Mallorca, Urlauber

Vergewaltigungsvorwurf: FĂŒnf deutsche Urlauber in U-Haft

16.07.2023 - 15:29:13

Deutsche Urlauber sorgen auf Mallorca wieder fĂŒr Ärger. Diesmal fĂŒr einen ganz gewaltigen. FĂŒnf junge MĂ€nner sollen eine Frau vergewaltigt oder dabei tatenlos zugeschaut haben. Sie kommen in U-Haft.

Unheilvolles Ende eines Mallorca-Urlaubs: FĂŒnf junge MĂ€nner aus Deutschland werden auf der spanischen Mittelmeer-Insel der Gruppenvergewaltigung beschuldigt und kommen deshalb in Untersuchungshaft. Das beschloss der zustĂ€ndige Richter in Palma am spĂ€ten Samstagabend. Nach Angaben der Polizei sollen die Touristen im Alter zwischen 21 und 23 Jahren eine noch jĂŒngere Urlauberin aus Deutschland in der Nacht auf Donnerstag zum Sex gezwungen oder tatenlos zugeschaut haben. Den VerdĂ€chtigen drohen eine lange U-Haft und bei Verurteilung Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Jahren.

Ein sechster Angehöriger der deutschen Freundesgruppe kam frei. Eine Freilassung der fĂŒnf VerdĂ€chtigen gegen Kaution lehnte der Richter ab, wie eine Justizsprecherin mitteilte.

Am Ballermann kennengelernt

Die Frau hatte laut Polizei am Ballermann einen Deutschen am Strand kennengelernt. Sie habe in der Nacht auf Donnerstag eingewilligt, mit ihm auf sein Zimmer zu gehen. Das Hotel habe ihr aber den Zutritt verweigert, weil sie dort kein Gast war. Daraufhin seien beide in ein nahe gelegenes Hotel gegangen, wo fĂŒnf Freunde des Mannes abgestiegen waren. Diese seien spĂ€ter in das Zimmer gekommen. Vier der MĂ€nner hĂ€tten die Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen. Einer der VerdĂ€chtigen habe die Tat mit seinem Handy gefilmt.

Die Frau habe sich dann in das Badezimmer geflĂŒchtet, berichtete die Polizei weiter. Einer der jungen Deutschen habe der Frau gegenĂŒber eingestanden, dass die MĂ€nner zu weit gegangen seien. Er habe sie ĂŒberredet, sie zu dem Hotel zu begleiten, in dem Freundinnen von ihr wohnten. Von dort habe die Frau die Polizei alarmiert, die fĂŒnf MĂ€nner am frĂŒhen Donnerstagmorgen in deren Hotel und einen sechsten am Freitag festnahm. Die junge Deutsche sei zu einer Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Keine Freilassung auf Kaution

Die Entscheidung des Richters, keine Freilassung auf Kaution zuzulassen, kam fĂŒr Beobachter nicht ĂŒberraschend - der gleiche Richter hatte sich unter anderem vor gut einem Jahr im Aufsehen erregenden Fall der auf Mallorca der Brandstiftung beschuldigten KegelbrĂŒder aus dem MĂŒnsterland sehr rigoros und kompromisslos gezeigt. Antoni Rotger steht dem Ermittlungsgericht Nummer 8 in Palma vor und wurde von Medien in Deutschland als gnadenlos bezeichnet, weil er acht der Kegler fast zwei Monate hinter Gittern ließ. Die jungen MĂ€nner, die im Mai vorigen Jahres festgenommen worden waren, weil sie fahrlĂ€ssig einen Kneipenbrand verursacht haben sollen, kamen erst im Juli 2022 frei - und nur deshalb, weil die AnwĂ€lte den Urlaub Rotgers ausnutzten, um einen neuen Antrag auf Freilassung auf Kaution zu stellen.

Die sechs MĂ€nner im aktuellen Fall waren am Samstagmorgen in Handschellen in das Gericht in Palma gebracht worden. Dabei zogen sie ihre Oberteile (vorwiegend Fußball-Trikots) ĂŒber den Kopf, um nicht erkannt zu werden. Woher in Deutschland die VerdĂ€chtigen und die junge Frau stammen, wurde zunĂ€chst offiziell nicht mitgeteilt.

Spanische Presse schreibt von «deutschem Rudel»

In spanischen Medien wurden die MĂ€nner als «Manada alemana» bezeichnet, als «deutsches Rudel». Damit wurde eine Parallele zu einer Gruppenvergewaltigung in Pamplona gezogen. 2016 hatten fĂŒnf junge MĂ€nner eine junge Frau in einem Hauseingang vergewaltigt und dabei gefilmt. Ein zunĂ€chst mildes Urteil gegen diese als «Manada» bezeichneten MĂ€nner löste Proteste im ganzen Land aus. In der Folge wurde das Sexualstrafrecht geĂ€ndert. Das neue «Nur Ja heißt Ja»-Gesetz fĂŒhrte jedoch unerwartet zur vorzeitigen Haftentlassung vieler Sexualverbrecher und stĂŒrzte die Regierung in eine Krise.

Jede Art der Gewalt gegen Frauen wird in Spanien sehr ernst genommen. Nicht nur deshalb sind die Aussichten fĂŒr die Deutschen sehr trĂŒb - selbst falls sie sich am Ende als unschuldig erweisen sollten. Ermittlungen nehmen in Spanien oft viel Zeit in Anspruch, die zu den Keglern beispielsweise ist nach ĂŒber einem Jahr noch im Gange. U-Haft kann bis zu zwei Jahre dauern - und notfalls verlĂ€ngert werden.

@ dpa.de