Erdbeben in Japan: Zahl der Todesopfer steigt weiter
02.01.2024 - 08:15:04Die Serie schwerer ErdstöĂe an der WestkĂŒste Japans hat mindestens 62 Menschen in den Tod gerissen und erhebliche Zerstörungen angerichtet. Mindestens 137 Menschen erlitten am Neujahrstag in Folge eines ersten besonders heftigen Bebens der StĂ€rke 7,6 im Raum der Halbinsel Noto Verletzungen, wie die Zeitung «Mainichi Shimbun» berichtete. «Die Suche und Rettung der vom Beben betroffenen Menschen ist ein Kampf gegen die Zeit», sagte Regierungschef Fumio Kishida vor dem Krisenstab. Eine am Vortag fĂŒr Japans gesamte WestkĂŒste ausgegebene Warnung vor Tsunami-Flutwellen hob die nationale meteorologische Behörde am Dienstag wieder auf.
Das starke Beben hatte kurz vor Einbruch der Dunkelheit zugeschlagen, es folgten Dutzende weitere. Flutwellen von rund einem Meter Höhe trafen auf die KĂŒste. Bei Tagesanbruch lagen am Dienstag mancherorts dicke braune Schlammschichten auf den StraĂen. Seither erschĂŒttern weitere Beben die Region, wĂ€hrend der Einsatz der RettungskrĂ€fte durch betrĂ€chtliche SchĂ€den zusĂ€tzlich erschwert wurde. Zahlreiche HĂ€user wurden zerstört oder fielen BrĂ€nden zum Opfer. StraĂen wurden aufgerissen oder teils durch Erdrutsche blockiert, BĂ€ume stĂŒrzten um.
Viele BrÀnde nach den Beben
Allein in der schwer betroffenen Stadt Wajima in der PrĂ€fektur Ishikawa brannten mehr als 200 WohnhĂ€user und GeschĂ€fte ab. «Ich hatte groĂe Angst, ich habe geschrien. Ich dachte, ich wĂŒrde sterben», schilderte die australische Touristin Kumudu Thuyakontha der Zeitung «The Sydney Morning Herald». Sie hatte gerade eines der berĂŒhmten traditionellen Onsen-BĂ€der in der unter Touristen beliebten PrĂ€fektur Kanazawa besucht, als das GebĂ€ude zu schwanken begann. Die Australierin hatte GlĂŒck. Sie und ihre Familie blieben unverletzt und nahmen nach dem Abklingen der ErschĂŒtterung den ersten verfĂŒgbaren Zug nach Kyoto, um der Region zu entkommen.
Andere hatten weniger GlĂŒck. «Zuerst dachte ich, das Beben hĂ€tte die ĂŒbliche StĂ€rke», erzĂ€hlte ein Bewohner Ishikawas der Zeitung «Asahi Shimbun». «Aber bald darauf gab es ein vertikales Beben und das Haus stĂŒrzte ein.» Seine 79 Jahre alte Mutter, die sich in einem anderen Zimmer aufgehalten habe, sei beinahe unter dem Haus begraben worden, habe aber noch «Raus!» gerufen und sich rechtzeitig retten können. Sie hĂ€tten die Nacht auf einer Anhöhe im Zelt ĂŒbernachtet und seien dann in eine Notunterkunft gezogen, sagte der 50-JĂ€hrige der Zeitung.
Kaiser Naruhito sagt seinen Neujahrsauftritt ab
Rund 100.000 Menschen waren wĂ€hrend der Neujahrsfeierlichkeiten aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Zehntausende Menschen in den PrĂ€fekturen und Toyama mussten in NotunterkĂŒnften ausharren. In Zehntausenden von Haushalten fiel bei winterlichen Temperaturen der Strom aus, Wasserleitungen brachen.
Tausende Armeeangehörige, Feuerwehrleute und Polizeibeamte aus dem ganzen Land wurden in die UnglĂŒcksregion auf der relativ abgelegenen Halbinsel Noto entsandt. Japans Kaiser Naruhito und seine Familie sagten ihren traditionellen Neujahrsauftritt vor dem Volk am Dienstag ab. Sie seien untröstlich und hofften, dass die BemĂŒhungen zur Rettung von Menschenleben so schnell wie möglich voranschreiten, zitierten Medien das Haushofamt.
Bei dem normalerweise am 2. Januar stattfindenden Auftritt grĂŒĂen der Kaiser und Mitglieder seiner Familie hinter Glasscheiben des Chowa-Den-Palastes Zehntausende Untertanen zu Neujahr. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten fĂŒr das Volk, dem Palast so nah zu kommen. WĂ€hrend erste AufrĂ€umarbeiten begannen, dauerten die Beben weiter an. Die nationale Wetterbehörde warnte fĂŒr den Rest der Woche vor weiteren starken ErschĂŒtterungen, besonders noch fĂŒr diesen Mittwoch.
Im MĂ€rz 2011 hatte ein Beben der StĂ€rke 9 einen gewaltigen Tsunami ausgelöst, der weite Gebiete im Nordosten des Landes verwĂŒstete und rund 20.000 Menschen in den Tod riss. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zu einem Super-Gau. Das fernöstliche Inselreich Japan ist eines der stĂ€rksten von Beben gefĂ€hrdeten LĂ€nder der Welt.





