Deutschland, Niedersachsen

14-JĂ€hriger wegen Mordes vor Gericht in Hannover

07.08.2023 - 12:47:30 | dpa.de

Der Vorwurf scheint unvorstellbar: Ein 14-JĂ€hriger soll einen gleichaltrigen Freund getötet haben. Seit Juli steht der Teenager in Hannover vor Gericht. Nach seiner Aussage mĂŒssen die Ermittler vor allem eines klĂ€ren.

Blumen und Kerzen im Januar 2023 in Wunstorf am Fundort der Leiche des 14-JĂ€hrigen. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein 14-JĂ€hriger, der wegen des Verdachts des heimtĂŒckischen Mordes an einem Gleichaltrigen in Hannover vor Gericht steht, hat die Tat womöglich nicht allein begangen. Es gebe «Hinweise darauf, dass bei der Tat möglicherweise ein weiterer Jugendlicher zugegen oder beteiligt gewesen sein könnte», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sprach der Angeklagte im Prozess ĂŒber einen möglichen weiteren Beteiligten. Das Verfahren ist nicht öffentlich. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen, wie die Sprecherin sagte. Unklar war zunÀchst, ob der mögliche Komplize am Ort der Tat war oder die Tat mit geplant hatte. Bisher waren die Ermittler nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass der 14-JÀhrige sein Opfer Ende Januar allein auf das GelÀnde einer ehemaligen GÀrtnerei gelockt und dort getötet hatte. Gegen den verdÀchtigen Teenager wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, Seitdem sitzt er in der Jugendanstalt Hameln in Untersuchungshaft.

Gab es noch einen Komplizen?

Im FrĂŒhjahr erhob die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen den Deutschen. Die beiden Jungen hatten sich zum Spielen getroffen, aber nur einer von ihnen kam nach Hause zurĂŒck. Sein Vater meldete ihn als vermisst. Hunderte EinsatzkrĂ€fte suchten in Wunstorf nahe Hannover nach dem zunĂ€chst vermissten Jungen - viele Menschen hofften, dass er noch auftauchen wĂŒrde. WĂ€hrend der Suche soll der angeklagte AchtklĂ€ssler der Polizei gesagt haben, dass er seinen Spielkameraden getötet und versteckt habe. Bei der Obduktion wurde stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache festgestellt.

Um wen es sich bei dem möglichen Komplizen handele, dazu könne sie sich nicht Ă€ußern, erklĂ€rte die Sprecherin der Anklagebehörde. Sie gehe davon aus, dass der Prozess ungehindert weitergehen werde - die neuen Ermittlungen wĂŒrden parallel gefĂŒhrt.

Die Familien unterstĂŒtzen sich gegenseitig

Das Opfer sei arg- und wehrlos gewesen, hatten die Ermittler zuvor erklĂ€rt. Der Junge habe nicht damit gerechnet, dass er von seinem Spielkameraden umgebracht werden könnte. Der mutmaßliche TĂ€ter und das Opfer besuchten dieselbe Schule, gingen aber in unterschiedliche Klassen. Details zu Hintergrund und Motiv sollten nicht genannt werden.

Aus der Sicht der Nebenklage gibt es offene Fragen. Man erhoffe sich Antworten und neue Erkenntnisse - auch zur Motivlage, sagte der Nebenklagevertreter und Göttinger Opferanwalt Steffen Hörning vor einigen Tagen.

Verteidiger Dogukan Isik hatte zu Prozessbeginn gesagt, es sei kein leichtes Verfahren. Auch fĂŒr die Familie des angeklagten Teenagers, die zur Familie des Opfers Kontakt habe, bedeute es emotional und psychisch enormen Druck. Die beiden Familien unterstĂŒtzten sich gegenseitig. Auch Hörning sprach von gegenseitigem Zuspruch.

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