Anklage gegen vier Polizisten der «Alex-Wache»
14.02.2024 - 16:39:08Vier Polizisten der Wache am Berliner Alexanderplatz sollen einen Mann misshandelt haben, der einen Diebstahl melden wollte. Rund zweieinhalb Jahre spÀter sollen die MÀnner nun vor Gericht kommen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen die damaligen Beamten der «Alex»-Polizeiwache, wie die Behörde mitteilte.
Sie sollen den Mann am 16. Juli 2021 geschlagen haben, so dass dieser teils bewusstlos war. Um die Geschichte zu vertuschen, sollen die Polizisten spÀter eine Geschichte erfunden haben. Die Anklage wirft ihnen unter anderem Körperverletzung im Amt, Verfolgung Unschuldiger, Nötigung im Amt und Freiheitsberaubung vor.
Hauptbeschuldigter ist laut Staatsanwaltschaft ein 35-JĂ€hriger, der bereits vor Gericht stand und inzwischen freiwillig den Polizeidienst quittiert hat. Mitangeklagt sind drei seiner ehemaligen Kollegen im Alter von 26, 27 und 30 Jahren. Laut Staatsanwaltschaft wurden sie zunĂ€chst versetzt.Â
Mit kraftvollem Schlag zu Boden gebrachtÂ
Nach den Ermittlungen suchte das spĂ€tere mutmaĂliche Opfer die «Alex-Wache» in der Tatnacht gegen 2.00 Uhr auf, weil sein Portemonnaie weg war. Der Hauptangeklagte soll dem Mann die TĂŒr geöffnet haben, ihm dann aber den Arm nach unten geschlagen haben - möglicherweise, um dessen Gestikulieren zu unterbinden. Daraufhin soll der Mann einen anderen Polizisten angesprochen und auf den 35-JĂ€hrigen gedeutet haben. Dieser habe ihn mit einem kraftvollen Schlag zu Boden gebracht und dort weiter angegangen. Die drei Kollegen sollen dieses Vorgehen gesichert haben, so dass der 35-JĂ€hrigen den Mann weiter misshandeln konnte.Â
SpĂ€ter sollen sich die Polizisten nach den Ermittlungen auf eine Geschichte geeinigt haben: Danach sollte der Mann mit Feuerzeug und Handy nach ihnen geworfen haben. Es wurde deswegen ein Ermittlungsverfahren wegen tĂ€tlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gegen ihn eingeleitet.Â
Den Ermittlungen zufolge soll das mutmaĂliche Opfer festgehalten und gefesselt worden sein. Dann soll die Rufbereitschaft der Staatsanwaltschaft kontaktiert worden sein, um eine Blutentnahme fĂŒr eine Alkoholmessung anzuregen. Dabei soll der diensthabende Jurist angelogen worden sein, so dass dem mutmaĂlichen Opfer letztlich ohne Rechtsgrundlage oder Einwilligung Blut abgenommen wurde.
Ex-Polizist verurteilt zu zwei Jahren und drei Monaten Haft
Der Hauptangeklagte steht nicht zum ersten Mal im Fokus der Ermittler. Der Ex-Polizist ist laut Staatsanwaltschaft im August 2022 wegen der Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskrĂ€ftig, weil der 35-JĂ€hrige Berufung eingelegt hat. Ăber diese muss das Landgericht Berlin entscheiden. Dieses ist auch fĂŒr die aktuelle Anklage zustĂ€ndig.Â
Die «Alex-Wache» wurde im Dezember 2017 eingerichtet. Zuvor war der Alexanderplatz durch eine Reihe von SchlĂ€gereien, Messerstechereien und TaschendiebstĂ€hlen in Verruf geraten. Die Behörden verstĂ€rkten deshalb ihre MaĂnahmen mit einer eigenen Polizei-Ermittlungsgruppe «Alex», der «Alex-Wache» und einem speziell abgestellten Staatsanwalt. Durch diese MaĂnahmen wollen Polizei und Justiz die dort aktiven TĂ€tergruppen besser im Auge behalten sowie schneller und effektiver ermitteln.Â


