Kopenhagens Christiania will Dealer loswerden
08.08.2023 - 13:52:02Einwohner der Kopenhagener Freistadt Christiania haben aus Protest gegen kriminelle Gangs die EingĂ€nge zur berĂŒchtigten Drogengasse der alternativen Wohnsiedlung blockiert. «Die Aktion findet in der Hoffnung statt, Christiania von der Tyrannei der Banden und Rocker zu befreien», erklĂ€rte die Gruppe.
Sie protestierte damit gegen eine Reihe von Gewalttaten rund um die sogenannte Pusher Street, die mit dem Einfluss im DrogengeschĂ€ft zu tun hatten. Die autonome Freistadt Christiania ist ĂŒber 50 Jahre alt und zĂ€hlt neben dem Hafen Nyhavn und der Statue der Kleinen Meerjungfrau zu den groĂen Touristenmagneten von Kopenhagen.
Ende der 60er Jahre hatte das dĂ€nische MilitĂ€r damit begonnen, eine Kaserne im Stadtteil Christianshavn zu rĂ€umen. Einige BĂŒrger mit dem Wunsch nach einem alternativen und freieren Lebensstil besetzten das Gebiet daraufhin. 1971 wurde Christiania als eröffnet ausgerufen. Die dĂ€nische Politik schuf spĂ€ter den rechtlichen Rahmen, unter dem die Freistadt letztlich geduldet wurde.
Besonders bekannt ist dabei die besagte Pusher Street, in der teils vermummte MĂ€nner an kleinen Buden Haschisch verkaufen. Diese Gasse verbarrikadierte eine gröĂere Gruppe von Einwohnern in der Nacht zum Dienstag nun unter anderem mit Betonabsperrungen und einem Container. «Die Pusher Street ist geschlossen», stand auf einem Betonklotz geschrieben. Einige der Blockaden waren am Vormittag aber bereits wieder zur Seite geschoben oder umgekippt worden, wodurch die StraĂe wieder zugĂ€nglich war.
Die Blockadeaktion richte sich nicht gegen die vielen Menschen, die Cannabis zur Entspannung und verantwortungsvoll benutzten, erklÀrte die Gruppe. Man rufe jedoch dazu auf, Haschisch nicht in Christiania zu kaufen. Die Akteure in der Pusher Street hielten sich nicht an die Gesetze und Werte der Freistadt, das verdiente Geld finanziere nicht Christiania, sondern Gangs.
«Die organisierte KriminalitĂ€t saugt die Energie aus all den positiven Dingen, die wir in Christiania gerne wollen», stellten die Christianiter klar. Sie hĂ€tten Angst und fĂŒhlten sich machtlos. An Politik und Polizei gewandt fragten sie: «Warum schlieĂt ihr die Pusher Street nicht einfach? Weil ihr nicht wollt? Oder weil ihr nicht könnt?»


