Griechen kÀmpfen gegen BrÀnde - 18 Leichen entdeckt
22.08.2023 - 14:20:19Bei den WaldbrĂ€nden im Nationalpark Dadia in Nordostgriechenland sind am Dienstag die verbrannten Leichen von 18 Menschen gefunden worden. «Da niemand vermisst wird, gehen wir davon aus, dass es sich um illegale Einwanderer handelt», sagte Feuerwehrsprecher Giannis Artopoios dem griechischen Staatssender ERT. Die Menschen seien in einer HĂŒtte am Rande des Waldes gefunden worden, Untersuchungen seien eingeleitet worden.
In der Nacht auf Dienstag haben Feuerwehrleute und Anwohner vielerorts in Griechenland erneut verzweifelt versucht, HÀuser und Ortschaften vor gewaltigen BrÀnden zu retten. Besonders angespannt ist die Situation im Nordosten des Landes: Fernsehbilder zeigten, wie die Menschen in den Vororten der Hafenstadt Alexandroupolis um ihre HÀuser kÀmpften.
Das UniversitĂ€tskrankenhaus sowie zahlreiche umliegende Ortschaften der Stadt wurden evakuiert. Aber auch auf den Inseln Euböa und Kythnos sowie westlich von Athen und nahe der nordgriechischen Hafenstadt Kavala toben groĂe Feuer.
Winde heizen die Flammen an
Der weitaus gröĂte Brandherd liegt im Nationalpark Dadia weit im Nordosten des Landes nahe der Grenze zur TĂŒrkei. Dort wehten starke bis stĂŒrmische Winde und heizten die Flammen an. Ein Mensch kam ums Leben; Medienberichten zufolge handelte es sich um einen Migranten, der an Rauchvergiftung gestorben sei. Im Waldgebiet von Dadia verstecken sich immer wieder Migranten, die illegal aus der TĂŒrkei ĂŒber den Grenzfluss Evros nach Griechenland eingereist sind. Wie viele Menschen sich dort aufhalten und gefĂ€hrdet sein könnten, ist völlig unklar.
Die Rauchschwaden der gewaltigen Brandherde von Dadia sind so groĂ, dass der Qualm noch viele hundert Kilometer entfernt deutlich zu sehen und zu riechen ist. So wurden die Bewohner und Touristen auf den mehr als 500 Kilometer westlich entfernten Inseln Ithaka und Kefalonia im Ionischen Meer am Dienstagmorgen von Rauchwolken und Gestank geweckt, der Himmel war verdunkelt. Satellitenbilder zeigten, dass die Schwaden sogar Italien erreichen könnten, wenn der Wind entsprechend weht.
Eine alptraumhafte Nacht
In Alexandroupolis sind mittlerweile viele Menschen aus den evakuierten Gegenden angekommen und mĂŒssen untergebracht werden. Einige der rund 175 Patienten des evakuierten UniversitĂ€tskrankenhauses wurden auf einer FĂ€hre untergebracht, schwere FĂ€lle auch in KrankenhĂ€user anderer StĂ€dte verlegt, wie der Nachrichtensender Skai berichtete.
Eine alptraumhafte Nacht verbrachten auch die Menschen der Orte Nea Artaki und Psachna auf der zweitgröĂten griechischen Insel Euböa. Dort tobte auf einem Berg ein groĂer Brand, der die Ortschaften bedrohte. Das Industriegebiet von Nea Artaki und andere Siedlungen mussten evakuiert werden. Es seien HĂ€user und StĂ€lle abgebrannt, berichteten griechische Medien; vielerorts fielen Wasser und Strom aus, weil Strommasten verbrannten und die Leitungen mit sich rissen.
Ăhnlich sah es auf der Insel Kythnos aus, wo es seit Montag an zwei Fronten brennt und die Flammen noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten. Vier Siedlungen wurden dort bislang evakuiert, noch sei das Feuer aber nicht an die HĂ€user gelangt. Auch Hotels seien nicht bedroht, sagte der BĂŒrgermeister der Insel gegenĂŒber Journalisten.
Indiz fĂŒr Brandstiftung
15 Kilometer westlich von Athen brach am Dienstagmorgen ein Brand in der Gemeinde Aspropyrgos aus. Auch dort herrschten starke Winde, Anwohner wurden per Warn-SMS dazu aufgerufen, die Gegend zu verlassen. Dort wie auch fĂŒr den Waldbrand von Dadia gehen die Behörden von Brandstiftung aus, wobei mutmaĂliche TĂ€ter noch nicht festgestellt wurden. Allerdings waren beispielsweise am Montag in Dadia binnen zwei Stunden zwölf Feuer ausgebrochen, was als Indiz fĂŒr Brandstiftung gilt.
