Terrorgefahr, WeihnachtsmÀrkten

Terrorgefahr auf WeihnachtsmÀrkten: RÀumung in Göppingen

03.12.2023 - 14:31:14 | dpa.de

Drei Festnahmen wegen AnschlagsplĂ€nen und eine RĂ€umung - Die Terrorgefahr trĂŒbt die Stimmung auf den WeihnachtsmĂ€rkten. Die Gewerkschaft der Polizei fordert vor allem ein Mittel fĂŒr mehr Sicherheit.

  • Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke, kritisiert die Belastung der Polizei durch den Schutz der WeihnachtsmĂ€rkte. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke, kritisiert die Belastung der Polizei durch den Schutz der WeihnachtsmÀrkte. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Polizeibeamte sichern den Weihnachtsmarkt ab. - Foto: Kohls/SDMG/dpa
    Polizeibeamte sichern den Weihnachtsmarkt ab. - Foto: Kohls/SDMG/dpa
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Nach drei Festnahmen wegen geplanter TerroranschlĂ€ge ist der Weihnachtsmarkt in Göppingen am Samstagabend aufgrund einer Bedrohungslage gerĂ€umt worden. Inzwischen ist der Markt wieder fĂŒr Besucher geöffnet. Wie ein Polizeisprecher sagte, hatte ein Mann am Telefon am Samstagabend eine Drohung ausgesprochen.

Der Weihnachtsmarkt in Baden-WĂŒrttemberg war daraufhin zĂŒgig geschlossen worden. Wer der Mann ist, der die Drohung ausgesprochen hatte, ist derzeit unklar. Zum Inhalt der Drohung machte der Sprecher aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden keine Angabe.

Zuvor hatte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, auf die Belastung der Polizei durch den Schutz der WeihnachtsmĂ€rkte hingewiesen. Die Polizei sei dort personell stark gefordert, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Die PrĂ€senz wird durch Umstellung der DienstplĂ€ne, Urlaubssperren und Überstunden erzwungen.» Diese Extraschichten könnten nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.

GdP-Chef fĂŒr mehr VideoĂŒberwachung

Kopelke riet dazu, WeihnachtsmĂ€rkte hĂ€ufiger per Video zu ĂŒberwachen. «VideoĂŒberwachung auf WeihnachtsmĂ€rkten ist ein hilfreiches Mittel, das intensiv unter dem Einsatz bester Technik genutzt werden sollte», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das sei bislang nur vereinzelt der Fall, weil oftmals aufgrund des Datenschutzes eine prĂ€ventive VideoĂŒberwachung nicht möglich sei.

Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sieht die Polizei stark belastet. «Zum einen sind Polizisten infolge des Gaza-Kriegs im Objektschutz jĂŒdischer Einrichtungen tĂ€tig. Und zum anderen kann die Bundespolizei in den BundeslĂ€ndern auf WeihnachtsmĂ€rkten nicht unterstĂŒtzen, weil sie an der Grenze gebunden ist», sagte er dem RND. Dort wĂŒrden auch diejenigen abgefangen, die möglicherweise GefĂ€hrder seien oder werden könnten.

Festnahmen wegen mutmaßlicher Anschlagsplanungen

Zuletzt waren in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren festgenommen worden, die einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt geplant haben sollen. Zudem war ein 20-JÀhriger im niedersÀchsischen Helmstedt in Gewahrsam genommen worden. Laut Landeskriminalamt hatte die Polizei Hinweise erhalten, wonach der VerdÀchtige eine schwere Gewalttat geplant haben soll.

Die beiden Jugendlichen sitzen in Untersuchungshaft. Ihre mutmaßlichen Planungen erinnern an den Anschlag am 19. Dezember 2016 auf den Weihnachtsmarkt an der GedĂ€chtniskirche in Berlin, durch den 13 Menschen starben, einer von ihnen Jahre spĂ€ter an den Folgen.

Schausteller sehen Sicherheit gewÀhrleistet

Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Schaustellerbundes, Frank Hakelberg, beteuerte aber in der «Rheinischen Post» (Samstag): «Die 3200 WeihnachtsmĂ€rkte in Deutschland sind sicher. Die Menschen sollten zwar achtsam sein, aber keine Sorgen haben.»

Verfassungsschutz sieht gestiegene Terrorgefahr

Schon vor Bekanntwerden der jĂŒngsten Festnahmen hatte der Verfassungsschutz gewarnt, dass vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts die Gefahr fĂŒr mögliche TerroranschlĂ€ge gegen jĂŒdische und israelische Personen und Einrichtungen sowie gegen «den Westen» deutlich zugenommen habe. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr geht demnach aber nicht von AnhĂ€ngern der Hamas oder der pro-iranischen Hisbollah aus, sondern von Terrorgruppen wie Al-Kaida oder dem sogenannten Islamischen Staat (IS).

Rufe aus der Union nach Speicherung von IP-Adressen

Die Vizevorsitzende der Union im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU), forderte die vorsorgliche Speicherung von IP-Adressen. Das Innen- und das Justizministerium sollten «umgehend einen Aktionsplan gegen islamistischen Terrorismus vorlegen, so wie es ihn im Bereich Rechtsextremismus lĂ€ngst gibt», sagte die Innenexpertin der «Rheinischen Post». «Dazu gehört insbesondere die Pflicht zur Speicherung von IP-Adressen fĂŒr einige Monate zum Zweck der TerrorbekĂ€mpfung.» Der EuropĂ€ische Gerichtshof habe dies bereits vor ĂŒber einem Jahr zum Zweck der TerrorbekĂ€mpfung fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt.

«Es darf nicht sein, dass es - wie momentan - praktisch vom Zufall abhĂ€ngt, ob Fahnder eine IP-Adresse einem Terroristen zuordnen können oder nicht», mahnte Lindholz. Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus in Deutschland sei nie weg gewesen. «Durch die einseitige Fokussierung der Bundesregierung auf den Rechtsextremismus ist sie aber ein StĂŒck aus dem Blick geraten. Jetzt zeigt sich, dass das ein Fehler war.»

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