Rekordmenge an Kokain-Funden in 2023
26.12.2023 - 07:34:50Polizei und Zollfahnder haben im Jahr 2023 eine Rekordmenge an Kokain in Deutschland sichergestellt. Nach einer vorlĂ€ufigen Prognose des Bundeskriminalamts (BKA) summieren sich die Rauschgiftfunde auf 35 Tonnen, wie ein BKA-Sprecher sagte. Im Vorjahr waren rund 20 Tonnen abgefangen worden. Die bisherige Rekordmenge war 2021 mit 23 Tonnen zusammengekommen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte vor Weihnachten berichtet, die Gesamtmenge fĂŒr 2023 könne sogar bei 40 Tonnen liegen.
«Seit dem Jahr 2017 sind die Sicherstellungsmengen von Kokain in Deutschland signifikant angestiegen», hieĂ es im jĂŒngsten Lagebild des BKA zur RauschgiftkriminalitĂ€t, das im Oktober veröffentlicht wurde. 2018 hatten die Behörden lediglich fĂŒnf Tonnen aufgespĂŒrt. Damit hat sich die Menge innerhalb von fĂŒnf Jahren voraussichtlich versiebenfacht.
30 Tonnen in HĂ€fen sichergestellt
Der GroĂteil des Kokains kommt ĂŒber die ContainerhĂ€fen aus SĂŒdamerika nach Deutschland, neben Bremerhaven vor allem Hamburg. Bis Dezember seien mehr als 30 Tonnen Kokain in den deutschen HĂ€fen sichergestellt worden, erklĂ€rte ein Sprecher des Zollfahndungsamts Hamburg. Die TĂ€ter schmuggelten die Drogen hĂ€ufig in Bananen- oder SchĂŒttgutcontainern, etwa in den WĂ€nden und ZwischenrĂ€umen der Stahlboxen. Im FrĂŒhjahr waren in Hamburg 920 Kilo in einem Container mit Kaffee entdeckt worden.
Um versteckte Kokain-Lieferungen von Schiffen zu bergen, setzten die Kriminellen auch Taucher und Unterwasser-Scooter ein. Beliebt sei weiterhin die «Rip-off»-Methode, bei der etwa Sporttaschen mit Drogen ĂŒber Bord geworfen und von Komplizen eingesammelt werden. «Die TĂ€terseite nutzt ein in der Regel gut organisiertes Logistiksystem, welches es aufzudecken gilt», so der Zoll-Sprecher weiter.
Viele Verhaftungen nach EntschlĂŒsselung von Kryptodiensten
Dank der EntschlĂŒsselung der Kryptodienste Encrochat und SkyECC im Jahr 2020 wurden in Hamburg und anderen StĂ€dten zahlreiche TatverdĂ€chtige verhaftet und verurteilt. Erst Mitte Dezember berichtete das Zollfahndungsamt ĂŒber die Verhaftung von fĂŒnf MĂ€nnern, die mit einer Tonne Kokain im StraĂenverkaufswert von mehr als 50 Millionen Euro gehandelt haben sollen. Vor dem Landgericht Hamburg lĂ€uft seit Anfang MĂ€rz ein Prozess gegen zwei 59-JĂ€hrige, die den Schmuggel von gut 2,3 Tonnen Kokain ĂŒber den Hamburger Hafen organisiert haben sollen. Die in Dosenspargel verborgene Lieferung hatte der Zoll im August 2022 entdeckt.
Ende Oktober 2023 hatten Vertreter von Sicherheitsbehörden eine «Allianz Sicherer Hafen Hamburg» gegrĂŒndet. Sie vereinbarten ein gemeinsames Sicherheitszentrum, um etwa das Landeskriminalamt (LKA), den Zoll, die Wasserschutzpolizei und die Hafenverwaltung HPA besser zu vernetzen. «Da mĂŒssen wir besser werden, weil der Zaun muss höher gezogen werden hier bei uns im Hamburger Hafen», sagte LKA-Chef Jan Hieber. Es mĂŒsse unbedingt verhindert werden, dass Kokainschmuggler Hamburg als leichten Umschlagsort fĂŒr ihre Drogen begreifen und von Rotterdam oder Antwerpen in die Hansestadt wechseln.
Kampagne soll HafenbeschÀftigte von krimineller Hilfe abhalten
Ein besonderes Augenmerk wollen die Fahnder deshalb auf die sogenannten HafeninnentĂ€ter richten. Bei ihnen handelt es sich um HafenbeschĂ€ftigte beziehungsweise Menschen mit Zugang zu kritischer Infrastruktur, die Drogenschmuggler mit Informationen versorgen oder beim Abtransport des Kokains behilflich sind. Im kommenden MĂ€rz soll eine Awareness-Kampagne fĂŒr HafenbeschĂ€ftigte beginnen, um sie ĂŒber Gefahren zu informieren und vor einer Kontaktaufnahme durch Kriminelle zu schĂŒtzen.
Dass die ZĂ€une im Hamburger Hafen nicht unĂŒberwindlich sind, hatte sich im vergangenen Sommer gezeigt. Im Juni drangen kleine Gruppen junger MĂ€nner aus den Niederlanden mindestens 15-mal in das Containerterminal Altenwerder ein. Polizei und Zollfahnder vermuteten, dass die Eindringlinge nach einer Drogenlieferung suchten. Aber das ist noch immer nicht geklĂ€rt. Die Ermittlungen gegen mehrere Beschuldigte dauerten an, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft kĂŒrzlich mit. Weitere AuskĂŒnfte könnten derzeit nicht gegeben werden.
Die EuropĂ€ische Beobachtungsstelle fĂŒr Drogen und Drogensucht warnte in ihrem Jahresbericht 2023 vor den AktivitĂ€ten der Drogenmafia und der damit verbundenen Gewalt und Korruption. Nach vorlĂ€ufigen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik stieg die RauschgiftkriminalitĂ€t in Hamburg in den ersten neun Monaten des Jahres um 16 Prozent. Die GewaltkriminalitĂ€t in Deutschland nahm in der ersten JahreshĂ€lfte um knapp 17 Prozent zu, wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im November in Wiesbaden sagte.


