Förderung, Deutschland

Weimer erneut wegen Förderentscheidung in der Kritik

27.03.2026 - 17:23:34 | dpa.de

Die Vergabe von Fördergeldern und Preisen lĂ€uft in Deutschland oft ĂŒber unabhĂ€ngige Jurys. Kulturminister aus acht BundeslĂ€ndern betonen: An dem Prinzip sollte man festhalten.

  • Kulturstaatsminister Weimer lĂ€sst den Vorwurf «einseitiger Eingriffe» zurĂŒckweisen. (Archivbild) - Foto: Lilli Förter/dpa
    Kulturstaatsminister Weimer lĂ€sst den Vorwurf «einseitiger Eingriffe» zurĂŒckweisen. (Archivbild) - Foto: Lilli Förter/dpa
  • Der GrĂŒne Sven Lehmann hat den Kulturstaatsminister schon mehrfach in den Kulturausschuss geladen, um Bericht zu erstatten. (Archivbild)  - Foto: Christoph Soeder/dpa
    Der GrĂŒne Sven Lehmann hat den Kulturstaatsminister schon mehrfach in den Kulturausschuss geladen, um Bericht zu erstatten. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer steht erneut in der Kritik - vorgeworfen werden ihm Eingriffe in die Entscheidung unabhĂ€ngiger Jurys zur Vergabe von Fördermitteln. «Damit höhlt er den Grundsatz der Staatsferne aus, der fĂŒr die Kulturförderung in einer Demokratie ĂŒberlebenswichtig ist», sagte Sven Lehmann (GrĂŒne), der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag. Ähnlich Ă€ußerte sich der Linken-Kulturpolitiker David Schliesing. 

Die Kulturminister und -Senatoren aus Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Saarland (alle SPD) forderten in einer gemeinsamen ErklĂ€rung, bei Förderentscheidungen auf öffentliche Richtlinien und unabhĂ€ngige Jurys zu vertrauen. «So wird sichergestellt, dass die staatliche Kulturverwaltung nicht inhaltlich auf die konkreten Projekte oder die Förderentscheidungen Einfluss nimmt», erklĂ€rten sie. Weimer nannten sie nicht ausdrĂŒcklich.

Der Parteilose Kulturstaatsminister stand zuletzt in der Kritik, weil er drei linke BuchlĂ€den wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen hatte. Die Auswahl hatte eine unabhĂ€ngige Jury getroffen. Darauf schienen die acht Landeskulturminister in ihrer ErklĂ€rung Bezug zu nehmen. Sie seien Â«ĂŒberzeugt, dass eine ÜberprĂŒfung einzelner Juryentscheidungen durch den Verfassungsschutz kein geeignetes Mittel der Kunstförderung ist», hieß es darin.

Sprecherin: Keine Rede von «einseitigen Eingriffen»

Lehmann und Schliesing bezogen sich hingegen auf einen anderen Fall. Nach einem Bericht der «SĂŒddeutschen Zeitung» hatten Vertreter des Beauftragten fĂŒr Kultur und Medien, kurz BKM, die Auswahl der Jury beim Hauptstadtkulturfonds in einem Fall revidiert. Dabei ging es demnach um die Förderung eines Übersetzungsprojekts palĂ€stinensischer Autoren. Dieses sei «zurĂŒckgestellt» worden. 

Eine Sprecherin Weimers sagte auf dpa-Anfrage: «Wir bitten um VerstĂ€ndnis, dass wir uns zu Einzelfallentscheidungen nicht Ă€ußern.» GrundsĂ€tzlich gelte, dass die Empfehlungen der Jury des Hauptstadtkulturfonds nicht bindend seien. Die Entscheidung treffe ein Gemeinsamer Ausschuss mit jeweils zwei Vertretern des Landes Berlin und des BKM. Weimer selbst sei nicht Mitglied und in die AblĂ€ufe nicht involviert. Aus dem Jury-Votum lasse sich kein automatischer Förderanspruch ableiten. «Vor diesem Hintergrund kann von "einseitigen Eingriffen" im Zuge der abschließenden Förderentscheidung keine Rede sein», erklĂ€rte die Sprecherin.

Jury beklagt sich

Die Jury des Hauptstadtkulturfonds hatte sich ohne Nennung des Einzelfalls in einer ErklĂ€rung gegen «jede politische Einmischung in die Arbeit unabhĂ€ngiger Fachjurys» gewandt. «UnabhĂ€ngige Jurys sind in der öffentlichen Kulturförderung kein symbolisches Beiwerk, sondern ein institutioneller Schutz der Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG», heißt es darin. «Wer solche Jurys nachtrĂ€glich korrigiert, delegitimiert oder politisch ĂŒbersteuert, greift nicht nur einzelne Entscheidungen an, sondern unterlĂ€uft den Schutzraum freier Kunst.»

Linken-Politiker Schliesing sagte, Weimer greife gezielt und systematisch in die Kunstfreiheit ein. «Ich erwarte, dass jetzt endlich die SPD auf den Tisch haut und den Bundeskanzler dazu zwingt, Weimer zu stoppen.» Auch der GrĂŒne Lehmann monierte: «Die derzeit stattfindenden Eingriffe sind mehr als nur punktuelle ZufĂ€lle. Es entsteht der Eindruck, die Regierung versuche, unliebsame Akteure auszusortieren.» Das unterwandere etablierte Instrumente staatsferner Kunstförderung und schaffe ein Klima von Angst, Misstrauen und Selbstzensur.

UnverstÀndnis bei BuchhÀndlerin

Im Fall der drei vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen LĂ€den meldete sich nun eine Betroffene noch einmal zu Wort. Co-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Mechthild Röttering vom Laden Rote Straße sagte, sie finde die Entscheidung nach wie vor «unglaublich». Vor allem, weil sie nicht wisse, was ihrem GeschĂ€ft genau vorgeworfen wird. «Wir fragen uns: Was kann an einer legalen Buchhandlung, die legal BĂŒcher verkauft - was kann daran verfassungsfeindlich sein?»

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