Lehrerinnen nach Tod von SchĂŒlerin verurteilt
15.02.2024 - 14:25:02Am Ende wandte sich der Vorsitzende Richter direkt an den Vater des MĂ€dchens. «Egal welche Strafe, das wĂŒrde Emily nicht wiederbringen», sagte Martin Alberring zu dem NebenklĂ€ger.
Der Vater hatte jahrelang darauf gedrungen, dass der Tod seiner 13 Jahre alten Tochter bei der Studienfahrt einer Mönchengladbacher Schule vor Gericht aufgeklĂ€rt wird. Seit Mitte Januar saĂen zwei 60 und 34 Jahre alte Lehrerinnen wegen fahrlĂ€ssiger Tötung durch Unterlassen auf der Anklagebank. Sie wurden schuldig gesprochen und zu Geldstrafen von 23.400 Euro und 7200 Euro verurteilt. Wegen der langen Verfahrensdauer gilt ein geringer Teil der Geldstrafe als vollstreckt.
Das Gericht folgte in seinem Urteil der Anklage: Die Lehrerinnen hĂ€tten sich vor der Abreise der SchĂŒlergruppe im Juni 2019 nach London schriftlich ĂŒber Erkrankungen der 60 bis 70 teilnehmenden SchĂŒler informieren mĂŒssen. Denn dann hĂ€tten sie gewusst, dass die 13-jĂ€hrige Emily seit Jahren Diabetikerin war, die regelmĂ€Ăig Insulin spritzen musste. Und sie hĂ€tten anders auf die Beschwerden reagieren und eine frĂŒhzeitige Aufnahme in ein Krankenhaus veranlassen können. Das hĂ€tte den Tod der SchĂŒlerin Gutachtern zufolge wohl verhindert. Auch das MĂ€dchen und seine Eltern sollen nicht auf die Erkrankung hingewiesen haben.
Zustand des MĂ€dchens verschlechterte sich stetig
Wenig VerstĂ€ndnis hatte das Gericht fĂŒr die Haltung der Angeklagten. Sie hĂ€tten keine Verantwortung fĂŒr ihr Handeln ĂŒbernommen und gemeint, nichts falsch gemacht zu haben, sagte der Vorsitzende Richter im Urteil am fĂŒnften Verhandlungstag.
Der Zustand der 13-JĂ€hrigen hatte sich auf der Fahrt stetig verschlechtert. DarĂŒber hatten mitreisende SchĂŒler die Lehrerinnen informiert. Im Gerichtssaal wurde die dramatische Sprachnachricht einer 14-JĂ€hrigen vorgespielt, die mit Emily auf einem Zimmer war. «Die sackt uns permanent weg», berichtete sie aufgeregt. Das MĂ€dchen habe sich nicht selbst anziehen können und sei nicht in der Lage, sich die ZĂ€hne zu putzen. Die 13-JĂ€hrige hatte auf der Fahrt die Blutzuckermessungen und Zugabe von Insulin vernachlĂ€ssigt.
Am Abreisetag ins Krankenhaus
Am Abreisetag kam das MĂ€dchen in ein Krankenhaus, wo es einen Tag spĂ€ter an den Folgen von Insulinmangel starb. Als die Eltern erfuhren, dass ihre Tochter in London im Krankenhaus liegt, fuhren sie umgehend hin und konnten noch mit ihr sprechen. Die Ărzte hĂ€tten Hoffnung gemacht, dass das Kind bald nach Hause kommen könne, berichtete der Vater. Doch kaum sei er wieder zu Hause angekommen, sei die Todesnachricht gekommen.
Vor dem Prozess am Landgericht hatte es ein jahrelanges, juristisches Tauziehen gegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte zuerst gegen vier Lehrer ermittelt, die an der Fahrt teilgenommen hatten. Das Landgericht Mönchengladbach hatte die Klage gegen die beiden PĂ€dagoginnen zunĂ€chst nicht zugelassen. Das Oberlandesgericht DĂŒsseldorf entschied im Juni 2023 anders. Eine andere Kammer des Landgerichts wurde zustĂ€ndig.
Treibende Kraft war der Vater von Emily. Er sei zufrieden, aber das mache seine Tochter nicht lebendig, sagte er. Die Verteidiger der Lehrerinnen wollen das Urteil prĂŒfen und dann entscheiden. Sie hatten Freispruch beantragt.


