Faktencheck, LĂ€ngere

Faktencheck: LĂ€ngere Dunkelheit - mehr EinbrĂŒche?

28.10.2023 - 12:36:17 | dpa.de

Die dunkle Jahreszeit gilt als Einbruchszeit - ist das wirklich so? Und leben Menschen in Deutschland immer unsicherer in den eigenen vier WÀnden? Das klÀrt dieser Faktencheck.

Ein Mann demonstriert in einer polizeilichen Beratungsstelle, wie Einbrecher Fenster aufhebeln. (Illustration) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Ein Mann demonstriert in einer polizeilichen Beratungsstelle, wie Einbrecher Fenster aufhebeln. (Illustration) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Diebe brechen TĂŒren oder Fenster auf und verschaffen sich so Zutritt zu HĂ€usern und Wohnungen. Es herrscht die Annahme, dass sie bei Dunkelheit besonders leichte Beute haben. Stimmt das? Ein Faktencheck zum Tag des Einbruchschutzes am Sonntag (29. Oktober), der mit der Zeitumstellung zusammenfĂ€llt.

Behauptung: Dunkelheit lockt Einbrecher an.

Bewertung: Unklar.

Fakten

Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge gibt es im Winterhalbjahr mehr WohnungseinbrĂŒche als im Sommerhalbjahr. Von September 2021 bis Februar 2022 waren es knapp 35.000 FĂ€lle, wĂ€hrend es von MĂ€rz bis August 2022 etwa 28.000 waren. Diebe kamen 2022 nach BKA-Angaben etwa in zwei von drei FĂ€llen zwischen 21.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens. Zu diesem Zeitraum werden aber auch EinbrĂŒche mit unbestimmbarer Uhrzeit gezĂ€hlt - etwa wenn die Bewohner ĂŒber das Wochenende weggefahren oder im Urlaub waren.

Behauptung: Es wird immer öfter eingebrochen.

Bewertung: Teilweise falsch.

Fakten

Das BKA registrierte im vergangenen Jahr bundesweit rund 65.900 WohnungseinbrĂŒche. Das war im Vergleich zum Vorjahr zwar der erste Anstieg seit acht Jahren. Allerdings gingen die Zahlen zuvor stetig zurĂŒck: von etwa 167.100 FĂ€llen (2015) auf rund 54.200 (2021).

Mögliche GrĂŒnde: Die Polizei kĂ€mpft prĂ€ventiv und repressiv gegen EinbrĂŒche an - etwa mittels technischer Sicherungseinrichtungen. In den Jahren 2020 und 2021 dĂŒrften nach BKA-Angaben auch die Pandemie mit vermehrtem Home-Office sowie eine höhere Zahl an Grenzkontrollen und Grenzschließungen eine Rolle gespielt haben.

Obwohl es 2022 den ersten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gab, liegt das Niveau immer noch unter dem von 2019 (etwa 87.100 EinbrĂŒche), als es noch keine Covid-Pandemie gab.

Behauptung: Menschen in GroßstĂ€dten sind besonders gefĂ€hrdet.

Bewertung: Stimmt in der Tendenz.

Fakten

«Schwerpunkte sind Metropolen und stĂ€dtische Regionen sowie Gegenden entlang von Fernstraßen und Bahntrassen», schreibt das BKA. Ein Blick in den Deutschlandatlas, der die Zahl der WohnungseinbrĂŒche auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner fĂŒr das Jahr 2021 angibt, zeigt aber auch: Dies kann von Region zu Region sehr unterschiedlich sein.

Dem Deutschlandatlas unter anderen des Bundesinstituts fĂŒr Bau,- Stadt- und Raumforschung und des Bundesinnenministeriums zufolge kamen 2021 auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Mittel bundesweit knapp 53 WohnungseinbrĂŒche. Doch die Spannbreite ist enorm: Die meisten FĂ€lle gab es demzufolge mit 256 FĂ€llen in Bremerhaven. Sehr geringe Werte mit zwischen 3 und unter 20 FĂ€llen pro 100.000 Einwohner kamen fast ausschließlich in Bayern vor.

Mehr als 200 EinbrĂŒche pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurden vor allem in StĂ€dten verĂŒbt. Das zeigt sich auch zum Beispiel am Durchschnitt: In kreisfreien StĂ€dten lag dieser Wert bei rund 74 und in Landkreisen bei etwa 45.

Trotzdem gab es bundesweit vereinzelt Landkreise mit mehr WohnungseinbrĂŒchen als in StĂ€dten. In MĂŒnchen gab es etwa rund 24 FĂ€lle pro 100.000 Einwohnern, wĂ€hrend es im benachbarten Landkreis Starnberg fast 40 waren.

Regional waren 2021 in Deutschland Unterschiede zu beobachten. Im SĂŒden, etwa in MĂŒnchen und Stuttgart, gab es weniger WohnungseinbrĂŒche pro 100.000 Einwohner als im Ruhrgebiet - zum Beispiel in Gelsenkirchen, Dortmund und Essen. Auch im Norden, etwa in Kiel und Bremen, war die Quote höher als im SĂŒden.

Behauptung: Einbrecher sind meistens Migranten.

Bewertung: Falsch.

Fakten

«Unter den ermittelten TatverdĂ€chtigen dominieren nach wie vor deutsche Staatsangehörige und örtlich-regionale TĂ€ter», schreibt das BKA. Demnach waren 2022 mehr als 85 Prozent der TatverdĂ€chtigen mĂ€nnlich und etwa 60,5 Prozent deutsch. Dennoch spielt dem BKA zufolge der Anteil von ĂŒberregional und international agierenden TatverdĂ€chtigen nach wie vor eine große Rolle. HĂ€ufig kommen sie demnach aus SĂŒdost- und Osteuropa. Ob die TatverdĂ€chtigen am Ende auch wirklich vor Gericht als TĂ€ter verurteilt werden, ist aus der BKA-Statistik aber nicht zu entnehmen.

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