die KapazitĂ€ten fĂŒr Integration nicht ausreichen.
«TĂ€ter, die hier Schutz finden, werden vermehrt straffĂ€llig», sagt die Unions-Innenpolitikerin, Andrea Lindholz (CSU). Taten in diesem Kontext mĂŒssten nicht nur zĂŒgig geahndet werden, sondern auch schneller zu Ausweisungen fĂŒhren und zur ZurĂŒcknahme von Aufenthaltstiteln.
Weniger Diebstahlsdelikte
Einen deutlichen RĂŒckgang verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr bei den LadendiebstĂ€hlen sowie beim Fahrraddiebstahl. Beides könnte laut BKA auf eine bessere Sicherung des Eigentums durch technische MaĂnahmen zurĂŒckgehen. Bei den WohnungseinbrĂŒchen lag der RĂŒckgang im Vergleich zu 2019 bei 9,9 Prozent. In den Corona-Jahren war die Zahl der WohnungseinbrĂŒche vor allem deshalb stark zurĂŒckgegangen, weil sich die Menschen die meiste Zeit in den eigenen vier WĂ€nden aufhielten.Â
MĂŒnch sieht keine Entlastung durch Cannabis-Teillegalisierung
Cannabis ist in Deutschland seit April 2024 fĂŒr Erwachsene freigegeben. Seit Juli darf die Droge laut Cannabis-Gesetz in speziellen Vereinen gemeinschaftlich angebaut und an Vereinsmitglieder abgegeben werden. Zu Hause dĂŒrfen drei Pflanzen angebaut werden. BefĂŒrworter der GesetzesĂ€nderung hatten auch mit einer erwarteten Entlastung der Polizei argumentiert, die sich dann stĂ€rker um andere Delikte kĂŒmmern könne.Â
MĂŒnch sieht allerdings bislang keine Entlastung. Er sagt: «Wenn man 25 Gramm legal in der Tasche haben darf, dann versuchen Sie mal den StraĂendealer irgendwie zu ĂŒberfĂŒhren, das ist nicht so einfach.» Auch eine positive Wirkung auf den Schwarzmarkt sei nicht zu erkennen. Laut Statistik nahmen Straftaten in Zusammenhang mit Heroin im vergangenen Jahr ab, dafĂŒr war ein Anstieg bei Kokain um knapp fĂŒnf Prozent und - in noch deutlich höherem MaĂe - bei LSD und Neuen Psychoaktiven Stoffen zu verzeichnen.







