Forbach, Frankreich

Folter? RÀtsel um deutsches Paar in Frankreich

07.08.2023 - 20:57:15

Die Festnahme eines Deutschen in Ostfrankreich sorgt fĂŒr Unruhe. Seine Frau beschuldigt ihn, sie seit Jahren gefangen gehalten und misshandelt zu haben. Erste Erkenntnisse der Justiz fĂŒgen dem Fall Fragezeichen hinzu.

Hat ein Deutscher seine Frau in Ostfrankreich jahrelang gefangen gehalten und misshandelt? Nach einem nĂ€chtlichen Notruf und einer Festnahme in Forbach, an der Grenze zum Saarland, geht die französische Justiz einem rĂ€tselhaften Fall nach. Polizisten fanden die 53 Jahre alte Deutsche ohne Fesseln. Sie hĂ€tten keine eindeutigen Hinweise darauf entdeckt, dass sie in der Wohnung eingesperrt worden sei, sagte der Staatsanwalt von SaargemĂŒnd, Olivier Glady, am Abend.

In der Nacht hatte die Frau SicherheitskrĂ€fte in Deutschland kontaktiert - dem Sender BFMTV zufolge mit einem entwendeten Telefon. Sie werde seit zwölf Jahren von ihrem Mann eingesperrt und gefoltert. Eine Sprecherin des PolizeiprĂ€sidiums Westhessen in Wiesbaden teilte mit, dass im Laufe des Sonntags der Anruf der Frau beim Opfertelefon des Weißen Rings eingegangen sei.

Von ihren deutschen Kollegen alarmiert, schlugen die französischen Polizisten in den frĂŒhen Morgenstunden bei der Wohnung des Paares auf, entdeckten die Frau, brachten sie ins Krankenhaus und nahmen den Mann fest. Ermittlungen laufen mittlerweile zu Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Folter.

Vorwurf schlimmster Folter ausgeschlossen?

Staatsanwalt Glady zufolge fanden die Beamten die Frau in einem Bett in der NĂ€he eines Festnetztelefons. Sie habe keine wunden Stellen und keine BlutergĂŒsse gehabt, in ihrer NĂ€he habe es keine Blutspuren gegeben. Auch seien keine BrĂŒche festgestellt worden, was zumindest den Vorwurf schlimmster Folter auszuschließen scheine. Zum Vorwurf der Freiheitsberaubung gebe es Fakten, die das Ganze nuancierten, wertete Glady den Fall.

Der beschuldigte 55-JĂ€hrige sprach dem Staatsanwalt zufolge von einer Krankheit, an der seine Frau seit LĂ€ngerem leide. Es sei von Krebs die Rede gewesen, auch Nachbarn des Paares hĂ€tten von der Krankheit gewusst. Glady zufolge bewege sich in dem Fall ein Schieber zwischen einem «absolut furchtbaren Szenario» und einer unbefriedigenden Betreuung bei einer Krankheit. Die Ermittlungen stĂŒnden noch am Anfang, betonte Glady.

Es sei eine gewisse Vorsicht geboten, um sich bei einer furchtbar wirkenden Situation nicht vom ersten Schein der Dinge tĂ€uschen zu lassen. Die Untersuchungen mĂŒssten die soziale Situation des Paares entschlĂŒsseln und herausfinden, wie es zu der Lage kam, die aus Sicht der Frau Folter, Vergewaltigung und Eingesperrtsein bedeuteten. Bis die Ermittlungen mehr Klarheit in den mysteriös wirkenden Fall bringen, dĂŒrfte es jedoch noch etwas dauern.

@ dpa.de