Angreifer von Regensburg sitzt in U-Haft - Motiv unklar
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:30 Uhr | dpa.deNach der tödlichen Messerattacke in einer Regensburger Bank sitzt der 20 Jahre alte TatverdĂ€chtige in Untersuchungshaft. Er steht in Verdacht, tags zuvor einen Bankmitarbeiter mit mehreren Messerstichen so schwer verletzt zu haben, dass er wenig spĂ€ter im Krankenhaus starb. Der Haftbefehl lautet unter anderem auf Mord aus Habgier und ein versuchtes Raubdelikt.Â
Das Motiv des Mannes fĂŒr die Bluttat sei noch weitgehend unklar, sagte der Leiter der Kripo Regensburg, Robert Fuchs. Er habe in der Bank ein Messer und einen Zettel in der Hand gehabt, auf dem sinngemÀà gestanden habe, dass er einen Bankraub vorhabe und Geld erbeuten wolle. Es habe sich jedoch um eine bargeldlose Filiale gehandelt, die Aussicht auf Beute habe von vornherein nicht bestanden.Â
FĂŒr den 20-JĂ€hrigen bestand bereits seit geraumer Zeit ein Waffenbesitzverbot, weil er in der Vergangenheit unerlaubt mit einem Messer und einem Elektroschocker angetroffen worden war.
Keine Hinweise auf psychische Erkrankung
Die Staatsanwaltschaft habe Haftbefehl beantragt, ein Ermittlungsrichter habe diesem Antrag stattgegeben, sagte Staatsanwalt Thomas Schug. Hinweise auf eine psychische Erkrankung des VerdĂ€chtigen gebe es derzeit nicht. Er werde jedoch entsprechend untersucht.Â
Der 20-JĂ€hrige hatte sich nach dem Messerangriff zunĂ€chst in einem BĂŒroraum der Bankfiliale verschanzt. WĂ€hrenddessen sei es der Polizei gemeinsam mit Kunden und Mitarbeitern der Bank gelungen, das Opfer zur weiteren Versorgung durch ein Fenster auf den BĂŒrgersteig neben das GebĂ€ude zu bringen.Â
Zwei weitere Bankmitarbeiter konnten befreit werden. Zu Beginn der Tat hatten sich auch Kunden in der Bank befunden, darunter ein junges Ehepaar samt Kleinkind, wie die Ermittler weiter mitteilten.Â
Festnahme in Toilette
Bei dem tödlichen Angriff nutzte der TĂ€ter Ermittlungen zufolge ein KĂŒchenmesser. Die Klinge sei zwölf Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit, teilten die Ermittler bei einer Pressekonferenz mit. SpezialkrĂ€fte konnten den 20-JĂ€hrigen noch in der Bank festnehmen - drei Stunden nach Bekanntwerden der Tat. Widerstand habe der Mann nicht geleistet. Er habe sich in der Toilette befunden, sagte Kripo-Chef Fuchs. Dort in der NĂ€he sei auch die Tatwaffe gefunden worden. «So wie es fĂŒr uns ausschaut, ist sie auch saubergemacht worden», schilderte Fuchs weiter.Â
An dem Polizeieinsatz seien 372 EinsatzkrĂ€fte beteiligt gewesen, sagte Fuchs. Die ersten EinsatzkrĂ€fte seien nur vier Minuten nach zwei fast zeitgleich eingegangenen Notrufen bei der Bank gewesen.Â
Wenige Stunden zuvor in Polizeigewahrsam
Der junge Angreifer sei polizeibekannt und weniger als 24 Stunden vor der Bluttat noch in Polizeigewahrsam gewesen. Er habe sich selbst der Polizei stellen wollen, weil er angeblich eine Bierflasche auf ein PolizeigelĂ€nde geworfen hatte. Nach PrĂŒfung des Geschehens sei der zu diesem Zeitpunkt leicht alkoholisierte Mann wieder freigelassen worden. Es hĂ€tten keine HaftgrĂŒnde vorgelegen.Â
In der Vergangenheit war er mehrfach durch kleinere Delikte wie etwa SachbeschĂ€digungen aufgefallen, sagte Fuchs. Unter anderem sei er mehrfach als vermisst gemeldet worden, weil er in eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung nicht zurĂŒckgekehrt war.Â
Ob er am Tag der Tat alkoholisiert war oder unter dem Einfluss anderer Drogen stand, war zunĂ€chst nicht bekannt. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung habe die Polizei keine Drogen gefunden.Â
Opfer starb im Krankenhaus
Die Belegschaft der Hypovereinsbank trauert nun um ihren Kollegen. «Wir sind zutiefst bestĂŒrzt ĂŒber den Verlust eines unserer Kollegen infolge dieses tragischen Vorfalls», teilte die HVB nach der Tat mit.
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Am Tag nach dem Angriff drĂŒckten Menschen an der Filiale ihre Trauer aus, indem sie Blumen ablegten und Kerzen aufstellten.
BankĂŒberfĂ€lle sind seltener geworden
BankĂŒberfĂ€lle waren in Bayern zuletzt laut Landeskriminalamt (LKA) eine Seltenheit. Von 2021 bis 2025 wurden insgesamt gerade einmal 13 FĂ€lle gemeldet, in 6 - also bei knapp der HĂ€lfte - davon blieb es beim Versuch. Schon in den Jahren zuvor war die Zahl der BankĂŒberfĂ€lle im Freistaat deutlich gesunken: Hatte das LKA im Jahr 1993 noch 133 ĂberfĂ€lle auf Geldinstitute und Postfilialen gezĂ€hlt, waren es 2020 nur noch 6.
