US-Ebola-Patient soll in Deutschland behandelt werden
19.05.2026 - 13:46:45 | dpa.deEin mit dem Ebola-Virus infizierter US-Patient soll in Deutschland behandelt werden. Die US-Behörden hÀtten die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung gebeten, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit.
Der Patient hat sich im Zuge eines Ausbruch des tödlichen Ebola-Fiebers in der Demokratischen Republik Kongo infiziert, der sich alarmierend rasch ausweitet. Das kongolesische Gesundheitsministerium meldete bereits 513 VerdachtsfĂ€lle und 131 vermutete TodesfĂ€lle.Â
Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, um den US-BĂŒrger in Deutschland aufzunehmen und zu behandeln. Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte mit, der Infizierte habe im Kongo gearbeitet und sei am Wochenende positiv getestet worden. US-Medien zufolge soll es sich bei dem Infizierten um einen Arzt handeln. Auch eine christliche Missions-Organisation teilte mit, dass sich ein US-amerikanischer Mediziner beim Behandeln in einem Krankenhaus im Kongo infiziert habe.
Vorerst keine Angaben zum Behandlungsort
Wegen der kĂŒrzeren Flugzeiten und der Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten solle der Mann nach Deutschland verlegt werden â ebenso wie sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko. Zu ihrer NationalitĂ€t wurden keine Angaben gemacht.
Zum Behandlungsort in Deutschland gab es zunĂ€chst keine Informationen. Das Bundesgesundheitsministerium erlĂ€uterte allgemein, fĂŒr das Management und die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger gebe es ein bundesweites Expertennetzwerk.
WHO-Notfallausschuss tagt zu Ebola
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihren Notfallausschuss einberufen. Die mit der Krankheit vertrauten unabhĂ€ngigen Expertinnen und Experten wollen Empfehlungen ausarbeiten, wie mit der Notlage umgegangen werden soll, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Verantwortlich fĂŒr den Ausbruch ist die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, fĂŒr die es weder Impfstoff noch Therapie gibt. Die Ausbreitungsgefahr fĂŒr die gesamte Region Zentral- und Ostafrika gilt als hoch.
Normalerweise tagt der Ausschuss, sobald sich eine Bedrohung abzeichnet. Der WHO-Chef wartet in der Regel auf den Rat des Ausschusses, ob eine Notlage erklĂ€rt werden soll. Es sei das erste Mal gewesen, dass er dies ohne den Ausschuss getan habe, so die WHO. Dies, weil Tedros die Lage als so dringlich betrachtete, dass er nicht warten wollte. Nach Angaben von Anne Ancia, der WHO-Vertreterin im Kongo, prĂŒfe man jetzt, welche Impfstoffkandidaten verfĂŒgbar seien, um zu evaluieren, ob ein Impfstoff fĂŒr die Bundibugyo-Variante auf die Schnelle zur VerfĂŒgung gestellt werden könne.
LĂ€nder sollen zusammenarbeiten
Das Ausrufen einer Notlage soll keine Panik schĂŒren, sagte ein WHO-Sprecher. Vielmehr soll es LĂ€nder informieren, dass es ein dringliches Problem gibt, und es soll die Zusammenarbeit stĂ€rken.Â
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC forderte die internationale Gemeinschaft auf, zunĂ€chst von ReisebeschrĂ€nkungen abzusehen. Das benachbarte Ruanda hat seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen. Die USA haben fĂŒr den Kongo ihre höchste Reisewarnung herausgegeben und EinreisebeschrĂ€nkungen fĂŒr Personen ohne US-Pass verhĂ€ngt, die sich kĂŒrzlich im Kongo, in Uganda oder im SĂŒdsudan aufgehalten haben.
Erfahrungen aus frĂŒheren AusbrĂŒchen hĂ€tten gezeigt, dass weitreichende ReisebeschrĂ€nkungen und GrenzschlieĂungen oft nur einen begrenzten Nutzen fĂŒr die öffentliche Gesundheit hĂ€tten, wĂ€hrend sie erhebliche wirtschaftliche, humanitĂ€re und operative Folgen nach sich zögen, warnte Africa CDC Direktor Jean Kaseya. «Der schnellste Weg, alle LĂ€nder der Welt zu schĂŒtzen, besteht darin, die EindĂ€mmung des Ausbruchs an der Quelle entschlossen zu unterstĂŒtzen», so Kaseya.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach von einer extrem ernsten Lage und kĂŒndigte Hilfe in Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern vor Ort an. «500 SchutzanzĂŒge fĂŒr medizinisches Personal sollen nĂ€chste Woche ausgeliefert werden, ein Schulungsmarathon zum sicheren Umgang mit Ebola-VerdachtsfĂ€llen ist in Vorbereitung», teilte sie mit. AuĂerdem bereite sich eine Expertengruppe auf einen Einsatz vor.
Ausbruch begann wohl im April
Der Ebola-Ausbruch begann laut Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den SĂŒdsudan grenzt, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Auch im benachbarten Uganda wurden zwei FĂ€lle gemeldet.Â
Die vom Ausbruch direkt betroffenen Gebiete sind dicht besiedelt und auf der kongolesischen Seite teils in der Hand von Rebellengruppen. SchĂ€tzungsweise leben allein in der Provinz Ituri nach Angaben der WHO etwa 8 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Vertriebener.Â
Stephan Becker, Leiter des Instituts fĂŒr Virologie an der Philipps-UniversitĂ€t Marburg, bezeichnete es als «besorgniserregend, dass der Ausbruch offenbar lange unentdeckt blieb». Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor hat es laut Africa CDC AusbrĂŒche der Bundibugyo-Variante gegeben.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit KörperflĂŒssigkeiten ĂŒbertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