In der Region Böotien westlich von Athen brennt es bereits seit Sonntagnacht - dort war am Montag ein SchÀfer ums Leben gekommen, der versucht hatte, seine Tiere vor den Flammen zu retten und vermutlich an einer Rauchvergiftung starb, wie die Feuerwehr mitteilte.
Die weiteren Aussichten fĂŒr die Entwicklung der BrĂ€nde waren am Dienstag denkbar schlecht: FĂŒr fast ganz Griechenland warnte der Zivilschutz vor sehr hoher bis extrem hoher Waldbrandgefahr. Problematisch sind vor allem die starken Winde und mancherorts auch Sturmböen, die die Flammen vor sich her treiben und die Feuerfronten ausweiten. Sie machen die Löscharbeiten fast unmöglich und fĂŒr die Löschhubschrauber und -flugzeuge zudem sehr gefĂ€hrlich.
GroĂbrand in der NĂ€he von Athen
ZusĂ€tzlich zu den zahlreichen WaldbrĂ€nden ist am Dienstag auch ein GroĂbrand in der Gemeinde Aspropyrgos rund 15 Kilometer westlich vom Athener Stadtzentrum entflammt. Drei Löschhubschrauber und 27 LöschzĂŒge waren im Einsatz, um die Flammen bei starkem Wind zu bekĂ€mpfen. Ein Teil der Gegend wurde vorsorglich evakuiert und umliegende StraĂen wurden gesperrt. Die Menschen in nahe gelegenen Ortschaften wurden vom Zivilschutz aufgerufen, die Fenster geschlossen zu halten und nicht aus dem Haus zu gehen. Vom Athener Stadtzentrum aus waren tiefschwarze Rauchwolken zu sehen - in Aspropyrgos gibt es kaum Vegetation, dafĂŒr aber groĂe MĂŒllhalden, Industriehallen und Berge von Autoreifen, die Feuer fingen.
Elba: Campingplatz und HĂ€user evakuiert
Auf der italienischen Urlaubsinsel Elba wĂŒtet seit dem spĂ€ten Montagabend ein Waldbrand. Sicherheitshalber wurden rund 700 Menschen evakuiert, die sich auf einem Campingplatz und in mehreren WohnhĂ€usern des betroffenen Gebiets aufhielten, teilte der Zivilschutz der Region Toskana am Dienstag auf der Online-Plattform X (vormals Twitter) mit. Betroffen von den Flammen auf der bei Urlaubern beliebten Insel sind insbesondere die WĂ€lder zwischen den Orten Rio Marina, Porto Azzurro und Ortano. Berichte ĂŒber Verletzte gab es zunĂ€chst nicht. Die Löscharbeiten sind weiter im Gange.
Lage in Kanada
Kontrolle, aber keine Entwarnung auch bei den BrĂ€nden im SĂŒden der kanadischen Provinz British Columbia. Mindestens 50 GebĂ€ude wurden in den vergangenen Tagen zerstört, sagte der örtliche MinisterprĂ€sident David Eby am Montag - die Zahlen könnten aber noch steigen.
«Man kann davon ausgehen, dass es sich bei den meisten, wenn nicht allen, dieser GebĂ€ude um WohnhĂ€user handelt», so Eby. Die Lage hatte sich wegen des Einsatzes vieler RettungskrĂ€fte vor allem bei der Stadt West Kelowna zuletzt aber etwas entspannt. Zudem hoffen Anwohner und Behörden auf fĂŒr heute vorhergesagten Regen.
Kanada kĂ€mpft bereits seit Monaten gegen WaldbrĂ€nde in mehreren Teilen des Landes. Zehntausende Menschen haben in mehreren betroffenen Gebieten in British Columbia und den Northwest Territories bereits ihre HĂ€user verlassen mĂŒssen. Auch die LuftqualitĂ€t nahm rapide ab. Mittlerweile wird dort auch das MilitĂ€r eingesetzt, um die BrandbekĂ€mpfung logistisch zu unterstĂŒtzen.
Lage auf Teneriffa
Trotz groĂer Fortschritte bei der BekĂ€mpfung der Flammen breitet sich der verheerende Waldbrand auf Teneriffa vorerst weiter aus. «Es wird nicht einfach sein (...), aber wir hoffen, dass wir das Feuer in den nĂ€chsten Tagen völlig unter Kontrolle haben werden», sagte der fĂŒr Territorialpolitik zustĂ€ndige Regionalminister Manuel Miranda. Das vor sechs Tagen ausgebrochene Feuer erfasste bisher im Norden und Nordosten der bei Urlaubern beliebten Kanaren-Insel knapp 15.000 Hektar, wie die Behörden in der Nacht zum Dienstag mitteilten. Das sind mehr als sieben Prozent des gesamten Territoriums der Insel. Die Flammen wurden auch in der Nacht zum Dienstag nach amtlichen Angaben von mehr als 250 EinsatzkrĂ€ften pausenlos bekĂ€mpft.









