Frau in Tram angezĂŒndet - Diskussion ĂŒber Femizide
17.03.2025 - 12:59:24 | dpa.deEs muss eine furchtbare Szene gewesen sein: Vor den Augen weiterer FahrgĂ€ste soll nach bisherigen Polizeiermittlungen ein Mann seine Ehefrau in einer fahrenden StraĂenbahn mit einer brennbaren FlĂŒssigkeit ĂŒberschĂŒttet und angezĂŒndet haben.
GeistesgegenwĂ€rtig betĂ€tigten Mitfahrende laut Polizeisprecherin den Notfallknopf und stoppen so die Bahn am Sonntagmorgen auf ihrer Fahrt durch das ostthĂŒringische Gera. Der Tramfahrer eilt der Frau zu Hilfe und löscht die Flammen auf ihrem Körper mit dem Feuerlöscher.Â
Am Oberkörper, an den Armen und am Hals soll die 46-JĂ€hrige laut Polizei gebrannt haben. Mit einem Hubschrauber wurde die lebensgefĂ€hrlich Verletzte in ein Krankenhaus gebracht. Aufnahmen des Tatorts zeigen eine verkohlte Stelle nahe zweier Sitze in der Tram.Â
Psychologische Betreuung angeboten
«Das ist kein alltĂ€gliches Geschehen», betont die Polizeisprecherin Katja Ridder am Tag nach der Tat. Das Opfer sei weiter im Krankenhaus, zu ihrem Gesundheitszustand könnten noch keine weiteren AuskĂŒnfte gegeben werden, so die Polizei in einer Mitteilung. GlĂŒcklicherweise seien neben der Frau selbst keine weiteren Menschen körperlich verletzt worden, sagte die Sprecherin Aber: Den anderen FahrgĂ€sten und dem Tramfahrer sei psychologische Betreuung angeboten worden. «Einige haben das Angebot wohl auch angenommen», so Ridder.Â
TatverdÀchtiger Ehemann stellte sich selbst
Der tatverdĂ€chtige Ehemann war nach der Attacke flĂŒchtig, die Polizei fahndete mit Foto nach ihm, konnte nicht ausschlieĂen, dass von ihm weiter eine Gefahr ausging. Auch Polizeihunde und ein Polizeihubschrauber waren bei der Suche im Einsatz gewesen. Am Montagvormittag stellte sich der Gesuchte dann selbst bei der Polizei, die ihn vorlĂ€ufig und ohne Widerstand festnahm.Â
Zuvor war die Wohnung des Mannes in Gera durchsucht worden, dabei waren auch SpezialkrĂ€fte des Landeskriminalamts beteiligt gewesen. Dass es sich bei der brennbaren FlĂŒssigkeit um Benzin gehandelt haben könnte, kann die Polizei bislang nicht ausschlieĂen, aber auch nicht bestĂ€tigen. Wie es mit dem Mann nun weitergeht, hat die Staatsanwaltschaft zu entscheiden. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes.Â
Ob sich der Georgier zur Tat geĂ€uĂert hat, darĂŒber gab die Polizei keine Auskunft. Auch was ein mögliches Motiv und die genauen HintergrĂŒnde angeht, hĂ€lt sich die Behörde mit Blick auf laufende Ermittlungen mit Angaben zurĂŒck. Sicher ist: In der Familie gibt es auch mehrere Kinder und der Mann war kein Unbekannter bei der Polizei. Vor einigen Wochen sei es bereits zu einem Polizeieinsatz bei der Familie gekommen, so die Behörde.
OberbĂŒrgermeister: «NiedertrĂ€chtige Tat»Â
Schon am Sonntag zeigte sich der OberbĂŒrgermeister der rund 100.000 Einwohner zĂ€hlenden Stadt erschĂŒttert ob der Attacke. Kurt Dannenberg machte sie auch als Symptom eines grundlegenden Problems aus. «Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter â die heutige Tat ist eine der niedertrĂ€chtigsten», sagte der CDU-Politiker laut Mitteilung. Das Opfer werde sein Leben lang gezeichnet sein. «Dieser Vorfall zeigt uns auf erschreckende Weise, dass solch brutale Taten jederzeit und ĂŒberall geschehen können.» Dabei rechtfertige nichts eine solche Tat.Â
Innenminister: «Abscheulicher Mordversuch»Â
Auch ThĂŒringens Innenminister Georg Maier schrieb auf der Plattform X von einem «abscheulichen Mordversuch» und von einem «mutmaĂlichen Femizid». Femizid bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden â also weil sie Frauen sind. «Wir mĂŒssen mehr tun, Frauen zu schĂŒtzen. Mein Dank gilt dem Tramfahrer, der beherzt eingegriffen u. hoffentlich der Frau das Leben gerettet hat», so der SPD-Politiker weiter.
Bundesinnenministerin: Tat kein Einzelfall
Ebenso forderte Bundesinnenministerin Nancy Faeser nach der Attacke mehr Schutz fĂŒr Frauen gegen Gewalt und ein schĂ€rferes Vorgehen gegen TĂ€ter. «Das grauenhafte Verbrechen in Gera ist mutmaĂlich ein versuchter Femizid. Diese grauenhafte Tat ist kein Einzelfall, statistisch gibt es fast jeden Tag einen Femizid in Deutschland», sagte die SPD-Politikerin.Â
Ein stĂ€rkeres Schutz- und Hilfesystem fĂŒr Frauen, eine effektive Strafverfolgung der TĂ€ter und die elektronische FuĂfessel, damit sich TĂ€ter bedrohten Frauen nicht mehr unbemerkt nĂ€hern können, zĂ€hlte Faeser in einer Mitteilung als nötige MaĂnahmen auf. «Der Schutz von Frauen vor Gewalt muss auch fĂŒr die nĂ€chste Bundesregierung ein zentrales Thema sein.»
Lagebild «Gewalt gegen Frauen»
Im November vergangenen Jahres hatte das Bundeskriminalamt erstmals ein Lagebild «Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten» vorgestellt. Demnach wurden im vorvergangenen Jahr (2023) 938 MÀdchen und Frauen Opfer von versuchten und vollendeten Femiziden - 360 Frauen und MÀdchen starben dabei.
Dabei wurden Frauen auch in der Vergangenheit schon Opfer von gegen sie gerichteten BrandanschlĂ€gen: Erst im Dezember verurteilte etwa das Landgericht Arnsberg in Nordrhein-Westfalen einen 24-jĂ€hrigen Syrer wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil dieser die Schwester seiner ehemaligen Verlobten mit Benzin ĂŒbergossen und in Brand gesetzt haben soll.
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