Hauseinsturz in Görlitz: Buntmetalldiebe im Verdacht
08.06.2026 - 04:00:18 | dpa.deDrei Wochen nach dem tödlichen Einsturz eines Hauses im sĂ€chsischen Görlitz sind zwei mutmaĂliche Buntmetalldiebe im Visier der Ermittler. Sie stehen im Verdacht, die Rohrleitungen im GebĂ€ude beschĂ€digt und/oder manipuliert zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagabend mit. Die MĂ€nner wurden festgenommen und sitzen â wegen anderer TatvorwĂŒrfe â bereits in U-Haft.Â
Die Ermittler suchen nun Zeugen, die Angaben ĂŒber die MĂ€nner machen können. Es wurde eine Belohnung von 5.000 Euro fĂŒr Hinweise ausgelobt, die «zur AufklĂ€rung der Tat und zur Verurteilung der TĂ€ter fĂŒhren». Einheimische seien ebenso als Zeugen gefragt wie Touristen.
Es werde wegen des Verdachts des HerbeifĂŒhrens einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlĂ€ssiger Tötung ermittelt, hieĂ es. Zuvor hatte die MDR-Sendung «Kripo live» berichtet.Â
Diebe gelangten in das Haus
Bei dem UnglĂŒck waren am 18. Mai drei Menschen ums Leben gekommen. Nach aktuellem Erkenntnisstand waren die beiden TatverdĂ€chtigen am Nachmittag des Tages im Umfeld des Hauses unterwegs und suchten nach «stehlenswertem Gut». Sie hatten es demnach unter anderem auf FahrrĂ€der, Schrott sowie Buntmetalle abgesehen.
«In diesem Zusammenhang prĂŒften sie an diversen HaustĂŒren, ob sich diese öffnen lieĂen, um in die Hausflure beziehungsweise Keller zu gelangen», schrieben Polizei und Staatsanwaltschaft. Inzwischen sei bekannt, dass sich die beiden MĂ€nner auch Zutritt zum Haus in der James-von-Moltke-StraĂe 21 verschafften â das ist das am spĂ€ten Nachmittag eingestĂŒrzte GebĂ€ude.Â
Was nach dem Betreten des Hauses passierte, sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen. «Diese sind durch den Einsturz des GebĂ€udes und die zunĂ€chst erforderliche BerĂ€umung des TrĂŒmmerfeldes erschwert. Bisher ist daher die Begehung der KellerrĂ€ume noch nicht möglich», hieĂ es.
Polizei sucht ZeugenÂ
Kai SiebenĂ€uger, Pressesprecher der Görlitzer Polizei, sagte in der MDR-Sendung «Kripo live», bei den VerdĂ€chtigen handele es sich um einen 27 Jahre alten polnischen Staatsangehörigen und einen 33-jĂ€hrigen afghanischen Staatsangehörigen. Die MĂ€nner seien bereits «in anderer Sache» in Untersuchungshaft.Â
Die Polizei sucht nun Zeugen, die die beiden TatverdĂ€chtigen am 18. Mai gesehen haben. Die James-von-Moltke-StraĂe werde viel befahren und begangen, weil sie das Stadtzentrum von Görlitz mit den sĂŒdlich gelegenen Stadtteilen verbinde, hieĂ es. Personenbeschreibungen wurden veröffentlicht.
Riesiger TrĂŒmmerberg
Bei dem UnglĂŒck waren zwei Touristinnen aus RumĂ€nien im Alter von 25 und 26 Jahren ums Leben gekommen. Zudem starb ein 48-jĂ€hriger Mann, der aus Bulgarien stammte und auch die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft besaĂ. Hunderte EinsatzkrĂ€fte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungshundestaffeln suchten tagelang nach den Vermissten. Zum Teil arbeiteten sie sich mit Schaufeln und bloĂen HĂ€nden durch den TrĂŒmmerberg.
Bisher war vermutet worden, dass eine Gasexplosion das UnglĂŒck verursacht hat. Die Ermittler schreiben nun zum Tatvorwurf «HerbeifĂŒhren einer Sprengstoffexplosion»: Das Wort Sprengstoff sei nur beispielhaft genannt. Zur ErfĂŒllung des Tatbestandes reiche jede plötzliche Ausdehnung von Gasen oder DĂ€mpfen aus, die eine plötzliche Kraftentfaltung bewirkt. «Es kommt also rein auf den physikalischen Vorgang der Explosion an, nicht auf das verwendete Material.»
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